Gute Arbeitswelt

Gutes Lern- und Erklärvideo. Deckt sich im wesentlichen mit den Erfahrungen. „Our Boss is a Demon.“

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Asphalt Tiger erfindet das Bio-Internet

bio google maps

Am Montag ist es soweit: Asphalt Tiger wird das Bio-Internet beim Patentamt anmelden (Oder muss er zum Kartellamt? Mal sehn). Vorausgegangen waren entbehrungsreiche Monate des Konzipierens und des Ausprobierens. Zuerst war da die Idee der Bio-Google-Maps, die ausschließlich mit „Natural Light“ funktionieren. Nicht dass Asphalt Tiger das Rad damit neu erfunden hätte. „Natural Light“ war in der Instagramfotografie schon länger beliebt. Man nimmt nur, was da ist an Licht. Kein künstliches Licht! Bei Bio-Google-Maps heißt das: Nachts sieht man die Erde so wie sie selbst – dunkel! Asphalt Tiger schaut auf seinen Bio-Google-Maps-Prototypen: alle hundert Meter mal eine Straßenlaterne, und auch diese manchmal nur von Bäumen verdunkelt. Das Natural Light des Mondes glitzert im Ozean.

Dann die Idee: Das ganze Internet in „Natural Light“! Und zwar worldwide. Nachts also bleibt das Internet dunkel (außer man will in Westeuropa was über Australien wissen, oder Südemerika. Dann wird das natürlich hell. [Andersrum geht das natürlich auch, aber wer will in Südemerika schon was über Europa wissen?]). Pluspunkt: Der Ressourcenverbrauch durch das Internet verringert sich drastisch. Nachteil: Das ganze Aufregungspotential etwa der jugendlichen Klimaschützer würde sich verflüchtigen. Denn gerade in den Wintermonaten gäbe es nur noch an wenigen Stunden täglich lesbares Internet, und die jungen Leute und ihre wohlmeinenden Eltern hätten kaum noch Zeit, sich in den sozialen Medien zu Aktionen verabreden zu können. Kurzum: Das Bio-Internet ist strukturell konservativ. Nachts kann man im Winter nur noch schlafen. Es ist eigentlich wie früher, auf dem Land. Eben: BIO!

[N.B. 1: Das ist natürlich ein Punkt, wo Asphalt Tiger noch mal nachpatentieren müsste.]

[N.B. 2: Und es ist natürlich nicht so, dass Asphalt Tiger der Einzige auf der Welt ist, der in Richtung Bio-Internet denkt: Auch die neuen digitalen Fernsehkanäle müssen ihre Datenpakete möglichst dünn schnüren. Deswegen, hat Asphalt Tiger irgendwo gelesen, sind die neuen Fernsehserien auf NETFLIX und Co. auch so dunkel. Dunkel = wenig Datenvolumen. Zum Beispiel die Serie: DARK.]

Kein Patentrecht ohne Verwertungsrechte! So funktioniert die Green Economy! Asphalt Tiger ist schon frühzeitig in Verhandlung mit den auf dem bundesrepublikanischen Markt konkurrierenden Biomarktketten getreten, um dem Meistbietenden exklusive Rechte einzuräumen, das Produkt an die Kunden zu verkaufen. Das war vielleicht eine Rabattschlacht, Kerle Kiste! Asphalt Tiger musste harte Bandagen anziehen. Denn wer will schon ein Bio-Internet zum Schleuderpreis kaufen!? Wertigkeit hat ihren Preis!

Doch es kam noch viel schlimmer: Libertäre Wikileaker hatten streng vertrauliche Bio-Internetpläne ins Netz gestellt, die naive Verfechter „freien“ Wissens aus der Biobranche hatten durchsickern lassen, um ein kostenloses Bio-Internet für alle durchzudrücken (die Grenzwertkosten der Erfindung tendieren schließlich bei weltweiter Verbreitung gegen Null). Und schon waren die Discounter drauf und dran, mit chinesischen Billig-Bio-Internet-Imitaten aus dunkler, auf Computer- und Händybildschirme aufbügelbarer Plastikfolie den europäischen Markt zu überschwemmen. Das hätte unvermeidlich das Aus des Bio-Internet der guten Biomärkte bedeutet — und zwar noch bevor dieses überhaupt die Marktreife erreicht hatte !!! Nur mit Müh und Not konnte Asphalt Tiger sein biologisch abbaubares „Natural Light“ gegen die Dunkelplastikflut der Konkurrenz aus Fernost verteidigen.

Doch jetzt ist endlich alles in Sack und Tüten: Die Pläne, die Herstellung, die Verträge für Verkauf und Vertrieb des Bio-Internet sind fein säuberlich in Asphalt Tigers Aktentasche verstaut, und diese steht gut verschlossen und griffbereit neben die Wohnungstür, die Asphalt Tiger am Montag Morgen hinter sich zuziehen wird, um zum Patentamt zu eilen. Der glückliche Erfinder atmet tief durch: NOCH ZWEIMAL SCHLAFEN, DANN IST ES SOWEIT !!!

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Die Idee des Bio-Internet kam Asphalt Tiger am Ende des letzten Winters, bei einem glücklichen Spaziergang an den Ufern des Wannsees. Die Tage wurden heller, das Licht wurde länger, der Frühling war in Sicht!

 

 

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Das Like-Kartell

„Wir haben jetzt ein Like-Kartell gegründet. Wir liken uns immer gegenseitig, um die Aufmerksamkeit zu steigern und um uns voranzubringen. Das bringt schon was!“ Die ehrgeizige junge Frau berät eine andere ehrgeizige junge Frau. Asphalt Tiger hört staunend zu. „Äh. Kann man da mitmachen?“

Die ehrgeizige junge Frau mustert ihn argwöhnisch. Asphalt Tiger erschrickt: ‚Man sieht mir meine niedrige Topic Engagement Rate also bereits auf den ersten Blick an? Und dass mein Key Performance Rater (KPI) scheiße ist. Ich falle bei der Sentiment Analyse auf Anhieb durch, und mir sind die Lücken, Knicks und Abwärtskurven meiner Vanity Metrics vermutlich so deutlich ins Gesicht geschrieben, dass man mir ohne zu zögern die rote Scorecard zeigt.‘ Asphalt Tiger ist zutiefst verunsichert.

Was solls! Jeder Depp wird heute Influenza! Die Gesichtszüge der einen jungen Frau erhellen sich, und als die andere das sieht, erhellen sich auch ihre (danke, Spiegelneutronen!). Schnell hat sie den Business Plan für Asphalt Tiger festgelegt: Liken-Arbeitsbeginn punkt Acht in der Früh. In der Mittagspause weiter liken, Essen fotografieren nicht vergessen. Keine Kantine, schnell auswärts futtern, knipsen, nachbearbeiten, posten. Unbezahlte Überstunden selbstverständlich ebenfalls knipsen. Nachtschichten rundum liken, weil das Internet nie schläft. Graue Katzen auf dem Heimweg nachts (süß) nachkolorieren. Im Urlaub gegenseitig Liken, unter Palmen gesponsert von Tchibo.

Den Text hat Asphalt Tiger vor einem halben Jahr hingeschludert. Inzwischen ist die Sache irgendwie durch. Er stellt das hier eigentlich nur hin, um die Vergänglichkeit zu dokumentieren. Er liket die Vergänglichkeit sozusagen auf einer Metaebene. Draußen fallen schon die Blätter. Darauf schnell einen Jacno. Alles wird gut.

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Der Zahn der Zeit

zahn und fun

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Karel Gott

Karel Gott ist tot. „Gott ist tot, Biene Maya lebt“, hatte ein Fernsehmoderator gewitzelt. Asphalt Tiger ist nicht zum Lachen zumute. Er fand Karel Gott großartig. Sicher nicht das Gesamtwerk, aber doch genug. Auf Platz 1 von Asphalt Tigers Karel-Gott-Hitparade steht seit mehr als zwanzig Jahren unangefochten „Schicksalsmelodie“, aus dem Film Love Story.

Asphalt Tiger hatte die Schallplatte mal auf dem Flohmarkt gekauft. Asphalt Tiger kann das Lied nicht hören, ohne traurig zu werden. „Wir werden nie uns beide wiedersehen!“ Adieu, Karel. „Ich hör das Lied und muss auf einmal wieder traurig sein.“

Wir alle wissen es: Der Soundtüftler Brian Eno hat die Sounds für Windows 95 entwickelt. Was bislang niemand wusste: Der Sound an der Aldi-Kasse ist von Francis Lai: Es sind die ersten Töne von seiner Komposition Love Story. Immer wenn Asphalt Tiger bei Aldi an der Kasse steht, singt er mit: „Schicksalmelodie.“ Von Karel Gott. Das wird vermutlich für immer so bleiben.

Karel Gott hat in seinem Leben viel gemacht. Soul: „It takes a worried man to sing a worried song“. Asphalt Tiger dachte damals: „worried“ heißt verwirrt, fahrig, unkonzentriert: „Karel Gott – er spricht zu mir!“

Psychedelic: Der düstere Beat der ungarischen Csárdás-Geiger!

Country und Western: „Nachtgeister ziehn vorbei“. Amerikanisch-slawische Kuhjungen-Reiterhorden an der Frontier des jugoslawischen Berglands? Schlager als kulturindustrielle Entspannungspolitik? Die Neuzusammensetzung des imaginären Ostblocks im westdeutschen Schlager ist jedenfalls sehr hybrid.

All dies und vieles mehr — vergänglich! Was bleiben wird, ist Karel Gotts „Schicksalsmelodie“. Das wird vermutlich für immer so bleiben. Danke, Karel! Dĕkuji pĕknĕ!

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Gute Musik: Gonzo

Gute Musik kommt heute zumeist aus Tralien, stellt Asphalt Tiger fest: Ganz neu – von Gonzo! Vielleicht ist das eine vorauseilende Assimilation der Sensibilitäten an die Klimawandelfolgen, vermutet Asphalt Tiger. Wenn wegen dem Klimawandel die Welt umkippt, sind wir da unten (in Australien), und die sind hier. Die Antipoden müssen sich zwangsläufig in der Kippbewegung, in der Neigung verähnlichen, um überleben zu können: aus us wird them und umgekehrt. Youtube hat wieder die Nutzungsbedingungen geändert. Vor dem Weltuntergang kommt vielleicht der Webuntergang. Der Web stirbt aus lauter Langeweile. Ist ja auch schon alt. Keiner will ihn mehr besuchen, obwohl schon längst keine Affektionsgefahr mehr besteht. Der Web ist bald wie ausgestorben, heiße Stromwinde wirbeln noch die letzten Nullen und Einsen über schürfig schilfrige, in der Mittagssonne gnadenlos glitzernde Platinenoberflächen, ein letzter Kabelsalat macht keine Oase mehr. Bevor das soweit ist, nochmal ein schönes Lied von den Antipoden:

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Roky Erickson

Heute hätte Roky Erickson Geburtstag feiern können. 15.7.1947-31.5.2019. Jemand hat im Interness geschrieben: Rest In Psychedelia, Roky. Ja. Kein Kuchen. Asphalt Tiger ist traurig. Wieder ein Dropout weniger. Dropouts: Gibt’s die heute eigentlich noch? Die weg vom Fenster sind, verloren gehen, wiedergefunden werden, rausgeholt werden, wie Roky Erickson aus dem Knast, oder aus der Psychiatrie, holt sie raus, in aller Liebe. Gibt’s die heute eigentlich noch? Outsider, die keiner versteht und die nicht funktionieren, die danebenleben und sich abseits verwuseln und sich darum ihre Integrität bewahren – und unsere Zuneigung. Außenseiter, mit Dämonen, ohne Instagram, mit ESP, ohne Unique Selling Point. O verloren.

Wenn Gender ein soziales Konstrukt ist, das die Heutigen fasziniert, war Generation wohl DAS soziale Konstrukt, das die Dropouts der vergangenen Generationen 1968+ fasziniert hat: in der pop/subkulturell informierten Affirmation von Krankheit, Wahnsinn, Kinderlosigkeit und Tod als Verweigerung der sozialen Reproduktion, als Weigerung, mit dieser Gesellschaft übereinzukommen. Diese Generation stirbt offensichtlich aus, und es erscheint überflüssig, sie im Rahmen des postfordistischen Diversity Management von Identitätspolitiken als Kund_innen zu adressieren. O verloren.

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