Mai

Im wunderschönen Monat Mai. Die AfD will vom Hauptbahnhof zum Reichstag ziehen, wo die AfD drin sitzt, um gegen alle drinnen zu protestieren (außer gegen sich selbst, versteht sich). Erst sind 10.000 angekündigt, dann werden’s aber doch nur 5.000, weil nicht alle verstehen, worum es gehen soll. Immerhin: 5.000 zu viel! Rassismus wird nicht tolerabel, wenn er im Bundestag sitzt und Ämter bekleidet.

Mai 2018

Menschen treffen sich an mehreren Orten in Berlin, um gegen den Nationalismus und Rassismus der AfD zu protestieren. Sie strömen dem Reichstag zu, wo die AfD Reden halten will gegen die, die im Bundestag sitzen (außer sich selber). Die Absicht der AfD: prinzipiell alle die zu delegitimieren, die in (laut Grundgesetz) freier, demokratischer Wahl gewählt sind (außer sich selbst).

Mai 2018 4

Die Anhänger der AfD sammeln sich um zwölf Uhr Mittags am Hauptbahnhof, kriegen kostenlose Fahnen in die Hand gedrückt, essen Bratwurst mit Bier, stoßen auf, sammeln sich und laufen los.

Mai 2018 3

 

Die Menschen, die gegen den Rassismus der AfD sind, sind schon längst losgelaufen. Sie sind ein vielfältiger Haufen: manche bunt, mit silbrigem, goldenen Glitzer angetan, der „Glamour“ repräsentieren soll. Manche mit vielen Transparenten und Schildern. Manche mit lautem Bummbumm, das für nationalkonservative Ohren sicherlich wie ein Gruß aus der Hölle oder dem Sündenbabel Berghain klingt. Manche fahren auf Booten auf der Spree. Gut so! Die Menschen strömen dem Aufmarsch der AfD entgegen.

Mai 2018 6

 

Die Polizei regelt den Verkehr: „Halt! Bis hier und nicht weiter!“ Hamburger Gitter, dahinter eine Reihe Behelmter, dahinter eine Reihe Wannen, die Polizistin filmt vom Dach. Die Menschen rufen laut, doch stehen still. Manche suchen sich andere Wege, doch an der nächsten Kreuzung: dasselbe. Stets ist die Polizei vorher da. Die Polizei riegelt Straßen und Kreuzungen ab, sperrt Brücken, lässt keinen mehr durch. Polizeihubschrauber filmen und verschaffen Überblick.

Mai 2018 8

Hinter den Absperrungen stehen die Menschen, sind laut, sind sichtbar. Das erlaubt die Polizei: Die Leute, so der Polizeizwitscherer, „können (…) in Sicht- und Hörweite ihren Protest kundtun.“ Um das Brandenburger Tor herum. Nahe der Invalidenstraße wollen sich etwa 200 junge Leute nicht mit dem Versuch begnügen, den Aufmarsch der Rassisten durch Hörbarkeit und Sichtbarkeit aufzuhalten, sondern durch eine Blockade. Die Polizei setzt Pfefferspray und Knüppel ein und löst die Blockade schnell auf.

Mai 2018 7

Wer an diesem Tag durch Berlin-Mitte läuft, sich frei bewegen will, wohin es ihm gefällt, wer kurz entschlossen Routen verlässt, Straßen überquert, auf unvorhergesehene Weise vorankommen will, kommt nicht weit: Die Polizei hat an diesem Tage die Situation voll und ganz unter Kontrolle. Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand — in diesem Fall: ein „riesiges Happening“ — entscheidet, und was nicht gefällt, passiert einfach nicht. Ein Gefühl der Lähmung macht sich breit.

Mai 2018 9

(Fotos: 1. Mai 2018, an der Grenze zwischen Friedrichshain und Mitte)

 

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