Ich war chir

In einer Buchbesprechung von Barbara und Kai Sichtermanns jüngst erschienener „Geschichte der Hausbesetzung“ fasst die Rezensentin deren Schlusswort zusammen: „Die Hausbesetzerszene habe zwar ihren Charakter geändert, nicht aber ihre Ziele. Als Beispiele für die innovativen Stadtaneignungen der neuen Generation nennen die Geschwister Graffiti und Urban Gardening.“ (konkret 03/2017, S. 65)

Die Rezensentin kritisiert: „[H]eute sind es politisch Obdachlose, die wie die Sichtermanns Kultur mit Politik und die Selbstverwaltungssehnsucht des akademischen Mittelstands mit der Organisation autonomer Zentren verwechseln.“ (ebd.)

„Ich war chir!“ Asphalt Tiger liest die Zeichen des wütenden Protests an der Wand. Immer mehr Parkbänke verschwinden in Berlin, vermutlich im Kampf gegen urbane Obdachlose, aber zugleich in deutlicher Missachtung der Erholungssehnsüchte des urbanen und touristischen Mittelstands. Asphalt Tiger bringt Verständnis auf: Die temporäre Besetzung der Parkbänke – praktisch mit dem ganzen physikalischen Gewicht der eigenen Existenz und symbolisch mit der Krikelkrakelei – verweigert sich zumindest konsequent dem Innovationsimperativ der neoliberalen Stadt. Leute verbringen hier die Zeit mit Nichtstun und Älterwerden und lesen Zeitungen von gestern.

Ein Hoch auf die Parkbank!

(N.B.: Asphalt Tigers temporäre Parkbankbesetzungen verliefen bislang in der Regel unspektakulär.)

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