Lou Reed R.I.P.

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Die Velvet Underground haben Asphalt Tigers Jugend gerettet. Asphalt Tiger sitzt im elterlichen Wohnzimmer und hört das Bananenalbum auf der elterlichen Stereoanlage. Frühlingssonne fällt rein durchs Fenster und auf das Schallplattencover in Asphalt Tigers Händen. Wenn man in der Sonne sitzt, wird einem schon warm. Asphalt fächelt mit dem Plattencover, feiner Staub wirbelt auf und glitzert im Sonnenlicht. Asphalt Tiger ist noch ein Milchbubi und weiß nicht, was die singen.

Asphalt Tigers Lieblings-Velvet Undergrounds waren: John Cale. Sterling Morrison. Mo Tucker.

Nico hat Sunday Morning schön gesungen.

Anfang der Neunziger kam Mo Tucker mit ihrer Band nach Augsburg. Asphalt Tiger ist mit zwei oder drei Kumpelz hingefahren, um sie live zu sehen. Im alten VW Käfer sind ihnen die Füße bis zum Hals eingefroren: Winter, keine Heizung, viele Stunden Fahrt. Drinnen: strahlende Gesichter. Mo hat Gitarre gespielt. Sterlin Morrison hat Bass gezupft und sah aus wie der Kapitän von einem großen Schiff: beeindruckend. Von beiden hat Asphalt Unterschriften auf einem riesen Poster, die heute längst verblichen sind.

Kurz darauf war Velvet Underground Reunion. „Ob das was ist?“ Asphalt Tiger ist trotzdem mit zwei Kumpelz nach Hamburg gefahren. In der großen Halle gab es Plastikbecher und man musste weit laufen, bis man am Bühnenrand war. Der Boden war mit Plastikplane abgedeckt, damit er nicht nass wurde. Das Licht war blau. Es hat die VUs in das Licht getaucht.

Der Sound war „astrein“ und „amtlich“. Asphalt Tiger hat hochgeguckt und beobachtet, wie Lou Reed und John Cale Zickenkrieg geführt haben. Lou Reed hatte sich Muskeln auf den Oberarmen und im Gesicht antrainiert. Mo Tucker war großartig an ihren Standtrommeln. Danach sind alle wieder aus der Konzerthalle raus gegangen. Asphalt Tiger hasst große Konzerte.

Kurz danach ist Sterling Morrison gestorben. Adé, großer Kapitän! Nico war schon länger tot. Kurz vor ihrem Tod hatte sie einen Auftritt in der Musikhalle bei Asphalt Tiger um die Ecke, aber Asphalt Tiger hat das nicht mitgekriegt. Vielleicht war das auch besser so: „Die war voll dicht. In ihrem dicken Pelzmantel muss sie sehr geschwitzt haben“, hatte ein Freund (auch tot) ihm erzählt. Traurig.

Vor einiger Zeit hat Asphalt Tiger Nicos Grab auf dem Friedhof im Grunewald besucht. Ein Bekannter war kurz zuvor da gewesen und hatte ihm  erzählt, wo das war. „Und? Hast du ihr was mitgebracht?“, hat Asphalt Tiger gefragt. – „Ich habe ihr eine Banane aufs Grab gelegt.“

Asphalt Tiger hat die Alben von John Cale rauf und runter gehört.

Wenn Asphalt Tiger mal traurig war, hat er These Days von Nico gehört. Wenn Asphalt Tiger lustig war, hat er Rock’n’Roll vom Loaded-Album der Velvets gehört. Kurz bevor das raus kam, ist Lou Reed ausgestiegen. Danach war bald Schluss mit der Band.

Ohne Lou Reed wäre Velvet Underground nicht das gewesen, was sie waren! Lou Reed hat den Pop in die Band gebracht. Vier tolle Schallplatten! Danke, Lou Reed. R.I.P.

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Den Song In Berlin hat Asphalt Tiger immer wieder im Ohr, auch ohne ihn anzuhören. Warum? Vielleicht weil Asphalt Tiger in Berlin wohnt?

Heute schaut er sich diese Konzertaufnahme zum ersten Mal an. Lou Reed hat mit dieser Frisur Dutzende von The-Bands inspiriert. John Cale ist der Mann am Klavier, Nico schaut Lou Reed zu.

„You know, I’m gonna miss you, now that you’re gone – one sweet day …“ (Lou Reed, In Berlin)

Asphalt Tiger seufzt. Der Mann am Klavier spielt weiter.

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