Asphalt Tiger will sich vielleicht ein T-Shirt kaufen

Asphalt Tiger liest Nachrichten von gestern:

13.336 Unterschriften übergeben AktivistInnen der Kampagne für Saubere Kleidung und von INKOTA heute an den Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie in Berlin und an die Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels. Mit dem Online-Appel „No more Excuses – Schluß mit den Ausreden” fordern sie die Verbände auf, sich für einen Lohn in der globalen Bekleidungsindustrie einzusetzen, mit dem die ArbeiterInnen ihre Familien ernähren, ihre Miete bezahlen und ein menschenwürdiges Leben führen können. Die Übergabe findet im Rahmen der europaweiten Aktionswoche „NäherInnen verdienen mehr. Existenzlohn für alle!” statt. (INKOTA-netzwerk e.V.)

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t-shirt kosten

Grafik: http://bit.ly/176Q3pj

Dann geht Asphalt Tiger in das Modegeschäft. Er schaut sich das T-Shirt an. Es ist schön bunt mit einer glitzernden Applikation. Er sucht das Preisschild. Preisschilder sind gut versteckt. Er nestelt das Preisschild aus dem T-Shirt-Hals raus:

„Boah! 29 Euro!“

Davon, liest er auf der bunten Schautafel, gehen 17 Euro, also fast 60 Prozent, an den Einzelhandel in der Fußgängerzone. 12 Prozent, ganze 3,61 Euro, bringt der Markenname ein. Die Leute, die das T-Shirt herstellen, kriegen nur 18 Cent. Die Leute, die das T-Shirt kaufen (Asphalt Tiger: überlegt noch), zahlen also 20 mal so viel für den Markennamen wie für den Arbeitslohn! Wenn die Leute in der Produktion (Frauen, fast alle) allein den ganzen Zaster kriegen würden, den der Markenname einbringt, würden sie 20mal so viel verdienen wie jetzt! Geile Scheiße!

Asphalt Tiger macht eine einfache Milchrechnung (Trau schau wem! Kauft die Milch im Netz und verbiegt s Markstückle … ):

Industrie

Wenn die Frauen aus der Produktion ihren Scheff feuern (Grundvoraussetzung für die Richtigkeit der folgenden Rechnung) und ihre T-Shirts direkt am Fabriktor verkaufen würden, könnten sie das minimal für 0,27 Cent Fixkosten plus 3,40 Materialkosten (hä? Asphalt Tiger kennt sich nicht aus) plus Kosten zur Sicherung der Existenz ihrer Familie tun.

Der schäbige Arbeitslohn von 0,18 Cent Arbeitslohn reicht zur Existenzsicherung natürlich nicht aus. Also 0,18 Cent + x. Der Basis-Existenzlohn muss laut Asian Floor Wage Allianz mindestens das Zehnfache des gegenwärtigen Mindestlohns betragen (knapp 260 Euro im Monat). Also: 1,80 Euro pro T-Shirt. Summa summarum: 5,47 Euro! Nicht viel für ein T-Hemd.

Wenn sie das T-Shirt am Fabriktor für die 29 Euro verkaufen, die Asphalt Tiger auf dem Preisschild in der Boutique liest, hätten sie ganze 23,53 Euro zum Leben übrig! Pro T-Shirt!

Wenn die Produzentinnen jeden Tag auch nur ein T-Shirt verkaufen würden, hätten sie in einem Monat mit 20 Arbeitstagen rund 500 Euro raus! Fast das doppelte des Lohns, der über den Monat die Existenz der Familie sichert!

Party

Die Frauen überlegen sich noch, ob sie noch ein zweites T-Shirt nähen. Das ist abhängig davon, was sie und ihre Familien für Bedürfnisse haben. Wann haben die Kinder und die Großeltern Geburtstag (Geschenke!), und so.

Ein zweites T-Shirt ist schnell genäht. Die Frauen haben also viel Zeit, sich um die eigentlichen, notwendigen und schönen Dinge des Lebens zu kümmern: Festmahl für die Kumpelinen kochen (geil: Scheff gefeuert!), Blumen gießen, Hund streicheln, Laubsägearbeiten, ein gutes Buch lesen, das Dach endlich neu decken, endlich wieder mal ins Museum gehen.

Modezeitschriften lesen? Bei dir piept’s wohl !!!

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Geile Scheiße! Das Leben könnte so schön sein!

(Asphalt Tiger hat das T-Shirt dann doch nicht gekauft. Er guckt sich erst mal um.)

http://www.inkota.de/aktuell/news/vom/22/okt/2013/mehr-als-13000-menschen-fordern-schluss-mit-den-hungerloehnen/

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