City Control

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„Es ist ganz wie zuhause!“

Asphalt Tiger hat sich dieses Filmchen schon einige Male angeschaut, um zu verstehen, was es mit diesem Phänomen, das Nationalismus heißt, wirklich auf sich hat. So ganz hat er es immer noch nicht verstanden, also muss er wohl noch einige Male auf den Startknopf drücken. Mit jeder Wiederholung dieser Dokumentation des Pfahlsitzmarathons, der im Jahr 1997 im Heidepark Soltau abgehalten wurde, lernt er etwas dazu.

Im Zweikampf des „deutschen Dauersitzers Holger Spohrleder“, eines arbeitslosen Malers, gegen seinen holländischen Konkurrenten Wim Ahlerts, Pferdepfleger im Dienst der Armee, wird zumindest eines deutlich: dass Nationalismus, um sich zu reproduzieren, auf das Individuum, auf die Persönlichkeit angewiesen ist, das sich in einer außergewöhnlichen, tendenziell bescheuerten Situation die Frage stellt, was es hier eigentlich macht, und darauf Antworten findet, die es ihm ermöglichen, diese außergewöhnliche Situation als normal zu empfinden, um darin verharren zu können. Dass es in der „Nationalfrage“ (Dauersitzer Spohrleder) vor allem auf Dich Selbst ankommt! Auf eisernen Willen und Ausdauer. Und auf höhere Ziele:

Das, was ich angefangen habe, das führe ich eigentlich auch grundsätzlich zu Ende, […]  und äh ich denke, was der Holländer kann, das kann ich auch! (Spohrleder. Deutschland)

 

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Gute Idee

Online Hundetraining

Gute Idee: Online Hundetraining! Hunde haben scharfe Augen, lernen schnell und erweitern nicht zuletzt dank Künstlicher Intelligenz rasch ihren Horizont. Das hat auch Amazon erkannt: Ein Prototyp von Alexa Wuff befindet sich in der Testphase; Google Home zieht nach.

Hundebesitzer aufgepasst! Bald kann euer Vierbeiner seine Dose ohne eure Hilfe öffnen. Hunde haben keine Daumen? Aber KI !!! In ein paar Jahren sind Herrchen und Frauchen vollkommen überflüssig, und nur wenige schaffen es noch durchs Assessment Center. Selber schuld!

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Mai

Im wunderschönen Monat Mai. Die AfD will vom Hauptbahnhof zum Reichstag ziehen, wo die AfD drin sitzt, um gegen alle drinnen zu protestieren (außer gegen sich selbst, versteht sich). Erst sind 10.000 angekündigt, dann werden’s aber doch nur 5.000, weil nicht alle verstehen, worum es gehen soll. Immerhin: 5.000 zu viel! Rassismus wird nicht tolerabel, wenn er im Bundestag sitzt und Ämter bekleidet.

Mai 2018

Menschen treffen sich an mehreren Orten in Berlin, um gegen den Nationalismus und Rassismus der AfD zu protestieren. Sie strömen dem Reichstag zu, wo die AfD Reden halten will gegen die, die im Bundestag sitzen (außer sich selber). Die Absicht der AfD: prinzipiell alle die zu delegitimieren, die in (laut Grundgesetz) freier, demokratischer Wahl gewählt sind (außer sich selbst).

Mai 2018 4

Die Anhänger der AfD sammeln sich um zwölf Uhr Mittags am Hauptbahnhof, kriegen kostenlose Fahnen in die Hand gedrückt, essen Bratwurst mit Bier, stoßen auf, sammeln sich und laufen los.

Mai 2018 3

 

Die Menschen, die gegen den Rassismus der AfD sind, sind schon längst losgelaufen. Sie sind ein vielfältiger Haufen: manche bunt, mit silbrigem, goldenen Glitzer angetan, der „Glamour“ repräsentieren soll. Manche mit vielen Transparenten und Schildern. Manche mit lautem Bummbumm, das für nationalkonservative Ohren sicherlich wie ein Gruß aus der Hölle oder dem Sündenbabel Berghain klingt. Manche fahren auf Booten auf der Spree. Gut so! Die Menschen strömen dem Aufmarsch der AfD entgegen.

Mai 2018 6

 

Die Polizei regelt den Verkehr: „Halt! Bis hier und nicht weiter!“ Hamburger Gitter, dahinter eine Reihe Behelmter, dahinter eine Reihe Wannen, die Polizistin filmt vom Dach. Die Menschen rufen laut, doch stehen still. Manche suchen sich andere Wege, doch an der nächsten Kreuzung: dasselbe. Stets ist die Polizei vorher da. Die Polizei riegelt Straßen und Kreuzungen ab, sperrt Brücken, lässt keinen mehr durch. Polizeihubschrauber filmen und verschaffen Überblick.

Mai 2018 8

Hinter den Absperrungen stehen die Menschen, sind laut, sind sichtbar. Das erlaubt die Polizei: Die Leute, so der Polizeizwitscherer, „können (…) in Sicht- und Hörweite ihren Protest kundtun.“ Um das Brandenburger Tor herum. Nahe der Invalidenstraße wollen sich etwa 200 junge Leute nicht mit dem Versuch begnügen, den Aufmarsch der Rassisten durch Hörbarkeit und Sichtbarkeit aufzuhalten, sondern durch eine Blockade. Die Polizei setzt Pfefferspray und Knüppel ein und löst die Blockade schnell auf.

Mai 2018 7

Wer an diesem Tag durch Berlin-Mitte läuft, sich frei bewegen will, wohin es ihm gefällt, wer kurz entschlossen Routen verlässt, Straßen überquert, auf unvorhergesehene Weise vorankommen will, kommt nicht weit: Die Polizei hat an diesem Tage die Situation voll und ganz unter Kontrolle. Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand — in diesem Fall: ein „riesiges Happening“ — entscheidet, und was nicht gefällt, passiert einfach nicht. Ein Gefühl der Lähmung macht sich breit.

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(Fotos: 1. Mai 2018, an der Grenze zwischen Friedrichshain und Mitte)

 

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Anstand

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Wildschweinfütterung bei Breitenbuch, ganz einsam im höchsten Odenwald, nicht weit vom Hainhaus mit den steinernen Sitzen der Feme, von der ich nicht bezweifelte, es sei die gleiche, welche Adelheid von Weislingen verurteilte, eine meiner frühesten Geliebten aus Büchern.

Ich meinte, noch vor wenigen Jahren, die Wildschweine, viele Hunderte, würden um ihrer selbst willen gefüttert. So hatte ich in der Kindheit unter den Anständen, die man mir in den Amorbacher Wäldern zeigte, eine Einrichtung mir vorgestellt, die dem Wild zugute kommen sollte, das da, wenn es gar zu heftig gejagt wurde oder fror, über die Leitern hinaufkletterte, Schutz und Zuflucht finde. Das wäre doch Anstand gewesen, der dem Wild gegenüber.

… , schreibt Theodor W. Adorno in seiner kleinen Kindheitserinnerung „Amorbach“ (in: Ohne Leitbild, Frankfurt am Main 1967, S. 27 f.). „W.“ wie Wiesengrund, natürlich. Immer wieder denkt Asphalt Tiger dieser Tage an diesen Text, wünscht er sich doch heute — in Zeiten zunehmender Verrohung: Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, Antifeminismus — mehr denn je „Mehr Anstand!“ Was das Ganze anbelangt, wird der heranwachsende Adorno zwar enttäuscht — sieht aber auch Hoffnung: im Grün.

Wie ich lernen musste, dass jene luftigen Baumhütten Jägern dienten, die auf dem Anstand lauern, um das Wild zu schießen, erklärte mir ein Kundiger, die Fütterung in Breitenbuch fände nicht der friedlichen Sauen zuliebe statt, nicht einmal bloß, um die Äcker vor angeblichen Verwüstungen zu behüten, sondern vorweg, um den Jägern ihre Beute am Leben zu erhalten, bis sie ihnen vor die Büchse liefe.

Solche bedrohliche Vernunft indessen konnte keineswegs den mächtigen Keiler beirren, der aus dem Farnkraut sich erhob und auf uns zukam, ungemütlich wie einst der Wildschweinduft im Forst von Preunschen und Mörschenhardt, bis wir bemerkten, dass er, offenbar aus der weiteren Umgegend erst nach der allgemeinen Fütterung eingetroffen, von uns eine individuelle erwartete. Vorweg gab er Zeichen des Dankes von sich und trottete enttäuscht davon, als wir nichts für ihn hatten. — Inschrift am Gehege: ‚Wir bitten um Sauberkeit und Ordnung.‘ Wer wen? (ebd.)

Seufz! Schön! Ermutigend. Asphalt Tiger ist sich gewiss: Das Glück ist auf der Seite der Nichtidentischen. Jedenfalls mit etwas Pfiffigkeit, Eigensinn … und einem gehörigen Maß Schlendrian (Das ist die Weisheit auch des heutigen Tages, der mit einer Dreiviertel Stunde Verspätung begann. Alerta!).

*

Asphalt Tiger bewundert die zartfühlende Empathie Adornos, der sich für ungeeignet erklärt, „einen Begriff wie den des Leitbilds zu übernehmen“, um es — im Sinne einer allgemeinen, invarianten Norm — „positiv anzuwenden“ (Ohne Leitbild, S. 7), in der Unberechenbarkeit und Ungehörigkeit des Wildschweins aber eine Kraft entdeckt, die es individuiert, es zum Subjekt werden lässt, und zwar gerade in der Weigerung, sich mit seinem vermeintlichen Schicksal zufrieden zu geben und mit sich selbst identisch zu bleiben — und damit etwas Vorbildliches. In Ernsttal, dem Leiningenschen Besitz, berichtet er,

erschien eine Respektsperson, die Gattin des Eisenbahnpräsidenten Stapf, im knallroten Sommerkleid. Die gezähmte Wildsau von Ernsttal vergaß ihre Zahmheit, nahm die laut schreiende Dame auf den Rücken und raste davon. Hätte ich ein Leitbild, so wäre es jenes Tier. (Ohne Leitbild, S. 27)

„Liebe Leserinnen und Leser“, empfiehlt der Asphalt Tiger, „denkt darüber nach!“

 

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Warm Bodies

Momentan zweifellos eine der besten Bands der Welt: Warm Bodies aus dem schönen Kansas City in Missouri. Asphalt Tiger ist geflasht.

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Frohes Neues!

Asphalt Tiger wünscht allen ein Frohes Neues! Und alles, was dazu gehört!

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