Gute Musik: Groinoids und so

Bevor Asphalt Tiger das vergisst:

Saxophon! Herrlich. Die langsamste Band auf der This is Boston, not L.A. Compilation, aus der großartigen Kilslug, Adolf Satan und Upsidedown Cross Blase um Larry Lifeless. Ebenso und noch davor:

Man muss da an Flipper denken, aber ohne Meer: Boston halt.

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Nochma gute Musik: Beme Seed

Bevor Asphalt Tiger das vergisst.

Asphalt Tiger kann plötzlich wieder verstehen, warum er Noiserock mal gut fand. Keine Strukturen, unstrukturierter Lärm über halbe Stunden, Bauphisyik. Weil sie so billig war, hat er ca. 1991 bei seinem Lieblings-CD-Versand mit zahlreichen anderen CDs (z.B. Paul Leary, History of a Dog, oder die Honeymoon Killers aus New York: düster) auch eine BEME-SEED-CD bestellt. Das Cover sah eigenartig aus: ein Mensch aus schwarzen Punkten, der sich noch nicht ganz materialisiert hatte, irgendwie jenseitig, war darauf abgebildet. Die Musik war ähnlich, ungreifbar. Asphalt Tiger wusste gar nicht richtig, ob er das überhaupt gut finden sollte. Jetzt hat jemand, vermutlich aus dem Bandumfeld, altes Material zugänglich gemacht, und Asphalt Tiger stößt drauf und ist geflasht. Die Musik nervt noch immer! Kathleen Lynch, die Sängerin, war mal bei den Butthole Surfers.

https://freemusicarchive.org/music/Beme_Seed

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Und dann findet Asphalt Tiger noch dies: Noiserock aus Connecticut, noch älter. Was es alles gibt, ts ts.

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Gute Musik

„Der Ton kommt vom Saxophon.“

Asphalt Tiger hat John Surman entdeckt, als er in Jacques Rivettes „Merry Go Round“ (1981) das Holzblasinstrument geblasen hat. Intense! Asphalt Tiger hat den rätselhaften Film, den er um 1990 auf eine VHS-Kassette aufgenommen hatte (seitdem hat er Surmans Musik im Ohr) letztens wieder angeschaut. Und schon wieder vergessen, worum es ging. Mit Musik ist das anders.

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Gute Musik

Die geliebte Stimme von den Flying Lizards, wiedergefunden. Schön, Dub.

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Black Friday

Es ist November, dunkel, durch das Dunkel und den Nebel dringen nur die Werbetrommeln. Die Leute laufen hin, wo sie Trommeln hören. Sie laufen auf Black Friday zu. Asphalt Tiger liest auf einer Anzeige, die hell auf dem Internet klebt, die Aufforderung, die Menschen mögen doch am Black Friday „zuschlagen“. Für die einen ist es also Black Friday, für die anderen, die nicht schnell genug zuschlagen, ein Tag der Großen Niedergeschlagenheit (= Great Depression)? Nachdem in den letzten Monaten alle in der Fernsehwerbung zu Diversity getanzt haben, muss man jetzt wieder beim Survival of the Fittest mithalten. Asphalt Tiger bleibt vorsichtshalber zuhause.

Ist es da besser? Unvorsichtigerweise schaut er auf die erste Seite der Zeitung vom Wochenende: BAM! Das Berliner Finanzamt entzieht der Bundesvereinigung der VVN-BdA die Gemeinnützigkeit. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, 1947 von Überlebenden der Konzentrationslager und Verfolgten des NS-Regimes gegründet, setzt sich den „Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit“ zum Ziel. „Nichts schlimmer als das!“, denkt sich der Bayerische Verfassungsschutz und führt den VVN-BdA in seinem jährlichen Bericht als „linksextreme“ Organisation auf. Und auf diese Einschätzung stützt sich das Berliner Finanzamt in seiner Entscheidung.

„Frieden“? Die Bundeswehr, liest Asphalt Tiger auf der gleichen Seite der Zeitung (das Internet ist flach und hat nur eine Seite), postet Hakenkreuze auf Instagram, entschuldigt sich aber. Vermutlich sind „Frieden“ und „bessere Welt“ aber doch irgendwie nicht so Staatsräson. Der VVN-BdA muss deswegen unter Umständen für sein zivilgesellschaftliches Engagement gegen rechte Mörderbanden mit Steuernachforderungen in fünfstelliger Höhe rechnen. Asphalt Tiger ist sprachlos.

Das bayerische Finanzamt! Was ist mit dem bayerischen Finanzamt? Bayern hat viel mehr Geld als Berlin. Da wird viel mehr Geld ausgegeben: Das bayerische Amt für Verfassungsschutz hat die bayerischen Neonazis vom Thule-Netzwerk im Jahr 2012 mit 150.000 Euro unterstützt — also „unsere“ Steuergelder nicht bloß im fünfstelligen, sondern im sechsstelligen Bereich –, und das, obwohl bei denen überhaupt niemand von „Frieden“ geredet hat; vielmehr wollen die ja expressis verbis die Republik zerstören, mit Mord und Totschlag und Terror. Asphalt Tiger weiß nicht, ob die Rechtsextremen für diesen riesigen Berg Staatsmoney Steuern an das Finanzamt zahlen mussten, er vermutet aber, dass sie das nicht taten: wahrscheinlich wurde wieder irgendwie gemauschelt (Bayern = Amigo-home). Sein erklärtes Ziel, mit seiner Förderung des Rechtsextremismus den Rechtsextremismus zu vernichten, hat der bayerische Verfassungsschutz jedenfalls nicht erreicht. Wie so oft, erwies sich auch dieses staatliche Förderprojekt als Fass ohne Boden: „Jeder NSU-Prozesstag“, schrieb der Merkur, „kostet 150.000 Euro“. In der Wirtschaft heißt das dann „Spill-over-Effekt“ oder „Ausstrahlungseffekt“ (oder hat Asphalt Tiger da was falsch verstanden?). Natürlich waren es in diesem Fall nicht die Neonazis, die die Steuergelder abgesahnt haben, denn es gab ja, wie am Ende herausgefunden wurde, gar keine, außer zwei, drei vielleicht.

Der Kulturwissenschaftler Klaus Vondung hat in seinen Studien über Formen des Religiösen im Nationalsozialismus (Die Apokalypse in Deutschland, München 1988) diesen Drang, das Reich aus Angst vor der Zerstörung durch vermeintliche Feinde lieber selbst zu zerstören, um es zu erhalten, es/sich auszulöschen, um es/sich zu bewahren, als „kupierte Apokalypse“ bezeichnet: kupiert, weil hier, anders als bei religiösen Vorstellungen der Apokalypse, die Hoffnung auf Erlösung gänzlich fehlt und eine friedliche Welt voll Herzlichkeit und Solidarität undenkbar scheint. Kaum vorstellbar, welche Formen staatlicher Selbstschutz doch annehmen kann …

https://vvn-bda.de/offener-brief-von-esther-bejarano-an-olaf-scholz-das-haus-brennt-und-sie-sperren-die-feuerwehr-aus/

https://www.openpetition.de/petition/online/die-vvn-bda-muss-gemeinnuetzig-bleiben

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Gute Arbeitswelt

Gutes Lern- und Erklärvideo. Deckt sich im wesentlichen mit den Erfahrungen. „Our Boss is a Demon.“

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Asphalt Tiger erfindet das Bio-Internet

bio google maps

Am Montag ist es soweit: Asphalt Tiger wird das Bio-Internet beim Patentamt anmelden (Oder muss er zum Kartellamt? Mal sehn). Vorausgegangen waren entbehrungsreiche Monate des Konzipierens und des Ausprobierens. Zuerst war da die Idee der Bio-Google-Maps, die ausschließlich mit „Natural Light“ funktionieren. Nicht dass Asphalt Tiger das Rad damit neu erfunden hätte. „Natural Light“ war in der Instagramfotografie schon länger beliebt. Man nimmt nur, was da ist an Licht. Kein künstliches Licht! Bei Bio-Google-Maps heißt das: Nachts sieht man die Erde so wie sie selbst – dunkel! Asphalt Tiger schaut auf seinen Bio-Google-Maps-Prototypen: alle hundert Meter mal eine Straßenlaterne, und auch diese manchmal nur von Bäumen verdunkelt. Das Natural Light des Mondes glitzert im Ozean.

Dann die Idee: Das ganze Internet in „Natural Light“! Und zwar worldwide. Nachts also bleibt das Internet dunkel (außer man will in Westeuropa was über Australien wissen, oder Südemerika. Dann wird das natürlich hell. [Andersrum geht das natürlich auch, aber wer will in Südemerika schon was über Europa wissen?]). Pluspunkt: Der Ressourcenverbrauch durch das Internet verringert sich drastisch. Nachteil: Das ganze Aufregungspotential etwa der jugendlichen Klimaschützer würde sich verflüchtigen. Denn gerade in den Wintermonaten gäbe es nur noch an wenigen Stunden täglich lesbares Internet, und die jungen Leute und ihre wohlmeinenden Eltern hätten kaum noch Zeit, sich in den sozialen Medien zu Aktionen verabreden zu können. Kurzum: Das Bio-Internet ist strukturell konservativ. Nachts kann man im Winter nur noch schlafen. Es ist eigentlich wie früher, auf dem Land. Eben: BIO!

[N.B. 1: Das ist natürlich ein Punkt, wo Asphalt Tiger noch mal nachpatentieren müsste.]

[N.B. 2: Und es ist natürlich nicht so, dass Asphalt Tiger der Einzige auf der Welt ist, der in Richtung Bio-Internet denkt: Auch die neuen digitalen Fernsehkanäle müssen ihre Datenpakete möglichst dünn schnüren. Deswegen, hat Asphalt Tiger irgendwo gelesen, sind die neuen Fernsehserien auf NETFLIX und Co. auch so dunkel. Dunkel = wenig Datenvolumen. Zum Beispiel die Serie: DARK.]

Kein Patentrecht ohne Verwertungsrechte! So funktioniert die Green Economy! Asphalt Tiger ist schon frühzeitig in Verhandlung mit den auf dem bundesrepublikanischen Markt konkurrierenden Biomarktketten getreten, um dem Meistbietenden exklusive Rechte einzuräumen, das Produkt an die Kunden zu verkaufen. Das war vielleicht eine Rabattschlacht, Kerle Kiste! Asphalt Tiger musste harte Bandagen anziehen. Denn wer will schon ein Bio-Internet zum Schleuderpreis kaufen!? Wertigkeit hat ihren Preis!

Doch es kam noch viel schlimmer: Libertäre Wikileaker hatten streng vertrauliche Bio-Internetpläne ins Netz gestellt, die naive Verfechter „freien“ Wissens aus der Biobranche hatten durchsickern lassen, um ein kostenloses Bio-Internet für alle durchzudrücken (die Grenzwertkosten der Erfindung tendieren schließlich bei weltweiter Verbreitung gegen Null). Und schon waren die Discounter drauf und dran, mit chinesischen Billig-Bio-Internet-Imitaten aus dunkler, auf Computer- und Händybildschirme aufbügelbarer Plastikfolie den europäischen Markt zu überschwemmen. Das hätte unvermeidlich das Aus des Bio-Internet der guten Biomärkte bedeutet — und zwar noch bevor dieses überhaupt die Marktreife erreicht hatte !!! Nur mit Müh und Not konnte Asphalt Tiger sein biologisch abbaubares „Natural Light“ gegen die Dunkelplastikflut der Konkurrenz aus Fernost verteidigen.

Doch jetzt ist endlich alles in Sack und Tüten: Die Pläne, die Herstellung, die Verträge für Verkauf und Vertrieb des Bio-Internet sind fein säuberlich in Asphalt Tigers Aktentasche verstaut, und diese steht gut verschlossen und griffbereit neben die Wohnungstür, die Asphalt Tiger am Montag Morgen hinter sich zuziehen wird, um zum Patentamt zu eilen. Der glückliche Erfinder atmet tief durch: NOCH ZWEIMAL SCHLAFEN, DANN IST ES SOWEIT !!!

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Die Idee des Bio-Internet kam Asphalt Tiger am Ende des letzten Winters, bei einem glücklichen Spaziergang an den Ufern des Wannsees. Die Tage wurden heller, das Licht wurde länger, der Frühling war in Sicht!

 

 

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Das Like-Kartell

„Wir haben jetzt ein Like-Kartell gegründet. Wir liken uns immer gegenseitig, um die Aufmerksamkeit zu steigern und um uns voranzubringen. Das bringt schon was!“ Die ehrgeizige junge Frau berät eine andere ehrgeizige junge Frau. Asphalt Tiger hört staunend zu. „Äh. Kann man da mitmachen?“

Die ehrgeizige junge Frau mustert ihn argwöhnisch. Asphalt Tiger erschrickt: ‚Man sieht mir meine niedrige Topic Engagement Rate also bereits auf den ersten Blick an? Und dass mein Key Performance Rater (KPI) scheiße ist. Ich falle bei der Sentiment Analyse auf Anhieb durch, und mir sind die Lücken, Knicks und Abwärtskurven meiner Vanity Metrics vermutlich so deutlich ins Gesicht geschrieben, dass man mir ohne zu zögern die rote Scorecard zeigt.‘ Asphalt Tiger ist zutiefst verunsichert.

Was solls! Jeder Depp wird heute Influenza! Die Gesichtszüge der einen jungen Frau erhellen sich, und als die andere das sieht, erhellen sich auch ihre (danke, Spiegelneutronen!). Schnell hat sie den Business Plan für Asphalt Tiger festgelegt: Liken-Arbeitsbeginn punkt Acht in der Früh. In der Mittagspause weiter liken, Essen fotografieren nicht vergessen. Keine Kantine, schnell auswärts futtern, knipsen, nachbearbeiten, posten. Unbezahlte Überstunden selbstverständlich ebenfalls knipsen. Nachtschichten rundum liken, weil das Internet nie schläft. Graue Katzen auf dem Heimweg nachts (süß) nachkolorieren. Im Urlaub gegenseitig Liken, unter Palmen gesponsert von Tchibo.

Den Text hat Asphalt Tiger vor einem halben Jahr hingeschludert. Inzwischen ist die Sache irgendwie durch. Er stellt das hier eigentlich nur hin, um die Vergänglichkeit zu dokumentieren. Er liket die Vergänglichkeit sozusagen auf einer Metaebene. Draußen fallen schon die Blätter. Darauf schnell einen Jacno. Alles wird gut.

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Der Zahn der Zeit

zahn und fun

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Karel Gott

Karel Gott ist tot. „Gott ist tot, Biene Maya lebt“, hatte ein Fernsehmoderator gewitzelt. Asphalt Tiger ist nicht zum Lachen zumute. Er fand Karel Gott großartig. Sicher nicht das Gesamtwerk, aber doch genug. Auf Platz 1 von Asphalt Tigers Karel-Gott-Hitparade steht seit mehr als zwanzig Jahren unangefochten „Schicksalsmelodie“, aus dem Film Love Story.

Asphalt Tiger hatte die Schallplatte mal auf dem Flohmarkt gekauft. Asphalt Tiger kann das Lied nicht hören, ohne traurig zu werden. „Wir werden nie uns beide wiedersehen!“ Adieu, Karel. „Ich hör das Lied und muss auf einmal wieder traurig sein.“

Wir alle wissen es: Der Soundtüftler Brian Eno hat die Sounds für Windows 95 entwickelt. Was bislang niemand wusste: Der Sound an der Aldi-Kasse ist von Francis Lai: Es sind die ersten Töne von seiner Komposition Love Story. Immer wenn Asphalt Tiger bei Aldi an der Kasse steht, singt er mit: „Schicksalmelodie.“ Von Karel Gott. Das wird vermutlich für immer so bleiben.

Karel Gott hat in seinem Leben viel gemacht. Soul: „It takes a worried man to sing a worried song“. Asphalt Tiger dachte damals: „worried“ heißt verwirrt, fahrig, unkonzentriert: „Karel Gott – er spricht zu mir!“

Psychedelic: Der düstere Beat der ungarischen Csárdás-Geiger!

Country und Western: „Nachtgeister ziehn vorbei“. Amerikanisch-slawische Kuhjungen-Reiterhorden an der Frontier des jugoslawischen Berglands? Schlager als kulturindustrielle Entspannungspolitik? Die Neuzusammensetzung des imaginären Ostblocks im westdeutschen Schlager ist jedenfalls sehr hybrid.

All dies und vieles mehr — vergänglich! Was bleiben wird, ist Karel Gotts „Schicksalsmelodie“. Das wird vermutlich für immer so bleiben. Danke, Karel! Dĕkuji pĕknĕ!

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