18. März oder: Wozu Baustellen gut sind

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Karl Gutzow, der „Vormärz“-Schriftsteller, der bei der Märzrevolution1848 keine besonders rühmliche Rolle gespielt hat – er wiegelte die BerlinerInnen ab statt auf! – schreibt über den Barrikadenaufstand am 18. März in seinen Lebenserinnerungen:

Die tägliche Aufstellung des zum Kampf bereiten Militärs weckte bei dem ohnehin necksüchtigen Charakter der Berliner Bevölkerung den Kitzel des Widerstandes. Man versuchte auf dem Petriplatz eine Barrikade zu errichten, so hieß es in den polizeilichen Berichten über die neuen Plänkeleien am Mittwoch und Donnerstag.

Ich sah diesen unschuldigen ersten Versuch der modernsten aller Gattungen der Baukunst! Es war eine von der Umzäunung des Petrikirchbaues abgerissene Bretterlatte, die mit ein paar Sandkarren und einigen Mauersteinen garniert war. Die löbliche Straßenjugend hatte ihre Freude daran, dass die ihr nachsetzenden Ulanen an dieser Stelle immer erst einen Satz machen mussten. Aber der Charakter der Berliner ist gelehrig. Sie zeigten am Dönhoffplatz Fortschritte in diesem Bauwesen […].“

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Gutzkow weiter:

Die Furcht vor der Revolution machte die Revolution. Der Zustand Berlins wurde darüber unerträglich. […] Man konnte einer ergrimmt in voller Breite der Straße anrückenden Truppenkolonne begegnen und fand, wenn man sich bergen wollte, nach polizeilicher Vorschrift alle Haustüren verschlossen.

Schon gab es Verwundungen und einige Tote, als die Nachricht von den Wiener Vorgängen und Metternichs Sturz alles elektrisierte. […] Die Massen träumten jetzt nur noch von ordentlichen Barrikaden.

Am 18. März endlich, schreibt Gutzkow, „kam die in ihren Anfängen dünn gestreute, dann aber gewaltige Mine zum Ausbruch.“ (Karl Gutzkow, Unter dem Schwarzen Bären. Erlebtes 1811–1848, Herausgegeben von Fritz Böttger, Berlin (Ost) 1971, S. 531f.)

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Asphalt Tiger liebt die vielen Baustellen Berlins! Mögen sie für alle Zeit als Baustellen erhalten bleiben! Als würdige Denkmäler mögen sie die Erinnerung an den demokratischen Aufstand des März 1848 auf ewig lebendig erhalten!

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Darüber hinaus ist Asphalt Tiger sehr froh, dass es auch in anderen Städten Baustellen gibt! Zum Beispiel in Frankfurt.

Asphalt Tiger wünscht der „löblichen Straßenjugend“, die sich dort zur Verteidigung der innovativen, demokratischen Bautradition des 18. März gegen das unerträgliche Regime von Staat und Kapital zusammenfinden wird, viel Erfolg!

http://blockupy.org/18m/blockaden/

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