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Im Gefahrengebiet

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Ist das nicht empörend? Mitten in der schönen Hauptstadt Berlin gibt es ein Gefahrengebiet! Ganz recht: einen Freiraum für Extremisten und Gewalttäter!

Das Gefahrengebiet heißt: Friedrichshainer Nordkiez.

Asphalt Tiger würde sich hier niemals hintrauen. Am helllichten Tag kann es jedem Passanten, jeder Passantin, jedem Passantenkind hier passieren, dass die Extremisten zuschlagen. Wahllos können sie jedem hier den Weg versperren. Vorwand: “Papiere bitte!” Absicht: Angst und Schrecken, Ausnahmezustand, Vernichtung bürgerlicher Rechtssicherheit. Heute, am 6. Februar 2016, ist zu vermuten, dass die Gewalttäter nicht allein, sondern kollektiv, in größeren Gruppen zuschlagen werden. Ganze Straßen werden sie, schwarz vermummt, blockieren, niemanden durchlassen. Schülerinnen und Schülern werden sie die Rucksäcke durchwühlen, auf der Suche nach was? Geld scheint ihnen nicht wichtig; wichtiger ist die unumschränkte Herrschaft im Territorium. In die Handtaschen junger Damen und alter Omis werden sie greifen! Wessen Gesicht ihnen nicht passt, dem werden sie den Zutritt zum Territorium, zum rechtsfreien Raum, wo allein sie das sagen haben, gar nicht erst gewähren. Mit verschränkten Armen stehen sie da, einer neben dem anderen, und lassen keinen durch. Begründung: keine.

Die meisten von ihnen haben sich vermummt. Haben ihren Körper mit festen Stiefeln, Knieschützern, dicken Hosen und Jacken, Sandhandschuhen gepanzert. Obendrauf ein Helm. Einer sieht aus wie der andere. Hinten auf ihren Jacken stehen Zahlencodes. Extremistische Botschaften? In diese Gedankenwelt dringt man nur schwer ein, gewöhnliche Bürger*innen können sie nicht verstehen, und die Zivilgesellschaft ist ratlos. Was dagegen tun?

Im Schutze der Nacht dann, die Anfang Februar rasch einbricht, glauben sie sich völlig sicher in ihrem rechtlosen Tun. Wer gebietet ihnen Einhalt? Wer sich ihnen entgegenstellt, sei es, um Schlimmeres zu verhindern, sei es, weil er nicht schnell genug beiseite springen kann, den traktieren sie mit Reizgas und Pfefferspray. Sie tragen Schilde wie im Mittelalter, und im Hintergrund zeichnet sich schon deutlich die riesige Wasserkanone ab. Rette sich wer kann! Es ist eine archaische Gesellschaft, in der dieses extremistische Milieu seine Blüten treibt. Doch hielt das Mittelalter noch Werte der Ritterlichkeit hoch, kennen die heutigen Extremisten in den von ihnen etablierten Gefahrengebieten nur Nachtreten. Liegt eines ihrer Opfer am Boden, ist es schnell von bis zu zehn Gewalttätern umringt — die Presse, sofern anwesend, kann so nicht sehen, was sie tun — und wird nach allen Möglichkeiten mit Tritten, Knüffen, Griffen traktiert.

Der Zivilgesellschaft, erschrocken, fehlen meist die Worte, um diesen Zivilisationsbruch auch nur zu benennen, vom Beklagen nicht zu reden! Doch ist das so schwer? Es gab solche Extremisten schon in den beiden vorangegangenen Diktaturen, im Nationalsozialismus und im DDR-Unrechtsstaat! Auch hier gab es unsägliche Gewalttaten von extremistischen Tätergruppen, die auf Schritt und Tritt die Menschlichkeit verfolgten und mit sinnloser Gewalt ein Schreckensregime errichteten. Die Zivilgesellschaft hat diese beiden Diktaturen erfolgreich überwunden. Zur Mahnung und Abschreckung hat sie Erinnerungsorte errichtet, die die nachfolgenden Generationen dazu erziehen sollen, nicht zuletzt auf sich selbst acht zu geben: Nie wieder extremistische Gefühle, Wünsche, Taten!

Das Stasi-Gefängnis ist ein solcher Erinnerungsort an den Schrecken, an den erfolgreich überwundenen Extremismus vorangegangener Kollektivtäter. Könnte einem Erziehungsprogramm Erfolg beschieden sein, das die heutigen extremistischen Gewalttäter, die mitten in der Hauptstadt ein Gefahrengebiet verteidigen, hier zu besseren Menschen erzieht? Viele von ihnen sind noch jung, man kann sie bessern!

Sicherlich, die bisherigen staatlichen Programme zur Extremismusbekämpfung weisen theoretische Schwächen auf, die ihren Erfolg schmälern. Ist es letztlich nicht unstatthaft, den mörderischen NS-Staat mit dem Staatssozialismus zu vergleichen? Macht schließlich nicht die Einrichtung von Rechtsstaatlichkeit einen großen Unterschied aus, ein Recht, das es den Opfern ermöglicht, ihren individuellen Widerstand gegen die reine, irrationale Gewalt der Extremisten im Gefahrengebiet zu rechtfertigen?

Schließlich gibt es auch einen großen Unterschied zwischen damals und heute, was das Verhältnis des individuellen Extremisten zu seinem Kollektiv anbelangt. Keiner der heutigen Extremisten kann sein Tun heute mit dem Argument des “Befehlsnotstands” rechtfertigen. Kein Extremist wird heute von seinem Vorgesetzten erschossen, wenn er sagt: “Nein, Boss, ich mache da nicht mehr mit!” Mögen die Loyalitätsbeziehungen und Abhängigkeiten im Inneren dieser extremistischen Sondergesellschaft auch noch so archaisch, rigide und brutal sein (und mögen auch die Aussteigerprogramme für Extremisten bislang weitgehend wirkungslos sein), so ist es dem Einzelnen der Ausstieg aus dem extremistischen Verband jederzeit und weitgehend folgenlos möglich – und damit sein Weg zurück in die Mitte der Gesellschaft!

Asphalt Tiger appelliert daher an die extremistischen Gewalttäter: “Hört auf mit dem Scheiß! Schwört ab der Gewalt! Verweigert den Befehl! Steigt aus! Legt die Waffen nieder, setzt die Helme ab, lasst die Oma durch! Hebt das Gefahrengebiet auf!”

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https://linksunten.indymedia.org/de/node/164311

https://linksunten.indymedia.org/de/node/167954

 

Drüben

“Du, koenntest du shwimmen,

wie Delphine / Dolphine es tuen?

Niemand gibt uns eine Chance

doch wir koennen siegen

fuer immer und immer

Und wir sind dann Helden

fuer einen Tag” (David Bowie)

Erst Lemmy, jetzt Bowie. Lemmy, klar: hat immer auf den Tod hingelebt. Der Tod war immer auf seiner verspiegelten Sonnenbrille, von innen. Aber David Bowie war von Anfang an bis in die Gegenwart der Modernist. Und immer modern sein heißt: ewig leben.

Jetzt ist auch er tot. Kaum zu glauben.

David Bowie, da waren sich immer alle einig, hat Grenzen ausgelotet und überschritten. War ewig jung und altert nicht und war doch als Junger schon abgeklärt wie ein Alter. David Bowie, das war der Modernist: Fortschritt! Zukunft! Neu! Glaube an Innovation! Aber: kühl. Ein Wissenschaftler, ein Forscher, schaut unbewegten Auges. Und während die andern (Stones, Dylan) sich immer mehr zurückwenden, Traditional Blues, Schunkelmusik, oder sterben oder totgeschossen sind(Beatles), überschreitet Bowie eine Grenze nach der andern:

1973: Grenze zum Mädchen: Schminke, Haare!

Neue Kleider, enge Hosen: hat er immer wieder abgestreift. Man nannte ihn deswegen: “Das menschliche Chamäleon”! Das Chamäleon ist ein Tier, deswegen: Grenze zum Tier.

Dann, 1976, im Kino, “Der Mann, der vom Himmel fiel”: ein Außerirdischer. Die Grenze ‘Der Himmel’ überschreiten! Marciontisch: Der Körper ist nur Hülle für das eingeschlossene Sternenlicht, ‘Holt mich hier bloß wieder ab’. Ziggy Stardust, Star Man, Is there Life on Mars, Space Oddity. Immer wieder: Weltall! Transzendenz …

Dann, 1977: “Heroes”. Also Helden! Halbgötter. Wo geht die Grenze durch? Wagrecht am Bauchnabel oder vom Scheitel bis zur Sohle? Bowie entzog sich durch erneute Transformation und Steigerung der Komplexität einer voreiligen Beantwortung dieser Frage: Helden sind doch Dolphine (s.o.)! Also Halbgötter sind irgendwie auch Tiere, wodurch Asymmetrien in Körper und Verschiebungen und Schwankungen in die Grenze kommen. Unberechenbar.

Dann, 1990er: Futuristische Maschinenmusik. Ein eisiger Wind auf kalter Oberfläche — ein neuer Willen zur Überwindung : der Grenzen des Organischen. (Das Anorganische des Metalls war aber natürlich von Anfang an Bestandteil seiner Stimme und seines zweifarbigen Blicks. Kühl, drohend, reserviert.

Und ist der kompromisslose Gestus des Dezisionisten Bowie, der sich in seinen Entscheidungen frei macht von moralischen Urteilen, nicht verwandt mit dem Algorithmus des Computers, dessen Programmierbarkeit im Innern des Apparats den Ablauf endlos neuer Entscheidungen zwischen Null und Eins ermöglicht, um im Endergebnis etwas vollkommen Neues zu erzeugen, das, schaut man nur aufs lackierte Gehäuse, sich nicht erahnen lässt und sich nach herkömmlichen Maßstäben nicht beurteilen lässt?)

Schließlich, vor wenigen Tagen, hat David Bowie eine neue Grenze überwunden. Wie ein Dolphin sprang David Bowie über die letzte Grenze, mühelos, ohne Anstrengung, nach Drüben, ins Jenseits.

Der Tod ist die letzte Grenze des Lebens. Sie zu überwinden ist die riskanteste Sache der Welt: Der Tod kostet das Leben. Die Menschen, die noch leben, bewundern die Toten: Albert Einstein, Lemmy von Motörhead, Udo Jürgens — sie haben es geschafft. Darüber hinaus, eine weitere Hürde, die den Menschen den Mut nimmt, sie zu überwinden: Alle Toten, an die sie sich erinnern können, sind berühmt! Ein Star, das wird ein Stern: eine große, eine einmalige Persönlichkeit.

Die Menschen auf der anderen Seite, eine bunte Meute, winken ab: “Pah! Geht doch! Kommt auch rüber! Ist ganz leicht!” Schließlich haben sie es auch geschafft. Und zwar alle, die drüben sind! Davor hatten sie ebenfalls unsägliche Angst davor, aber als sie erst einmal drüben waren, haben sie gelacht. Gemeinsam, das tut gut!

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Wir Menschen leben hier weiter. Auf der Erde. Alleine. Ohne die lieben Toten. Und wir müssen uns, mit jedem Tod mehr, mit dem Schwinden vertrauter Gewissheiten vertraut machen. Mit dem Schwinden dessen, was bis jetzt den unhinterfragten Hintergrund unseres alltäglichen Lebens ausgemacht hat: dass sie da sind, dass sie da bleiben. David Bowie, der ewige Modernist, der uns mit seiner Popmusik unser ganzes bisheriges Leben begleitet hat, der, seit wir denken können und schon lange davor, im Radio gesungen und im Fernsehen getanzt hat, ist tot. Dass er immer wieder Grenzen überschritten hat, daran hatten wir uns gewöhnt. Das haben wir so von ihm erwartet. Dass er aber, gegen alles besseres Wissen, nicht ewig lebt, ist ein Schock, den wir erst einmal verarbeiten müssen.

Wir spüren plötzlich die Leere hier und in der tiefen Dunkelheit des Weltalls eine Fülle, die sich von uns weg ausdehnt.

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Was soll man denn jetzt machen!? Wer erfindet denn hier jetzt noch was neu!? Man muss doch erst mal wieder das Erfinden neu erfinden!

 

 

 

 

Husten gut

Die Lokomotive

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Ich organisierte eine Demonstration der Barbiere, und bei dieser Gelegenheit lernte ich einen Kommunisten kennen, der mir sagte, mein Platz sei in der Kommunistischen Partei. Ich fand keine Schwierigkeit und trat ein: 1943. Ich war gleich von Anfang an verantwortlich für eine Zelle in der Straße. Dann für eine Parteigruppe. Ich las mit Vergnügen, weil es, außer dass ich die Parteilehre erfuhr, auch meinem Bedürfnis zu lernen entsprach, das ich immer gehabt hatte. Ich organisierte kollektive Lesestunden, mit Arbeitern. Wir haben angefangen mit “Historischer und dialektischer Materialismus” von Marx. Monatelang haben wir uns angestrengt zu begreifen. Die Geschichte der Partei der Bolschewiki, “Die Stadt des Sozialismus” von Gramsci. Aus diesem Buch habe ich eine Lehre gezogen, die mir genützt hat: die Gesellschaft ist wie ein Zug aus vielen Waggons, an dessen Spitze eine moderne Lokomotive ist, während die anderen Waggons die Phasen der vergangenen Gesellschaft darstellen, mit allen ihren Strukturen, mit allen ihren Fehlern. Die Reise wird schwierig, weil diese Waggons kaputt sind, ab und zu fällt eine Schraube heraus, fällt eine Tür herunter. Darum ist es nötig, dass alle, die im Zug sind, zusammenarbeiten, um ihn zu reparieren. Und wenn alles in Ordnung ist, reist man direkt zur Stadt des Sozialismus.

(Gino, in: Danilo Dolci, Der Himmel ist aus Rauch gemacht. Sizilianische Erzählungen, Berlin (Ost): Aufbau Verlag, 1976, S. 107)

Goodbye, Lemmy!

Dann macht er die Augen zu, und dann wird er plötzlich wieder jünger. Dann wird ihm schwindlig, und dann weiß er auch warum. Er ist auf einem Schiff, das schwankt und das wohin fährt. Wohin? Lemmy schaut nicht nach vorn, sondern zurück auf das, was er hinter sich lässt. Alles wird ihm leichter: Plötzlich hat er keinen Bass mehr um, sondern eine Gitarre. Seine Freunde sind auch wieder jung und schwenken mühelos ihre Gitarrenhälse. Im leichten Wind. Lemmy beginnt dann mit träumerischer Stimme zu singen, so hat man ihn lange nicht singen gehört. Um ihn herum auf dem Wasser ein sanftes, schimmerndes Licht. Zum Schluss macht er die Augen vielleicht ganz weit auf, vielleicht nimmt er ganz zum Schluss die Sonnenbrille ab, und vielleicht ist dann alles strahlend hell.

Ruhe in Frieden, Lemmy!

 

Vid.: “Free the People – Now! Do it, do it, do it, do it – Now! / Stop the Killing – Now! Do it, do it, do it, do it – Now!”

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Die Straßenbahn ist voll. Asphalt Tiger hangelt sich am Haltegriff hin und her, in der anderen Hand hält er ein oranges Buch. In seinem Fortschrittsoptimismus erwartet Condorcet im Jahr 1794, dass der Tod in Zukunft “nurmehr die Wirkung außergewöhnlicher Umstände” sein werde.

Eine Frau mit Kinderwagen steigt ein, und Asphalt Tiger stellt sich woanders hin. Dass der Tod abgeschafft werden kann, dass “Kontingenzerfahrungen und Sinnprobleme, die bisher religiös gedeutet und kultisch abgearbeitet worden sind”, “[…] entweder in wissenschaftlich bearbeitbare Probleme umgesetzt und in diesem Sinne rational gelöst oder als Scheinprobleme durchschaut und objektiv zum Verschwinden gebracht werden können” hält Habermas (1981: 215) für riskant. 25 Jahre später redet er mit dem Papst. Der hält das auch für riskant und wackelt mit der Hand.

Asphalt Tiger: Und was ist mit der Oma? Er klappt das orange, schon zerlesene Buch zu und kratzt sich hinten am Kopp. Er wird das Buch nie weiterlesen. Die Schulkinder mit den Zahnlücken sind längst mitten in der wissenschaftlichen Debatte drin:

„Ein Mensch kann hundert Jahre alt werden!“

„Kann er nicht! Mit hundert Jahren wird man tot!“

Sechs, sieben Kinder übertreffen sich gegenseitig. Und laut!

„Ich kenne eine Oma, die ist 99 Jahre alt!“

„Deine Oma!“

„Nein! In einem Pflegeheim!“

So kommen wir nicht weiter.

„Ein Mensch kann aber keine 900 Jahre alt werden.“

„Aber eine Schildkröte kann 400 Jahre alt werden.“

„Eine Schildkröte ist ein Dinosaurier, der noch lebt.“

„Aber Dinosaurier sind ausgestorben.“

„Schildkröten leben noch! Zum Beispiel in Australien.“

Man muss die Probleme von allen Seiten betrachten.

„Entzückend!“, sagt eine junge Frau und lächelt Asphalt Tiger an. Aber es ist auch sehr ernst.

„Adam und Eva waren die ersten Menschen!“

„Quatsch! Adam und Eva waren Babys.“

„Die ersten Menschen haben Fleisch gegessen!“

„Dinosaurier waren die ersten Lebewesen auf der Erde!“

„Erst kamen die Dinosaurier, dann kamen die Menschen.“

„Die Erde ist 2,4 Million Jahre alt.“

„Aber die Erde lebt nicht! Wenn die Erde leben würde, hätte sie ein Gesicht. Hat sie aber nicht!“

„Da! Ein Fenster voller Tiere!“

„Boah!“ Alle schauen aus dem Fenster raus. In dem Fenster hängen unzählige Stofftiere!!!

Weiter.

„Adam und Eva waren die ersten Menschen!“

„Quatsch! Adam und Eva waren die ersten Menschen von Rom!“

Wenn Wissenschaft eine Zauberkunst ist, die unlösbare Probleme der Menschheit löst: dann war und ist Wissenschaft doch erfolgreich! Sicher: Riskant! Aber wenn die Oma Spaß dran hat!

Die ersten Menschen von Rom starben noch jung! Kaum erwachsen, fielen ihnen die Zähne aus, und hungrig und müde wurden sie zum leichten Opfer der letzten Riesenechsen. Ein Happs – weg! Heute ist so etwas zum Glück, trotz Krokodilen und Riesenschildkröten, undenkbar.

Der modernen Wissenschaft gelingt es, Dinosaurierzähne aus dem Boden auszugraben, über den Ozean bis nach Australien zu fahren, alte Tiere zu entdecken – und eine Oma 99 Jahre alt werden zu lassen! Ein Hoch auf ihre Zauberei! Ein Hoch auch auf die Oma, die noch an die Wissenschaft glaubt!

Aber auch: Danke für die zarte Zuneigung des jungen Menschens, der die alte Oma im Heim besucht und ihre Kontingenzerfahrungen und Sinnprobleme wegzaubert! Oma freut sich!

Schön, oder?

Und Asphalt Tiger ist überzeugt: Bei der heranwachsenden Generation junger Wissenschaftler, die er heute in der Straßenbahn erlebt hat, haben religiöse Spinner und spinnerte Philosophen keine Chance! Ein Glück!

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Afrique Europe Interact nimmt in einem offenen Brief zum afrikanisch-europäischen Regierungsgipfel in Valletta Stellung. In Valletta kamen am 11. und 12. November Staatschefs aus 35 afrikanischen und 28 europäischen Ländern zusammen und diskutierten den “Aktionsplan gegen illegale Migration”, der, so Merkel, illegale Migration “[…] durch bessere Regierungsführung, durch bessere Einbeziehung der Zivilgesellschaften, durch wirtschaftliches Wachstum und Perspektiven für die jungen Menschen” bekämpfen soll. Geile Scheiße! Afrique Europe Interact dazu:

Offiziell sollen in Valletta fünf Handlungsfelder zur Sprache kommen: Die Bekämpfung von Fluchtursachen, legale Migration und Mobilität, internationaler Schutz und Asyl, die Bekämpfung von Menschenschmuggel und -handel sowie Fortschritte bei Rückführung und Rückübernahme.

Auffällig ist indessen, dass die Europäische Union keinerlei Bereitschaft signalisiert, von einer Politik Abstand zu nehmen, die durch knallharte Interessenorientierung immer wieder jene Fluchtursachen schafft, die angeblich “bekämpft” werden sollen. Beispielsweise hat die EU erst jüngst gefordert, dass die seit Jahren hochgradig umstrittenen EPA-Freihandelsabkommen (“Economic Partnership Agreements”) von den afrikanischen Ländern bis 2017 ratifiziert werden sollten. Diese sehen für 80 Prozent aller Produkte aus der EU den Wegfall von Zollschranken vor, obwohl dies den Verdrängungswettbewerb für afrikanische ProduzentInnen enorm verschärfen wird, ganz zu schweigen davon, dass die Staatshaushalte vieler Länder in Afrika zwingend auf die entsprechenden Zolleinnahmen angewiesen sind.

Ähnlich verhält es sich in weiteren Bereichen, beispielsweise bei der Verdrängung landwirtschaftlicher Produkte durch EU-Billigexporte, bei dem von der EU gezielt geförderten Verkauf afrikanischer Böden an internationale Investoren (Stichwort Landgrabbing) oder bei dem Umstand, dass Afrika pro Jahr bis zu 20 Milliarden Euro durch legale und illegale Steuertricks internationaler Konzerne verloren gehen.

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