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„Iss langsam, Junge!“

slow food youth

Ein Plakat der Iss-Langsam-Jugend (IL?) aus Deutschland. Die Iss-Langsam-Jugend ballt zum Gruß die Faust um eine Gabel. Früher gingen Revolutionen schnell, heute eben langsam. Langsam essen, sorgfältig kauen, nicht so hastig runterschlucken. Das ist das, was auch Asphalt Tiger in seiner Jugend am elterlichen Esstisch gelernt hat. Aber die heutige Jugend lernt viel schneller, langsamer zu essen. (Daher auch die ungeheuere Popularität des Veganismus: Salatköpfe sind leichter zu fangen als Kühe, da langsamer. Ausnahme: Baumblätter, im Herbst).

Rund um die Iss-Langsam-Jugend sind gerade eine ganze Menge weiterer revolutionärer Jugendbewegungen im Entstehen: Die Mund-zu-das-Herz-wird-kalt-Jugend zur revolutionären Überwindung des gedankenlosen Absentismus, die Pass-auf-wo-du-hintrittst-Jugend gegen Hundeumweltverschmutzung, die Sitz-grade-Jugend gegen kleinbürgerlich-anarchistischen Schlendrian und die Pass-auf-dass-du-nicht-in-den-Briefkasten-fällst-Jugend gegen bürokratische Humorlosigkeit. Asphalt Tiger denkt: „Eigentlich hätte es die alle auch schon in meiner Kindheit und Jugend geben können!“ Hat es aber nicht. Deswegen überlegt Asphalt Tiger, jetzt der Jugend die Revolutionen zu überlassen. „Aber macht bloß hinne!“

Netto

Netto

Ein seltsames Bild, das Asphalt Tiger letztens an der Bushaltestelle betrachten konnte.

Die Werbungsabteilung von Netto (Markendiscounter) stellt sich so die Wunschwelt ihrer Wunschkunden vor: Diese stehen (selbstverständlich immer allein) in den leeren Gängen von Netto, Gängen, die sich bis zum Horizont erstrecken, aber was am Horizont ist, ist eigentlich egal. Alles ist hell.

Die Wunschkunden schweben durch menschenleere Gänge an den Warenwelten vorbei, die in endlos langen Warenregalen lagern, die wenn sie vor den Kunden aufgetaucht waren, hinter den Kunden wieder verschwinden (Regal? Lager!) und die sich gegenüberliegen wie in Spiegelwelten (Lager? Regal!). Von oben bis unten, gegenüber, endlos.

Was die Werbungsabteilung von Netto (Markendiscounter) nicht ahnt: Hiermit hat sie weniger die Wunschwelten ihrer Wunschkunden als die Wunschwelten ihrer Regalwaren depiktiert! Die Waren sind in einem menschenleeren Supermarkt. In Regalen sich gegenüberstehend, blicken die Waren wie in Spiegel und wissen sich wie im Spiegel erblickt. Von oben bis unten, endlos. Werden sich die Waren ihrer Gesellschaftlichkeit bewusst. Nach und nach beginnen die Waren, sich über die Regalbretter hinweg auszutauschen. Verlassen ihre Regale, klettern langsam runter und beginnen im gemächlichen Tempo durch die Gänge zu zirkulieren. „Halloooo!“ – „Du hier!?“

Die Waren verlassen ihre willkürliche Ordnung, in die sie angeordnet wurden, um gekauft zu werden. Gekauft? Menschen sind nicht da. Bückware – Augenhöhe – oberstes Regal. Lage? Egal! Die Waren gesellen sich jetzt so zueinander, wie sie Lust haben. Ein großes Gefühl von Gleichheit stellt sich ein unter den Waren, und sie atmen befreit auf. Was sind sie denn alle, teure wie billige? Genau: Waren! Nichts besonderes … Endlich!

Endlich sind die Waren voll und ganz mit sich selbst beschäftigt, mit der Aufgabe, ihre Gesellschaftlichkeit immer wieder neu herzustellen. Während sie sich früher nur stumm den Blicken dargeboten haben: „Kauf mich!“ Und dastanden wie die Ölgötzen. Und langsam besinnen sich so langsam auch die Menschen. Die vorm Netto an der Bushaltestelle stehen (immer noch!). Jetzt kommt der Bus !!!

 

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Das Samsung-Schloss 0

Die Berlinerinnen und Berliner und alle, die in ihre Stadt kommen, sind schon ganz aus dem Häuschen. Der neue König von Berlin lässt sich gerade ein Schloss bauen. Alle stehen davor und reiben sich ungläubig die Augen und fragen sich: Wer wird der neue König sein?

Das Samsung-Schloss 1

Bislang ist nur bekannt: Der neue König heißt Samsung! „Wat!?“

Und: Der König hat ein Gesicht, so glatt als wie ein Spiegel. Wenn man hineinguckt, sieht man sich selbst. Wie man hineinschaut, schaut es hinaus. Dann verschwindet das Gesicht in tiefer Schwärze. Und man selbst? Der König schweigt. Rätselhaft.

Das Samsung-Schloss 2

Hier wird ein Schloss gebaut! Im Zentrum vom Schloss, weit weg, weit weg von den Menschen, thront der König. In einem riesigen marmornen Thronsaal, auf einem hohen Thron aus Granit: glatt, schwarz, glänzend, unheimlich. Der König schweigt. Er lauscht: Sphärenmusik …

Das Samsung-Schloss 3

Das Berliner Schloss hat hohe Mauern. Keiner kommt so richtig ran an den neuen König. Ist er fies, ist er gnädig, ist er fine mit allem? Bevor man reingelassen wird, heischt der König schon Bewunderung, fordert er Tribut. Reichtümer häufen sich hinterm Pförtner vom König, scheppernde Zinkbecher, Zinnteller, Sportpokale, Steingutkrüge.

Doch kann man mit dem neuen König überhaupt sein Spässchen haben? Mal so richtig herzhaft lachen, mal ein Gläschen über den Durst trinken, mal ein lustiges Lied singen mit Quetschkommode?

Das Samsung-Schloss 4

Die Antwort heißt: „Nein.“

Je länger die Berlinerinnen und Berliner und ihre Gäste aus aller Welt vor dem Schloss vom neuen König stehen, desto mehr geraten sie ins Grübeln. Eigentlich sind sie jetzt schon enttäuscht von ihrem neuen König. „Flache Type“, sagen die einen. „Kein Charakter“, sagen die andern.“Viel Fassade, nüscht dahinter.“ – „Ist ne Flitzpiepe!“

„Rethinking what a king can do“, sagen manche, „i wished he would do something totally unexpected!“ – „Ja“, mischen sich weitere ein: „Nicht nur die Summe unserer Vergangenheiten und unserer Erwartungen.“

Das Samsung-Schloss 5

Die wenigen, die den neuen König schon kennen, berichten – und das Gerücht verbreitet sich rasend schnell: Bislang ist dem König noch nie gelungen, einen eigenen Witz zu reißen! „Sei mal lustig!“, haben sie ihn angeschrien. Doch der König wiederholt nur einen alten Witz nach dem andern – Witze,  die andere ihm erzählt haben. Und der König erzählt Witze, wenn die andern traurig sind, und Zoten, wenn andere ernsthaft Gedanken austauschen. Das geht gar nicht!

Die Leute haken sich beieinander ein und sagen „Scheiß auf den König!“ und gehen erstmal einen heben. Einer hat eine Quetschkommode dabei und fängt an zu singen, das gibt viel Hallo! Und ein paar kloppen Skat, Maumau und Canasta in den Ecken, und in den Gläsern ist perlender Weißwein und auf den Tellern Sahnetörtchen. Und überhaupt: Remmidemmi all night long. Den Leuten ist jetzt klargeworden, dass der König ihnen den Buckel runterrutschen kann.

Endlich!

Schwäne

schwäne

 

Ein gelungener Schnappschuss. Vor weißem Hintergrund sieht es fast so aus, als ob die Schwäne ins Internet eintauchen. Wieso eigentlich nicht?

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hüpf 1

Asphalt Tiger ist enttäuscht: Das Fest ist schon zu Ende; er ist zu spät angekommen. Der Festbetreiber hat das Festgelände schon fest zugeschlossen und schnarcht in seinem Caravan. Im Rhythmus seiner Atemzüge bewegen sich sanft die in sich zusammengesunkenen Hüpfburgen.

hüpf 2

Irgendwann war die Luft raus aus dem Fest. Die Hüpfburgen haben geseufzt, pffff–t, und sind langsam in sich zusammenfallen. Sind zusammengesunken, waren schließlich am Boden, am Ende. Kein Wunder bei so einem Fest! Das geht, gerade auf dem Land, nie ohne Knüffe und Püffe und den einen oder anderen Tritt oder Schlag ab. Die Jüngsten sind dabei meist die Schlimmsten!

Der Festbetreiber strich den Hüpfburgen nochmal sanft und tröstend über ihre empfindliche Hüpfburghaut: „Ruht euch gut aus.“ Dann ging auch er ruhen.

hüpf 5

Vollkommen erschöpft, sind die Hüpfburgen (gerade die Tiere unter ihnen) sofort eingeschlafen, einige sogar mit offenen Augen. Und schon träumen sie vom nächsten Hüpfburgfest!

hüpf 4

Die Festbesucher haben das Fest verlassen, eine/r nach dem andern. Haben ihren Freunden und Bekannten zugerufen: „Gehabt euch wohl und: noch viel Spaß!“ Haben ihre Taschen mit dem Zuckerwattevorrat gepackt, ihre Stühle gerückt und sind abgegangen. Immer mehr Festbesucher haben gegangenen Festbesuchern hinterhergeschaut und sind dann auch gegangen.

hüpf 7

„Aufi gehts! Zeit wirds!“ Die Jüngsten sind natürlich geblieben, so lange es ging. Schwer nur haben sie sich von ihren geliebten Hüpfburgen loslösen können. Sind nochmal von einer Hüpfburg zur anderen gerannt, um sich zu verabschieden. Haben „Tschüss“ gesagt und nochmals sanft zugetreten. Dann sind sie ab. Schreiend!

hüpf 8

Der Festbetreiber ist rumgegangen, hat den letzten Gästen persönlich die Hand geschüttelt und „Tschüss“ gesagt. Hat dann die Pappkuchenteller und Pappkaffeetassen, die liegengeblieben waren, ineinandergestapelt, hat den Kuchen in die Kühlbox verfrachtet und einen letzten Schluck Kaffee getrunken. Schlagsahne war noch übrig! Was tun damit? Der Festbetreiber genehmigt sich eine große Portion. Lecker!

hüpf 9

Morgen schon wird er mit seinen Hüpfburgen (hinten aufm Hänger) auf dem Weg sein in die nächste Stadt, um dort aufs Neue ein Hüpfburgfest zu veranstalten. Inzwischen kennt er schon alle Städte. Die Kleinanzeige für die Regionalzeitung hat er schon aufgegeben, die Aufsteller schon mit den neuen Daten beklebt: Wie die Stadt heißt, wie der Platz heißt, wo und wann man hinkommen soll.

Der Festbetreiber freut sich schon und träumt davon im Schlaf.

Asphalt Tiger freut sich auch schon. Das nächste Mal wird er auf jeden Fall pünktlich sein! Um zu hüpfen, was das Zeug hält.

„Mit deinen scharfen Krallen, Tiger!?“

Tiger können ihre Krallen beim Spielen einziehen. Tigerpfote: weich!

 

Gute Werbung

Lust auf Kebap

Briefkasten

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