Gutes Livekonzert

Asphalt Tiger schaut sich ein gutes Livekonzert an. Fast genauso gut wie das Konzert sind die Sachen, die rundum passieren. Die Leute sitzen hinter der Bühne und kauen Kaugummi. Die Leute schauen zwischen den Verstärkern durch und geben Ratschläge. Die Leute klettern auf die Bühne und machen sone und sone Sachen und machen und tun und suchen was (was?) und schauen in die Kamera und reden mit dem Mensche, der die Kamera hält, und halten der Kamera ihre Flasche hin und freuen sich. Die Leute wuscheln dem Schlagzeuger in die Haare, auch wenn der gerade spielen muss. Die Leute stehen auf der Bühne rum und unterhalten sich mit den Leuten aus der Band. Die Leute aus der Band stehen mit Rücken zum Publikum, weil sie sich unterhalten müssen. Aus rein optischen Gründen sind die Leute mit der mittelbraunen Jacke und dem mittelbraunen Pullover und der hellblauen Hose beeindruckend. Man hört den Sänger nicht, aber ist  das so wichtig? Die Leute im Publikum schauen manchmal gelangweilt, manchmal hauen sie oder knutschen. Die Leute gehen wieder von der Bühne runter. Die Leute auf der Bühne beratschlagen und wollen irgendeine Entscheidung treffen, aber die Fragestellung ist nicht klar. Ein paar Leute klatschen. Die Leute aus der Band schauen die Leute im Publikum wieder mal an. Die junge Frau mit der Umhängetasche läuft auf der Bühne herum, knutscht den Sänger ab und ordnet ihm die Haare. Da er nicht weitersingen kann, nimmt die junge Frau das Mikrofon und streitet sich dann mit dem jungen Mann im hellblauen Pullover um das. Jetzt singen sie beide. Man hört sie nicht. Die andere junge Frau am Bühnenrand mit der Brille rückt ihre Brille zurecht, sie glaubt nicht, was sie sieht. Ganz am Ende vom Livekonzert.

Kaaos ist ein der besten Bands der Welt. Das war eines der besten Konzerte der Welt. Asphalt Tiger kann sich auch an solche Konzerte erinnern. An Konzerte in Jugendzentren in größeren Städten und in kleineren Städten, im Umland, wo die Leute aus den größeren Städten und den kleineren Städten hingefahren sind, weil man die Bands kannte oder die Leute. Asphalt Tiger musste dafür niemals ein Ticket im Onlienschop erwerben und auch keine Vorverkaufsgebühr entrichten. Man ist da einfach hingegangen. Trotzdem hat es Spaß gemacht!

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Potse und Drugstore haben jetzt neue Räume, können da aber keine Konzerte mehr machen. Dafür will jetzt Rent24 vermutlich in die Räume ziehen, wo Potse und Drugstore Konzerte gemacht haben. Rent24 vermietet Räume für Co-working und Co-living. Working heißt Arbeiten und Living heißt Wohnen, oder vermutlich Schlafen, weil Wohnen so teuer ist, dass man die ganze Zeit Wachsein bis zum Einschlafen arbeiten muss (Die Neuberliner sagen statt Feierabend Heiaabend; man kann dann auch nur noch vom Arbeiten träumen). Wo also Potse und Drugstore bisher kostenlos Konzerte gemacht haben, wird jetzt gearbeitet und geschlafen. So ist das jetzt in Berlin.

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