Vorbereitung auf den Winter

november 1November kommt vor Dezember. Im Dezember geht meist der Winter los.

Vorher müssen die Straßen und Gehwege vom Laub befreit werden. Da gibt es viel zu tun, aber das macht Spaß! Wenn das Laub fast vollständig von den Bäumen gefallen ist, verkleiden sich die Leute von der Berliner Stadtreinigung wie Astronauten und fegen das Laub mit ihren Düsen vor sich her. Im warmen Luftstrahl wirbelt es auf und türmt sich unter der gezielten Lenkung des Strahls zu hohen Bergen, die dann weggefahren werden.

Am Anfang erledigen zwei Leute von der BSR die Laubdüsenaufgabe. Das meiste Laub ist dann weg. Später kommt dann noch mal ein BSR-Trupp zum Nacharbeiten. Das ist schon schwieriger: Es sind nur noch wenige Blätter da, denen mit vereinten Kräften nachgejagt werden muss. Dazu sind mindestens fünf Leute nötig.

Einige Tage später rückt die BSR dann noch mal aus, damit auch das letzte Blatt in die Tonne kommt. Gemeinsam mit dem Bundesamt für Katastrophenschutz wurden im vergangenen Jahr Szenarien entworfen, die vorsehen, zu diesem Zwecke ganze Straßenzüge zu sperren und Bevölkerungen zu evakuieren, damit einige Dutzend Reinigungs-Astronauten gemeinsam mit THW und dem Heer ungehindert und gnadenlos Jagd auf das letzte Blatt machen können.

Im Spätsommer fanden unter strengstem Ausschluss der Öffentlichkeit erste Übungen  im „Urbanen Kampfzentrum Schnöggersburg“ auf dem Truppenübungsplatz in der Altmark statt, um den Erfolg des Maßnahmenplanes zu testen. Wir dürfen gespannt sein.

november 2Ist der Winter erst einmal da, fallen sanft die ersten Flocken, macht sich Erleichterung breit. Bereits in den späten 1950er Jahren haben die Berliner Stadtplaner eine Dauersensation realisiert, die ihren besonderen Reiz unter einer dicken, geschlossenen Schneedecke entfaltet: eine Miniaturversion der Alpen, mit der typischen kargen Gebirgsvegetation, viel Stein und einigen hohen Nadelbäumen.

Schon wachsen die Ureinwohner Berlins ihre Skier und Schlitten, um beim ersten Schneefall den Abhang hinunterzusausen. Hei, ist das ein Spaß! Miniaturalpen: Ski und Rodel gut!

november 3

Was tun, wenns glatt wird? Die Väter unserer Stadt wussten schon lange: Eines der höchsten Güter unserer Stadt ist das Streugut! Zumindest im Winter. Fast alle Güter dieser Stadt haben die Väter von Berlin verkloppt: Häuser, Bahnen, Wasser, Strom. Einzig und allein das Streugut ist übriggeblieben.

Die Väter unserer Stadt haben dem Streugut ein ernstes Denkmal gesetzt. Es mahnt uns im Sommer wie im Winter, dass nur im gesunden Ausgleich der Gegensätze das Glück liegt. Der Sand, Symbol des Irdischen, des Vergänglichen, bedeckt das Eis und hemmt die erbarmungslose Macht des Ewigen, das vom Himmel niederrauscht. Das Glück: Ist es nicht das, was zerrinnt? Immer wieder rinnt uns durch die Finger (Siehe auch: Sanduhr)!

Und doch: Nicht nur der Sand! Auch das Eis ist Glück! Eine Schlittschuhbahn zum Beispiel! Doch auch eine Schlittschuhbahn ist nicht ewig.

Das ernste Denkmal der Stadtväter belehrt uns und beruhigt uns: Das Glück liegt in der steten Veränderung! Heute so, morgen so: das ist Glück!

Dieser tiefen Weisheit (unserer Stadtväter??) eingedenk, können wir dem kommenden Winter gelassen entgegensehen.

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