Gute Musik: The Cowboys

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Es ist unglaublich! Noch eine gute Musik mit Cowboys! Diesmal sind die Cowboys aus Bloomington/Indiana. Auf ihr neues Album, das „The Bottom of a Rotten Flower“ heißt, hat Asphalt Tiger lange gewartet. Jeden Morgen: noch nicht da. Die Cowboys klingen auf jeder Platte anders. Die erste hat Asphalt Tiger 2017 und 2018 rauf und runter gehört, bis die Nullen und Einsen ganz zerkratzt waren und einzelne Bits aus dem Player gefallen sind, so dass Asphalt Tiger schon dachte, der hat Schuppen. Das ist ihm noch nie passiert! Die erste Platte war sehr 60s Garage, auf der zweiten und dritten floss der ruhige Fluss, den Asphalt Tiger aus den 70ern kannte. Auf der neuen Platte nun hört man in einem Stück sogar ein 80er-Jahre-Saxophon wie bei Bruce Springsteen: sehr befreiend, denn wie jeder weiß, fiel davon beim Auftritt des „Boss“ (d.h., des Vorgesetzten) in Ostberlin bereits Ende der 80er Jahre die Mauer um!

Die neue Platte, schrieb das Label bereits in der Vorankündigung, würde ihre „Kinks“-(Knoten)-Platte werden! Um gut vorbereitet zu sein, hat Asphalt Tiger daraufhin „Arthur (Or the Decline and Fall of the British Empire)“ von Connie Voltaire rauf und runter gehört, zwölf ultrageile Kinks-Titel, vom Meister aus Minneapolis fachgerecht wiedergegeben. Was sollte er sonst tun, beim Warten? Aber schließlich klingen die Cowboys doch anders. Ein, zwei Balladen könnten wirklich von den Kinks sein. Aber vermutlich war eher eine Verwandtschaft in der Methode gemeint: in unerwarteten Akkordschlängeleien zum Ziel zu kommen und dabei auch noch sehr schön und harmonisch zu singen. Also: wunderbares Songsschreiben!

Dabei schrammelt die Gitarre der Cowboys weiterhin beruhigend verstimmt, und der Schlagzeuger verliert weiterhin fast das Gleichgewicht auf seinem Hocker, wenn er sich zu den Becken nach links und rechts vorbeugt, um sie beim Scheppern zu halten, und das Schönste ist weiterhin die Stimme vom Sänger, die mühelos aus den tiefsten Tiefen in die höchsten Höhen aufsteigen kann, ohne ihre dämonische Dringlichkeit zu verlieren. Asphalt Tiger muss da an die kaputte, verzweifelte Teenager-Dramatik von Del Shannon oder Lou Christie denken, die ihm Bob Stanley in seinem „Yeah! Yeah! Yeah!“-Buch (The Story of Modern Pop) erschlossen hat. Passt es von daher wie die Faust aufs Auge, dass der Gitarrist von Nobunny jetzt bei den Cowboys mitmacht, den Asphalt Tiger immer in einem ähnlich aufgestellten Sternenzelt (mit den Eckpfeilern Hunx and his Punx und Shannon and the Clams) steckend vermutet hat?

Übrigens, pikantes Detail: Das Vorgängeralbum, „Volume Four“ von The Cowboys, ist auf dem gleichen Label erschienen wie die tolle Platte von dem einzigartigen The Cowboy, nämlich bei Drunken Sailor Records: Die Cowboys und der Cowboy beim betrunkenen Seemann. Das kann ein Zufall sein, aber Asphalt Tiger will an dieser Stelle kein Seemannsgarn spinnen. Obwohl es schon eigenartig ist, dass die Männerbeine mit den hochgekrempelten Hosenbeinen auf dem Cover dieser Cowboys-Platte nicht erwartungsgemäß in Cowboystiefeln verschwinden, sondern in durchaus großstadttauglichen gepflegten Leder-Herrenschuhen. Wir wissen es seit George Eliot: die Großstadt, ein Versteck, ein Ort der Täuschung und der falschen Verkleidungen …

 

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