Grünflächen am Alexanderplatz

natur am alexanderplatzWenn in einigen Jahren die Geschichte Berlins der letzten Jahre geschrieben werden wird, auf vielfachen Wunsch der Touristen, die ja immer Sehnsucht nach Geschichte haben, und auf Wunsch der jüngeren Zugezogenen, die immer wieder an der Erinnerung der Einheimischen teilhaben wollen, und dem Drängen der Zeit entsprechend, die Geschichte und Erinnerung immer näher an die Gegenwart heranrückt, weil alles immer schneller verfällt … — dann sollten die Geschichtsschreiber Berlins nicht vergessen, dass es einmal Natur, dass es einmal Grünflächen, Bäume und Rosenkübel in Berlins historischer Mitte gab!

Ja, um den Fernsehturm herum!

Asphalt Tiger liefert ein letztes Beweisfoto, bevor alles Grün verschwunden ist: Man erkennt einige Restbäume, die es sich überlegen, ob sie im Frühling wieder ausschlagen werden. Ob es sich lohnt, oder ob es vielleicht besser ist, unauffällig zu bleiben, schlicht schwarz, unbewegt und geräuschlos. Um übersehen, um überhört zu werden.

Denn das Geräusch von grünem oder herbstlichem Laub ist doch wesentlich LAUTER als das matte Rasseln von blanken Zweigen und Ästen, und es könnte die Stadtplaner, die von Zeit zu Zeit mit Mappen und spitzen Bleistiften und aufgeschlagenen Entwurfsblöcken bewaffnet über den Platz rennen, auf die Restnatur aufmerksam machen. Dann streichen sie es mit ihren Bleistiften auf ihren Entwurfsblöcken durch (einer reicht schon!) und das war’s.

Schließlich lenkt das Grün, ist es erst einmal aus den Knospen an den dürren Zweigen gekrochen und hat sich in der Wärme der kommenden Frühlingstage entfaltet, inmitten dieser grauen Stadtlandschaft viel zu sehr ab! Es könnte die Leute, die hier durchhuschen, davon abhalten, ins TK-Maxx, ins Primark, ins CCC, ins KKKino oder in den EISSalon zu hasten, um dort die Penunzen über den Tresen zu schieben.

Es könnte die Leute dazu verleiten, einfach nur das Grün zu genießen, das vor allem in den ersten Frühlingstagen greller strahlt als jedes aus den Schwefel-, Sulfid- oder Uranbädern Südostasiens gefischte T-Hemd! Es ist sogar umsonst!

Es könnte die Leute dazu verleiten, an ein Früher zu denken, das sie nicht kennen: als hier noch viel mehr Grün war, Rasenflächen und Büsche und Wege. Es könnte sie auch dazu verleiten, den alten Omas und Opas zuzuhören, wie schön das hier früher war im Gegensatz zu heute, und dann melancholisch zu werden und sich ziellos treiben zu lassen, tagelang.

Aber die alten Omas und Opas gibt’s ja heute hier nicht mehr. Und wo sollten sie sich auch hinsetzen? Die Parkbänke sind nämlich auch verschwunden.

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