Adé

Adé! Manfred Krug ist tot. Asphalt Tiger wollte eigentlich dessen deutschsprachige Version vom House of New Orleans hier vorstellen, das wollte er wieder mal hören.

Manfred Krug hat auf der Aufnahme selber Schlagzeug gespielt; das hat er sich selbst beigebracht, in nur vier Wochen, extra für diese Aufnahme, erzählte Dieter Franke vom Krug begleitenden Franke-Echo-Echo-Quintett dem Asphalt Tiger einst am Telefon.

Aber der Song war nicht auf Youtube zu finden, genausowenig wie Adé von Manfred Krug im Duett mit Caterina Valente. Das Stück ist auf der Platte „Da bist du ja“ von 1979, der ersten Platte, die Krug gemacht hat, nachdem er rübbergemacht hatte.

Adé hätte gut gepasst. „Adé, muss du wirklich gehn …?“ Das Original ist von Edu Lobo, Maria Bethania hat es auch gesungen: „Para dizer adeu“. Aber Asphalt Tiger findet die deutschsprachige Version von Manfred Krug besser, da noch langsamer und minimaler. Warum? Weil Caterina Valente Gitarre spielt!

Niemand habe sich gefunden, der die Gitarre für das Stück so richtig gut spielen konnte, hat der Tiger irgendwo gelesen. Die Profimusiker und die Aufnahmeleitung waren ratlos. Soundmann: „Rolling!“ Ein Profimucker nach dem anderen spielte sich die Finger wund auf der klassischen Konzertgitarre mit den Nylonsaiten, ein Gitarrist nach dem anderen legte sie wieder weg, irritiert und beschämt.

„Ich!“ hat da Caterina Valente ihren Finger in die Luft gestreckt und sich einfach die rumliegende Gitarre gegriffen. Alles war schlagartig mucksmäuschen still. „Rolling“, hat der Soundmann gerufen. Alle hielten den Atem an. Nur die goldbraune Oberfläche der Gitarre, deren Lack das sanft gedimmte Studiolicht reflektierte, und die schmalen weißen Hände der Valente, die in ihrem schwarzen existentialistischen Rollkragenpullover mit dem Dunkel des Aufnahmeraums verschmolz, waren zu sehen, als Caterina die Saiten der wohltönenden Guitarre zupfte. Ein einziger Take, und das Ding war im Kasten.

Asphalt Tiger bewundert Caterina Valentes Kunst: Behutsam setzt sie ihre spärlichen Töne genau dort hin, wo sie hingehören, lässt sie ausklingen, bis sie verschwunden sind – „adé“ -, setzt erneut an …

Die beiden Lieder gefallen Asphalt Tiger wesentlich besser als der verschwurbelte Jazzrock von Günter Fischer, der Krug auf seinen ersten vier Schallplatten begleitete, und der sein kunsthandwerkliches Geschick allzu selbstgefällig ausstellt: gedrechselte, verdrehte, manierierte Songs. Brrr.

Manfred Krugs polterige Art hat Asphalt Tiger immer eher unangenehm berührt. Liebling Kreuzberg, Rechtsanwaltskanzlei. Aber mit diesen beiden Songs – „Es steht ein Haus in New Orleans“ und „Adé“ – lebt Manfred Krug ewig weiter. In den Ohren vom Asphalt Tiger.

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