Vogelbeobachtung am Potsdamer Platz

Die Technik machts möglich!

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Der Storch

Der Storch ist zurück. Vom Turm des Kalifen schwebt er durch die Lüfte bis nach Berlin, dann streckt er seine langen roten Beine aus und landet auf dem Obstbaum im Garten direkt neben dem Malchower Luch.

Frühsäson: Der Klimawandel macht’s möglich. Früher kamen die Störche erst Ende März, Anfang April, wenn Asphalt Tiger sich nicht irrt? Aber irren ist ja menschlich, die Natur irrt sich nie. Sie ist einfach da! Oder eben nicht.

Damit alle den Storch sehen können, vergrößert Asphalt Tiger ihn auf seinem Handy:


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Festanstellung

Elf Uhr vormittags, die beste Zeit, um zum Einkaufen zu fahren, rein ins Zentrum! Vorher noch einen Goldbroiler auf dem Alex. Das Rentnerpaar sitzt sich gegenüber in der Straßenbahn, sie halten sich an ihren Einkaufstaschen fest und schauen aus dem Fenster. Ein Mann läuft vorbei und verkauft eine Straßenzeitung. Die beiden gucken argwöhnisch und auch etwas ängstlich-verstört. Was ist das? Als der Mann außer Hörweite ist, zischt Sie: „Der arbeitet schwarz!“ — „Wer?“ — „Der! Ein Schwarzarbeiter!“ Mit wütenden Blicken verfolgt sie ihn. „Man hat mir das mal erklärt: Nur die mit einer Weste haben eine feste Anstellung. Alle anderen sind: Schwarzarbeiter.“ — Der Ehemann schüttelt sprachlos den Kopf. — „Die betteln nur!“, zischt sie empört. „Die haben keinen Arbeitsvertrag! Nur die mit Westen haben eine Festanstellung.“ Sie lächelt triumphierend, und gleichzeitig auch schon etwas versöhnt. Vielleicht träumt sie von ihrem künftigen Schwiegersohn. Festanstellung!

bachmann

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Zwei Jogger am Wannsee

wannsee

Joggen beide schon etwas ermattet. Zeigt der eine dem anderen ein Handyfoto und sagt: „So was wie hier in Wiese.“

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Die Lärche

lärche

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Chemtrail direkt über Potzdam

chemtrail stürzt ab

Asphalt Tiger hält sich vor Schreck auf den Mund: Er hat im Livestream seiner Augen direkt angeschaut, wie der Chemtrail abgestürzt ist. Und wo: direkt in den Boden! Wo Potzdam ist, und genau dort, wo Jauch wohnt: also direkt am See !!!

Doch keine Panik: tief ausatmen! Wenn Chemtrail DIREKT SENKRECHT abstürzt, ist meistens kein unmittelbare Gefahr. Es geht zu schnell, und es ist viel zu schnell vorbei, so dass die meisten Tag danach noch nicht einmal Kopfschmerzen verspüren. Meistens geht es auch viel zu tief in den Boden, um den Chemtrail mit bloßen Händen rauszuziehen (Vorsicht! Chemtrails wenn muss immer nur mit Sicherheitshandschuh raus ziehen, und immer nur bisschen!). Gefahr droht meist erst Kindern, die, Chemtrails ihrer Voreltern vollkommen in Ververgessenheit, diese vermischt mit anderem Wurzelwerk, durch Hydraulic Fracking und moderne Methoden, aus dem Erdboden herausholen, um, meist schon zu Beginn der Heizperiode, wenn Nebel wallen, im Kamin verfeuern. Es raucht und qualmt sie achten nicht: DENN SIE WISSEN NICHT WASS SIE TUN !!!

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Schneise

gänse und enten

Im Westen vom See lag immer das Futter. Gutmeinende Menschen haben es da ausgestreut im Winter, um den Schwänen und Enten auf dem Weißen See die Nahrungssuche zu erleichtern. Und um zu vermeiden, dass sie Menschen, Passanten, anfallen, wegelagerernd, mit scharfen, spitzzackigen Zahnreihen nach feisten Waden schnappend …

Tag für Tag sind die Schwäne und Enten (man sieht sie auf dem Beweisbild in trauter Gemeinschaft auf Gegenseitigkeit, alte weiße und junge weißgraue Schwäne und allseits bekannte, buntgescheckte Enten zusammen, wie schon vom alten Kropotkin beschrieben, in einer Art ursprünglicher Versicherungskompagnie gen Westen schwimmend) gen Westen geschwommen, wo das Futter lag, und ham sichs geholt und stante pedem, stehenden Schwimmhautfußes, einverleibt, gakgakgak. Man kann auf dem Beweisfoto deutlich erkennen, wie diese Tendenz die Eisgestalt des Sees erst formte und dann nach und nach zum Schmelzen brachte, ein sich immer mehr verbreiternder und verallgemeinernder Prozess. Jetzt ist das Eis weg !!!

Wenn es nicht wärmer geworden wäre, durch einen weitreichenden Wirkungszusammenhang von Erdrotation und Sonnensystem und Universum, wäre es eindeutig wegen der Hilfsgemeinschaft von jungen und alten Schwänen, ubiquitären Enten und wohlmeinenden Menschen gewesen! Die Mitarbeiter des Umweltamts haben gleichzeitig mit dem Verschwinden des Eises einiges an Umwelt um den See entfernt – dicke Bäume, himmelhoch, dicke Baumstämme, wirre Äste, noch regennasse, grobporige Rinden, morsche Sägespäne und zum Schluss dann sämtliche Spuren klandestiner nächtlicher Tätigkeit !!!

frühling 2019 weißer see

Am nächsten Tag waren dann auch noch die alten, weißen Schwäne verschwunden. Die jungen, weißgrauen, ließen sich auf den Wegen um den See nieder und bewegten sich fortan nicht mehr, jeder in strategischem, publikumswirksamem Abstand von einhundert Metern voneinander entfernt. Da saßen sie auf dem Fußweg und rückten nicht von der Stelle. „So hab ich sie noch nie gesehen!“, sagte eine Passantin zum Asphalt Tiger. „Ich krieg‘ sie nicht aufgescheucht. Nicht mal mit Brot!“ Sie fuchtelt mit einem kompakten halben Kilo desselben in der Hand herum. Trauerten die Jungschwäne? Oder aber: Sit-in gegen — höhere Macht? Oder, mit Bourdieu (1968 ff.) — gegen strukturelle Gewalt?

Asphalt Tiger weiß zu wenig. Er kratzt sich am Kopf und wünscht der Schwanenaktivistin einen Schönen Tag. Die Mienen der Jungschwäne bleiben von höchster Opazität. Schließen sie vor Müdigkeit die Augen, sind sie entnervt, oder zwinkern sie ??? Kurz danach hat Asphalt Tiger ein Schneeglöckchen entdeckt, dann noch eins, im ansonsten kahlen Beet neben direkt dem See. „Die sanfte Macht der Natur!“ Asphalt Tiger hockt sich hin und spürt den Wortbedeutungen flüsternd nach. Silbe für Silbe, dann flüstert er nochmal: Silbe für Silbe. „Sanfte … na Natur.“ Ein Sonnenstrahl flirrt über den See, dann noch einer. Asphalt Tiger guckt lange hin. Dann hört er die Natur tief atmen.

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