Warnung vor polizeilichen Meditationstechniken

polizei meditation

Abb.: Aushang, gefunden im KAiser Supermarkt Weißensee, schnell abhängt und mitgenommen vom Tiger, bevor weiterer Schaden angerichtet. Präventionsmaßnahme!

Berlin, Stadtteil Weißensee. Immer wieder stolpert Asphalt Tiger hier über esoterische Schwingungen und Energiewellen. Man muss aufpassen, wo man hintrittt.

Wenn Asphalt Tiger nicht aus Vorsicht auf den Boden guckt oder aus Übermut in die Luft, nimmt er hin und wieder Zettel wie den obigen wahr. Noch hat Asphalt Tiger deren Verfasserin, die sich selbst auf einigen Aushängen als ältere Frau in den 70ern darstellt, nicht zu Gesicht bekommen. Am Pinboard des Supermarkts oder an der Straßenlaterne hängen ihre meist handgeschriebenen, schwarz/weiß kopierten Zettel, die Heilung von Rheuma, Krebs und Kopfschmerz, aber das tägliche Kochen warmer Mahlzeiten gegen geringes Entgelt versprechen. Es muss wohl wahr sein, dass kosmische Energien heilen: Wenn allein das Lesen dieser Zettel ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann!

DOCH VORSICHT!

„In den vergangenen Jahren“, liest er auf dem gerade entdeckten Zettel, „gab es positive Forschungsprojekte bei der Transzendentalen Meditation, in Zusammenarbeit mit der Polizei in Amerika.

25 % weniger Unfälle und Straftaten. So einfach kann „Frieden“ sein.“

Im Wandel staatlicher Gewaltausübung vom Top-down Government zur Governance mittels zivilgesellschaftlicher Partizipation prüft die Berliner Polizei gegenwärtig den Einsatz alternativer, „weicher“ Methoden der Verbrechensbekämpfung. Nachdem sie bereits vereinzelt WahrsagerInnen eingesetzt hat, um Verbrechen aufzuklären, ist der Gedanke der Polizeilichen Meditation zur Verbrechensvorbeugung und Gewaltprävention ein Novum.

Im Modellversuch soll das US-amerikanische Forschungsergebnis nun in hiesigen Problemzonen Früchte tragen: Strategie für fiese Wohnviertel, Verbesserung der Lebensqualität, Aufwertung des Wohnumfelds.

In Berlin-Buch, einem Stadtteil mit bekanntermaßer hoher Nazi-Aktivität, begibt sich die Polizei auf neue Wege der Gewaltprävention. Nachdem sich die Good Governance mittels zivilgesellschaftlicher Kräfte als hoffnungsloses Unterfangen an jenen Orten erwiesen hat, wo die Zivilgesellschaft strukturell faschistoid ist, setzen spezielle Task Forces der Polizei auf die Aktivierung kosmischer Energiepotentiale.

Das Projekt einer Meditationszentrale zur Vertreibung negativer Energie setzt stadträumlich dort an, wo es brennt: inmitten eines Plattenbauviertels, in just der Straße, wo vor nunmehr fünfzehn Jahren der Sozialhilfeempfänger Dieter Eich von Neonazis ermordet wurde.

„Suche meditierende Mieter für die Walter-Friedrich-Straße in Berlin Buch“,

so die handschriftliche Botschaft der ehrenamtlichen Polizei-Mitarbeiterin. Welch hoffnungsvolles Unterfangen! Die Projektleiterin hofft:

Gemeinsames meditieren verstärkt positive Energie in der Umgebung um ein Vielfaches!

Doch halt! Ist diese Art, Frieden herzustellen, nicht mehr als bedenklich? Wenn Polizeiliche Meditation positive Energien verstärkt, ist es dann selbstverständlich, welche Energien negativ und störend sind?

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