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augarten flakturmSakrale Flakarchitektur. So weit weg, und doch so nah.

die mariaDie Maria von der Ladenzeile.

domschatzLSD-Fleckerl Reliquar. Zu hoch, um dran zu lecken.

kaisergruftKlimatisierte Kaisergruft. Ein kühler Hauch umweht die Büste des seligen Kaiser Karl. Ewige Jugend, ewige Jugend!

telefonzellen wien 2Devotionalkopie. Asphalt Tiger staunt: Hier gibt es noch Telefone, die man nicht rumtragen kann.

schlauchanschlussAuratisierung: Hier ist städtische Infrastruktur noch nicht privatisiert und wird entsprechend geschützt. Heilig, heilig, heilig!

*

Der Polizeianführer befehligt seine Truppen: “M…arsch!” Die Truppen, schwarz und unförmig und fast blind hinter ihren wurstfettverschmierten Visieren tapern los.

hofburg ball 4Da ist der Feind! Der Feind steht überall. Deswegen haben sich die Strategien zur Aufstandsbekämpfung internationalisiert. Während die Truppen loswanken, stehen die verschiedenen Polizeianführer in engem Kontakt und reden sich bei Telefonkonferenzen die Hörer heiß und bellen sich die Stimmbänder runzlig. In Hamburg, in Berlin, in Wien. Die Strategen beugen sich über die Pläne und zeichnen ein: Ausnahmezone. Gefahrengebiet. Sperrgebiet. Platzverbot. Ihre Striche sind unsicher: Diese Verhängungspraxis setzt sich langsam durch.

hofburg ball 1Die Polizeisekretärinnen hacken mit steifen Zeigefingern auf die Tastatur ihrer behördlichen Schreibmaschine ein. Das, was ihre jeweiligen, austauschbaren Anführercharaktermasken ausspucken. Namen von Straßen, Gassen, Plätzen, Querungen. Sie hacken schnell und erbarmungslos. Hier, in Hamburg, in Wien, in Berlin. Dann laufen die Polizeiboten los, dass ihnen die schwarzen Rockschöße im Wind fliegen, und tackern die Schreiben an die Straßen und Plätze: Gefahrengebiet laut Verordnung der Polizei. Ihre Kollegen schauen zu und halten Maulaffen feil und rufen: “Verhängt sie höher!” In Wien.

(In Berlin tackern sie nur Schreiben in unsichtbarer Geheimschrift aus Zitrone an die Wand, die nur Polizisten lesen können, die ein Feuerzeug dabei haben).

hofburg ball 1a“Aufgrund zu befürchtender Ausschreitungen anlässlich des zweiten Wiener Akademikerballs in der Hofburg” nahm die Polizei an, dass eine “allgemeine Gefahr für Leben oder Gesundheit” entstehen wird. Ein feuchter Wind wehte über die Stadt. Darum schützt die Polizei die Menschen! Die schlagenden Verbindungen des Wiener Korporationsrings waren eine entsetzliche Gefahr, die besoffenen Burschenschaftler eine Pest für die ganze Menschheit. Um die Bevölkerung nicht weiter zu beunruhigen, ging die Polizei aber nicht weiter auf die Details ein.

Um die Bevölkerung vor den wilden Bestien aus der Hofburg zu schützen, stellte die Polizei “Tretgitter” auf.

Weil Asphalt Tiger ein Tourist ist, schaut er sich die Tretgitter genau an. Er tritt dazu an die Tretgitter heran.

hofburg ball 2Er kennt sie schon. In Berlin sehen sie genauso aus, nur rot-weiß gestreift. Man nennt sie auch “Hamburger Gitter“.

hofburg ball 3Gitter: So haben sich die Hamburger Ausnahmenzustände in Wien materialisiert.

Die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, die zuvor nur die mitgekriegt haben, die an den Rändern der Gesellschaft lebten und leben und leben werden oder über die Grenzen der Gesellschaft nicht rein kommen, können jetzt mühelos, von Fall zu Fall, auf Zuruf, verallgemeinert werden.

Auf die Oma mit dem Pudel, auf die seilspringende Schülerin, auf den Zeitungsverkäufer mit Wurstbart. Jeder Mensch ist eine Gefahr, jeder Hund und jede Katze! Mit geöffneten Vogelkäfigen in der Hand laufen die Polizeischüler*innen auf Probe den Spatzen auf den Dächern nach und versuchen sie einzufangen. (Erfolglos)

Warum? Wir erfahren es nicht. Die Anführer von der Polizei bellen: “Jetzt!” Die vermummten Polizisten tapern los. Die Polizeianführer brüllen: “Zu-rrrück!” Die Pozzisten blinzeln verstört um sich. Die Anführer bellen: “Los!” Da tapern sie zufrieden weiter.

hofburg ball 5Hier, in Wien, in Berlin, in Hamburg.

In Berlin sind es die Gefährlichen Orte, an denen die Polizei sich selbst seit Anfang der 1990er Jahre das Sonderrecht nimmt, “verdachtsunabhängige Kontrollen” durchzuführen, das heißt: Vorurteile gegenüber Personengruppen in Tatsachen zu verwandeln sucht. Wo und wann das geschehen kann, halten die Polizisten streng geheim, damit sie plötzlich und unerwartet brüllen können: “Jetzt!”

So überstülpt sich das Bellen der Polizeianführer der gemauerten Stadt, die fest und aus Stein ist, den Häusern, Straßen, Plätzen, Mauern, und auch der lebendigen Stadt, die aus Fleisch und Wurst und Worten und Menschen und geschmeidigen Bewegungen und Liebe ist. Das Brüllen der Polizisten kündigt eine atmosphärische Stadt an, die unbeständig ist wie das Wetter im April. Alles kann sich drehen wie der Wind, und plötzlich regnet es wieder, wenn der Polizeianführer wieder brüllt: “Jetzt!”

hofburg ball 7

Notsteuerung in diesem Kasten

Damit es erst mal nicht so derbe wirkt, stellt die EU die wirtschaftliche Abwicklung der Ukraine, das ganze neoliberale Privatisierungsprogramm, das den maroden Staat in eine futuristische „Deep and Comprehensive Free Trade Area (DCFTA)” tranformiert, erst einmal hintan. Erst einmal wird nur der politischen Teil des Assoziierungsabkommens unterzeichnet. Das reicht ja!

Wem kann man gerade den Füllfederhalter zum Unterzeichnen in die Hand drücken? Wer will?

Als Asphalt Tiger das Assoziierungsabkommen durchliest, läuft es ihm kalt den Rücken runter:

http://eeas.europa.eu/ukraine/assoagreement/assoagreement-2013_en.htm (Eine deutschsprachige, ukrainische oder russische Version hat er nicht gefunden, pardon!)

Er wird das jedenfalls nicht unterzeichnen! Und schlagartig wird ihm klar, warum Janukowitsch das auch nicht unterzeichnen wollte.

Und was die Gewalttäter von Swoboda und “Rechtem Sektor” gut dran finden könnten: Endlich wieder Verbrüderung mit der deutschen Wehrmacht …

Denn mit der Unterzeichnung wird die Ukraine peu a peu oder ganz schnell in die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) der Europäischen Union integriert, und die Truppen der EU-Mitgliedsländer können direkt an der Grenze zu Russland rumscharwänzeln, mit schwarzen Ölbalken unter den Augen.

Das Ziel einer gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik wird gleich in Artikel 7 des Assoziierungsabkommens unter “TITLE II: POLITICAL DIALOGUE AND REFORM, POLITICAL ASSOCIATION, COOPERATION AND CONVERGENCE IN THE FIELD OF FOREIGN AND SECURITY POLICY” bestimmt:

ARTICLE 7 Foreign and security policy

1. The Parties shall intensify their dialogue and cooperation and promote gradual convergence in the area of foreign and security policy, including the Common Security and Defence Policy (CSDP), and shall address in particular issues of conflict prevention and crisis management, regional stability [usw]. (EU/UA/en 16)

Die ganzen EU-Militärs packen jetzt schon mal ihre tarnfarbenen Rollköfferchen, um vielleicht schon morgen auch an dieser Front die Energie- und Rohstoffsicherheit der Europäischen Union mit Waffengewalt verteidigen zu können.

Wehweh, wenn jetzt die von der Leyen oder der Steinmeier austickt oder rot sieht (Rot! Der Russ!).

Neben dem PSK, dem Politischen und Sicherheitspolitischen Komitee, das sich aus den Botschaftern der EU zusammensetzt, kommen dann — glaubt man Wikipedia — in grauen Bussen die folgenden ganzen Leute in die Ukraine gereist, rollen ihre Rollkoffer neben ihre frisch gemachten Feldbetten, packen die Gewehre aus dem Sportgepäck aus und stellen sich dann mit ihren Touri-Fernrohren breitbeinig an die östliche Außengrenze:

Prächtig fette, ordenbehängte Generalstabschefs vom “Militärausschuss der EU (EUMC)”, die schweren Phälle vom “Militärstab der EU (EUMS)”, die Experten vom “Ausschuss für zivile Aspekte der Krisenbewältigung” (häusliche Gewalt im Haus Europa?), die “zivil/militärische Zelle der EU” inclusive ihrer feuchtwarmen “EU-Planungszelle”, die natürlich in SHAPE (Supreme Headquarters Allied Powers Europe) ist: jeden Tag in der Schwitzbude.

“Was machen wir heute?”, fragen sie nach der morgendlichen Aufwärmübung und lesen das Tagesprogramm neben der Kantine durch:

ARTICLE 10

Conflict prevention, crisis management and military-technological cooperation

1. The Parties shall enhance practical cooperation in conflict prevention and crisis management, in particular with a view to increasing the participation of Ukraine in EU-led civilian and military crisis management operations as well as relevant exercises and training activities, including those carried out in the framework of the Common Security and Defence Policy (CSDP).

2. Cooperation in this field shall be based on modalities and arrangements between the EU and Ukraine on consultation and cooperation on crisis management.

3. The Parties shall explore the potential of military-technological cooperation. Ukraine and the European Defence Agency (EDA) shall establish close contacts to discuss military capability improvement, including technological issues. (EU/UA/en 18f.)

Also:

Wenn die Regierung der Ukraine oder irgendwer, der das grade macht, ihre oder seine rechtmässige Unterschrift unter das Assoziationsabkommen mit der EU setzt, steht die ganze zivilmilitärische Elite der EU am schon jetzt migrationstechnisch hochgerüsteten östlichen Drahtzaun der Ukraine und wirft unanständige Worte zum Russen rüber.

* * *

Einige EU-Grenzer sind ja schon bereits da und feixen unfreundlich: Seit dem 30. November 2005 unterstützen Grenz- und Zollbeamte der „European Union Border Assistance Mission to Moldova and Ukraine (EUBAM)“

„die moldawischen und ukrainischen Grenzbehörden durch Training am Arbeitsplatz sowie Beratung und erweitert dadurch ihre Fähigkeiten zur effektiven Überwachung und Verfolgung der zoll- und einreiserechtlichen Bestimmungen sowie zur Gewährleistung einer besseren Grenzüberwachung.“(hier: Quelle)

Ziele sind unter anderem die „Unterstützung Moldawiens und der Ukraine bei der Harmonisierung der Grenzschutzmaßnahmen und des Zolls mit europäischen Standards“ und die „Verbesserung der Zusammenarbeit von Grenzschutz und Zoll untereinander sowie auch mit anderen Vollzugsbehörden“ (ebd.)

Natürlich! Mit Harmonie gegen Menschenhandel! Der soll schließlich allein den staatlichen Gewaltmonopolen vorbehalten sein, wenn sie die Migrationsströme mit ihrer Polizeikelle regulieren und vorsichtig in die Billiglohnsektoren der Volkswirtschaften lenken.

Dass auch das hiermit angesprochene Grenz- und Migrationsmanagement Teil des „politischen Dialogs“ der EU mit der Ukraine sein wird, überrascht also niemanden mehr:

ARTICLE 16

Cooperation on migration, asylum and border management

1. The Parties reaffirm the importance of joint management of migration flows between their territories and shall further develop the comprehensive dialogue on all migration-related issues, including illegal migration, legal migration, smuggling of and trafficking in human beings, as well as the inclusion of migration concerns in the national strategies for economic and social development of the areas from which migrants originate. This dialogue is based on the fundamental principles of solidarity, mutual trust, joint responsibility and partnership. (EU/UA/en 23)

Auch hier geht das natürlich nicht ohne (waffen)technische Unterstützung und die Expertise der entsprechenden Repressionsbehörden ab:

(i) Cooperation on border management may include, inter alia, training, exchange of best practices including technological aspects, exchange of information in line with applicable rules and, where appropriate, exchange of liaison officers.

(ii) Efforts of the Parties in this field will aim at the effective implementation of the principle of integrated border management.

(f) enhancing document security;

(g) developing an effective return policy, including in its regional dimension; and

(h) exchanging views on the informal employment of migrants. (EU/UA/en 24)

Ob letzteres heißt, dass EU-Grenzoffiziere ihre Hirne anstrengen sollen, sich zu überlegen, wie sie Migrant*innen, rechtlos, ohne Arbeitsvertrag und soziale Absicherung, billig ausbeuten können, ist nicht ganz klar. An anderer Stelle des Abkommens, im Wirtschaftsteil, wird Zwangsarbeit und Sklaverei zwar ausgeschlossen. Aber der wird ja auch später erst unterzeichnet. Bis dahin kann man sich ja noch was ausdenken. Vielleicht fällt denen von der Swoboda ja was ein.

(HIIIELFE!)

vorsicht 1“Ich sehe keine!”

“Eben deswegen: Größte Vorsicht! Die unsichtbaren sind die gefährlichsten.”

Mit geschärften Sinnen nimmt Asphalt Tiger jetzt seine Umgebung wahr. Er entdeckt unter anderem den Unterschied zwischen der Spur eines Rehs und der Spur eines Treckers.

vorsicht 2vorsicht 3Eine Spur, zwei Spuren. Mitnichten beweist ihm das die Überlegenheit der modernen Technik. Viel eher beweist es ihm die Überlegenheit der Kunst der Tierwelt, sich unsichtbar zu machen und gewisse Tatsachen elegant zu verschleiern.

Schließlich: Während der Reifen des Treckers eine plumpe, einfach runde Tatsache ist, die sich stur und kontinuierlich über das Feld wälzt, springt das Reh in weiten Sprüngen über das Feld, und wenn es einmal landet, prägt sich die jeweilige Zweiheit seiner vier Hufe (das Reh ist ein paarzehiges Huftier) in diskontinuierlichen Abständen, die nicht nur von Geschwindigkeit, sondern auch von Lust und Laune und Aufmerksamkeit bestimmt ist, dem Gelände ein. Und hinterlässt doch im Gesamt nur eine einzige, kontinuierliche Spur!

vorsicht 2a

Und dennoch. In der Gesamtheit betrachtet: Wie sehr ähneln sich auf den ersten Blick die Spuren des Treckers und die Spuren des Rehs!

Natürlich wirft das Fragen auf, die nicht einfach zu beantworten sind und im Gegenteil viel Nachdenken erfordern: Ist es nun so, dass das Reh sich mimetisch an eine weitestgehend von menschlicher Industrie und Technik geformte Landschaft angepasst hat?

Oder ist es so, dass sich menschliche Technik wie so oft die Freiheit natürlicher Bewegung zum Vorbild genommen hat, eine Freiheit, welche die monotone Bewegung der von Menschenhand geschaffenen Maschine selbstverständlich nur unvollkommen zu erreichen in der Lage ist?

Man stelle sich einmal vor und vergleiche: Das Bild eines Rehs. Das Bild eines Treckers.

Asphalt Tiger will die Frage hier nicht beantworten.

Er kann nur jeden dazu auffordern, die Natur mit geschärften Sinnen zu betrachten. Immer wieder wird man feststellen (an einem einzigen dezent geknickten Halm – das Tier hinterlässt fast keine Spuren): Wo man auch hinkommt, die Tierwelt war vorher schon da. Und das Tier ist flink schon längst in der Weite verschwunden, wenn der Mensch auftaucht.

vorsicht 4vorsicht 5vorsicht 6

lichtquelleDas Licht wird jetzt ganz anders. Ein Summen, ja ein Brummen erfüllt die Luft. Es riecht auch ganz anders. Tiger kann sich an den Geruch schon gar nicht mehr erinnern und freut sich, dass er ihn langsam, langsam wiedererkennt.

Und nachts ist es jetzt auch viel länger hell! Tiger schaut in das helle Licht und macht die Augen zu und sieht das helle Licht immer noch (auf der Netzhaut, faserig wie Goethe) und lächelt, weil er die Wärme des Lichts schon auf dem Gesicht spüren kann.

Huch! Ein Wind erfasst den Tiger. Tiger springt zur Seite. Ein Auto war vorbei gefahren.

Das hätte er sehen müssen! Zu dieser Jahreszeit ist das Gras noch nicht so hoch.

Auch in der Stadt nicht.

Wird noch, wird noch!

Tiger nickt zufrieden.

die bäume

Abb.: Die Bäume

* * *

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass dieses Bild von René Magritte ist. Typisch: Die weißen Wolken dichten den kahlen Bäumen Blattwerk an. Nämlich: sich selbst! Die weißen Wolken sehen auf den ersten Blick aus wie (grüne) Blattbüschel. Und das mitten am Ende vom Winter! Eine typische enharmonische Verwechslung, wie sie nur René Magritte hinbekommt!

Könnte man meinen. Immer wieder hat er uns ja auf diese Weise genarrt. Auf den zweiten Blick jedoch erkennt man eindeutig, dass das Bild von Asphalt Tiger ist. Quod erat demonstrandum!

Ein kleiner Trost für alle René Magritte-Fans und alle, die es werden wollen, findet sich hier:

schilder

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