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R.I. P. Leonard Nimoy

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Leonard Nimoy ist tot. Für Asphalt Tiger war er einer der besten Punks der Welt.

Rest in Peace, Leonard Nimoy! Für immer Punk!

Die ersten Zeichen

frühling*

 

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Um die Gangster verfolgen zu können, muss der Gebrauchswagenpolizist jedes Auto am Straßenrand benutzen können. Wenn ein Auto verschlossen ist, kriegt er es binnen weniger Minuten auf. Mit seinem spitzen Fingernagel kommt er an den Isolationsgummi im Türrahmen heran, zieht ihn heraus, zieht und zieht und kriegt mit heftigem Ziehen die Türe auf. Wie er es genau macht, ist sein Geheimnis. Oder: Wenn ein Spalt offen ist, Fensterscheibe runterdrücken und dann von innen Türklinke drücken. Oder, ganz konventionell: mit der Sicherheitsnadel. Oder bei rostigen Autos: Mit einem Schraubendreher unters Auto robben und dann von unten Rostlöcher vergrößern, bis der Gebrauchspolizist von unten ins Auto reinpasst.

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Bevor der Gebrauchswagenpolizist nun die spannende Verfolgungsjagd aufnimmt, muss er sich erst einmal stärken. Dafür hat er sich Stullen geschmiert, mit Käse und Räucherschinken. Er packt die Brote aus dem Butterbrotpapier aus, breitet das Brotpapier auf seinem Schoß aus und fängt genüßlich an zu kauen. Wenn die Sonne scheint, schließt er die Augen beim Kauen, lässt sich die Sonne durch die Windschutzscheibe auf die Stirn scheinen und genießt die Wärme, während seine Kiefer langsam mahlen.

Damit das Brot im Mund nicht zu trocken ist, trinkt er immer wieder Tee aus der mitgebrachten Thermoskanne mit Schraubverschluss, die er aus der weichen Kunstledertasche auf dem Beifahrersitz gefischt hat. Wenn es Winter ist, dampft die heiße Flüssigkeit, bis dem Gebrauchswagenpolizist die Brillenscheiben beschlagen, darum dreht der Gebrauchspolizist die Standheizung noch etwas höher. Zum Schluss zerknüllt er das Butterbrotpapier und wischt sich die Finger an seiner hellgraugrünen Schimanski-Jacke ab.

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Wenn der Gebrauchswagenpolizist seine Mahlzeit beendet hat, wird er oft, besonders wenn die Sonne durch die Windschutzscheibe scheint und die Staubpartikel im Sonnenlicht tanzen, etwas müde. Dann dreht er das Autoradio auf leise, stellt die Heizung etwas höher und macht einen wohlverdienten Mittagsschlaf. Im Dienst! (Aber der Gebrauchswagenpolizist ist schließlich rund um die Uhr im Dienst).

Wenn der Gebrauchswagenpolizist vom Mittagsschläfchen wieder aufwacht, ist es oft schon (vor allem im Winter) stockfinstere Nacht. Natürlich ist das genau die richtige Tageszeit, um Verbrecherjagden aufzunehmen! Schließlich schlafen dann die ordentlichen Menschen schon.

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Der Gebrauchtwagenpolizist muss auch nicht lange warten, bis er einen geeigneten Verbrecher findet, der mit seinem (vielleicht entwendeten?) Auto an ihm vorbeifährt. Der Gebrauchswagenpolizist lässt das Auto an (ein einfacher Sicherheitsnadel-Trick), fährt auf die Straße, beschleunigt unhörbar und heftet sich dem Verbrecher an die Fersen. Oftmals kann er ihm am Anfang nur geringfügige Kavaliersdelikte nachweisen, die der Strafverfolgung nicht wert wären. Aber der Gebrauchspolizist weiß: Im Laufe der Nacht fügt sich ein Straftatbestand zum anderen, und Punkt für Punkt summiert sich in der Flensburger Kartei. Und schließlich, wird der Verbrecher erst einmal nervös, überführt er sich mit seinen Leichtsinnsfehlern selbst.

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Gelassen entscheidet der Gebrauchspolizist – die Jagd geht jetzt schon seit geraumer Zeit über einsame, verlassene Straßen und beschleunigt sich jedesmal wieder, wenn Bremsen zuvor lautstark gequietscht haben -, wann es Zeit ist, dem ungesetzlichen Treiben ein Ende zu machen, den Verbrecher zu stellen (Blaulicht aufs Dach kleben, ein schnelles Überholmanöver, Fahrbahn im rechten Winkel versperren), dingfest zu machen und in Handschellen abzuführen.

Wie der Gebrauchswagenpolizist seine Verfolgungsjagd erfolgreich beendet hat, kann morgen jeder selbst im Polizeiticker lesen. “Unglaublich, wie er das mal wieder hinbekommen hat!”, rätseln seine Kollegen vom Polizeirevier. Schnell hat sich der Gebrauchswagenpolizist in der Polizeistation einen Ruf erarbeitet, wahrscheinlich wird er befördert.

Fasching im Ministerium

bmi

(kleine Bildergeschichte)

Wenn die Beamten aus dem Ministerium Fasching feiern, ziehen sie sich Schlapphüte auf und schlagen den Kragen hoch, weil sie in dieser Verkleidung niemand erkennt. Dann gehen sie nach nebenan und fangen an zu feiern.

Als es schon spät ist, sieht sie der Asphalt Tiger nach Hause wanken. Wohin gehen die Leute aus dem Ministerium dann? Natürlich, in den Untergrund! Asphalt Tiger ist neugierig, ob sie sich alle eine Fahrkarte kaufen vor dem Einsteigen.

entleerung im treppenhaus

Abb. (gesehen spätabends, am Potsdamer Platz)

Heute geht sie zuende, die diesjährige Berlinale. Die Berlinale-Parties am Potsdamer Platz waren gut besucht wie immer, es war für alles gesorgt: Champagner, Berliner Pilsener, Schnittchen mit Lachs, Pommes und Bulletten. Die Schauspieler und Schauspielerinnen wurden von den schwarzen Limousinen bis vor die Haustür gekarrt, dann beschritten sie mit Lack- und Stöckelschuhen den roten Teppich und steuerten schnurstracks das Büffett an. Die Leute applaudierten.

Nur eines fehlte. “Where is the bathroom?” – “Où se trouvent les toilettes?” – “Де тут ванна кімната?” — “Unde este toaleta?“, schrien die Gäste nach einiger Zeit durcheinander.

Dünn gesät waren die Hinweisschilder. Manche Gäste – SchauspielerInnen, Drehgisseur, Kameraleute – waren daher froh, als die Berlinale wieder vorbei war.

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Valentinstag (zu spät)

blumenNa, was denn sonst!?

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Ein wunderschönes Valentinslied. Gegen den Kitsch dieses Tages erzählt Asphalt Tiger hier eine Geschichte, die real ist, für die andern. Einen Tag zu spät, egal.

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Die Nachbarin einer guten Freundin vom Asphalt Tiger hatte einen Hund, der hieß Rico. Und die Nachbarin, der der Hund gehörte, hatte, so diese Freundin, eine tiefe Stimme, genau wie Nico. Und immer, wenn die Nachbarin die Treppen im dunklen Treppenhaus (Berliner Altbau, Schöneberg, Hinterhof) mühsam hochschlurfte bis ins vierte Stockwerk und der Hund hinter ihr her schlurfte, oft weit zurückbleibend, weil schon alt, rief sie ihm mit tiefer Stimme zu: “Komm, Ricolein, komm!”

Ganz so, wie Nico ihren Sohn Ari (erinnert sich dieser in der Filmdokumentation Nico – Icon), mit tiefer Stimme “Arilein” gerufen hat. Habe. Egal. Verloren.

Nico ist tot, Rico ist tot, die Nachbarin. Sie stapfte immer langsamer die Treppe hinauf und ihre Stimme wurde immer tiefer, bis sie schließlich versagte, als der Hund starb, einige Jahre vor ihrem eigenen Ende.

Traurige Geschichten sind das, beide. Nico liegt draußen, wie sie es zu Lebzeiten bestimmt hatte, auf dem Selbstmörderfriedhof im Grunewald begraben. Als Asphalt Tiger das Grab vor Jahren besucht hat, hat es in Strömen geregnet, gedonnert und geblitzt.

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Oft fragt sich Asphalt Tiger, was wohl geworden wäre, wenn Nico hier geblieben wäre, in Berlin, wo sie als junges Mädchen im Kaufhaus des Westens arbeitete, genau wie ihre Mutter. Was, wenn sich in Schöneberg eine eigene Wohnung gesucht hätte, Altbau, Hinterhof, vierte Treppe, knapp unterm Dach. Sich einen Hund angeschafft hätte, oder ihn geschenkt bekommen hätte, vielleicht zu Weihnachten. Einen Hund, der mit ihr gealtert und hinter ihr die Treppen hinauf geschlurft wäre.

Aber es kam anders. Wir kennen ihr anderes trauriges Ende. Nico starb viel zu früh am 18. Juli des Jahres 1988, einem heißen Sommertag, auf Ibiza. Gehüllt in einen dicken schwarzen Umhang, machte sie in Begleitung ihres jungen Hündchens einen Fahrradausflug über eine staubige Sandpiste der Insel (diese Szene findet sich auf dem Schallplattenhülle ihres Albums “Desertshore” aus dem Jahre 1970 dargestellt – ein unheimliches deja vu?). Plötzlich fiel sie, vom Hitzschlag getroffen, vom Fahrrad und starb.

Das junge Hündchen an ihrer Leine kläffte verzweifelt in der Mittagssonne. Der schwache Wind wehte Sand in die Falten des weiten schwarzen Mantels, der sich wie eine Decke über Nicos Körper gebreitet hatte, und das Chrom ihres Fahrradlenkers blitzte im Sonnenlicht.

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Wo Ari, der Sohn Nicos und (so hieß es) des französischen Filmschauspielers Alain Delon, war, als Nico vom Fahrrad glitt? Wir wissen es nicht. Manchmal konnte man ein Rumpeln aus der düsteren Einzimmerwohnung hören — das Dreirad des Jungen stieß in den engen Räumen schnell an seine Grenzen –, gefolgt von einem piepsigen “merde!“, das knapp oberhalb der Hörbarkeitsschwelle durch die massive Wohnungstür ins dunkle, feuchtkalte Treppenhaus drang.

Einmal, berichtete die Freundin dem Asphalt Tiger, habe sie im Treppenhaus handgenähte französische Lederschuhe knirschen, leichte Ledersohlen schlurfen und elegante Lederhandschuhe an die gegenüberliegende Wohnungstür klopfen gehört. Nach längerer Stille, so war sie überzeugt, habe sie deutlich eine französische Männerstimme vernommen: “Merde!

Alain Delon!? Als sie sich ein Herz fasste und durch den Türspion ins Treppenhaus lugte, war der Filmschauspieler verschwunden. Später zogen neue Mieter in die Wohnung ein und malten die Wände weiß.

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Nico, die in der brütenden Sommerhitze Ibizas starb, bleibt unvergessen. Immer noch stellen die Leute, die sie lieben, Blumen auf ihr Grab. Da es in Berlin oft regnet, bleiben sie frisch.

Ach, zum Glück gibt es aber auch glückliche Geschichten.

Wie Schilf im Wind …

schilf*

Seltsames, unheimliches Video. (Das Original: Na klar, Windmills of your Mind von Michel Legrand!)

Wie ein Kommentar zur aktuellen Lage, der heraufklingt aus längst vergangner Zeit:

“Wenn das Spinnrad meiner Träume längst zerrissne Fäden spinnt…”

Vicky, der Schlagerstar aus Griechenland, singt auf deutsch:

“Doch warum sich selbst belügen, / längst ist meinem Herzen klar,

dass der Pulsschlag dieser Hoffnung / nur mein eigner Schatten war!”

Vicky, gib nicht auf!

Asphalt Tiger ist, nachdem er sich dieses Musikvideo angeschaut hat, erst recht überzeugt davon, dass die Griechen, als deren Repräsentantin sich hier das junge Griechenmädchen vor dem düsteren Schicksals-Chor der Germanen bewegt, die elf Milliarden Euro Kriegsschulden von Deutschland aus der Nazi-Zeit zurückkriegen müssen!

Wo verstecken sich hier eigentlich die germanischen Nornen, die diese verfluchten Schicksalsfäden an ihrem Spinnrad spinnen? Entmythologisierung! Asphalt Tiger glaubt, es gibt sie gar nicht. Brüder und Schwestern, zur Sonne, zur Freiheit!

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