Kostenloser Download: Repressive Staatsapp

„Wir müssen jetzt gut auf uns aufpassen!“ Asphalt Tiger flüstert ganz leise in sein Handy. Es ist schon ganz alt und ganz grau. Zärtlich streichelt er ihm über die Ohren.

*

Als Asphalt Tiger letztens wieder mal in der Zeitung gelesen hat, ist ihm das Herz fast in die Hosentasche gerutscht: Was für ein Kriminalroman! Unglaublich.

Da hat es der Meisterdieb Eddie Snowden also geschafft, ihnen zu entkommen!

Jahrelang hat er bei der NSA-Firma in Amerika gearbeitet, und immer, wenn die anderen Mitarbeiter nach Hause gegangen waren, ging er heimlich in den Keller der NSA und hat die ganzen Leitungen angezapft. Das war nicht schwer, schließlich ragten die Telefonrohre einfach durch die Mauer in den Keller hinein, und Eddie Snowden hat dann einfach seine Plastiktüten drunter gehalten und gewartet, bis die Tüten voll waren. Kostenlose Infos — Diebesgut. Geheimnisse: kostbare Geheimnisse!

Daten! Daten aus aller Welt. Von Gesprächen, die aus aller Welt durch die Leitungen in den Keller der NSA kamen. Viele Telefongespräche kamen auch aus Deutschland !!! Jahrelang hat das keiner gemerkt.

Asphalt Tiger schüttelt mit dem Kopf und raschelt mit der Zeitung.

Eddie Snowden hat die Plastiktüten dann heimlich nachts zu sich nach Hause geschleppt und in der Abstellkammer übereinander gestapelt. Das war nicht leicht, weil Plastiktüten glatt sind, und sie rutschen schnell voneinander runter. Manchmal, wenn Eddie Besuch hatte, war das ganz schön gefährlich! Da ist fast die Tür von der Abstellkammer aufgegangen und die schweren, prall gefüllten Tüten sind in das Wohnzimmer geflutscht. Eddie hat den Atem angehalten. „Aber nur fast“, hat er gezischt, als die Gäste wieder weg waren (und der Kuchen alle).

*

Asphalt Tiger feuchtet den Finger an und blättert die Seite um. Seite 2.

Irgendwann wurde die Situation brenzlig. Am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft. Es waren schon zu viel Daten durch die Leitungen geflossen. Da hat Swondon die ganzen Plastiktüten, von Kik, von Lidl, und ein paar ganz alte von Schlecker, in einen großen Lederkoffer gestopft. So voll, dass er kaum zu ging und ganz ausgebeult war.

Mit dem Koffer hat er sich in ein Taxi gesetzt. „Wohin?“ — „Flughafen.“ Die beiden schwiegen die ganze Fahrt. Ganz schöne Spannung in der Luft. Der Fahrer lenkte sich mit dem Verkehr ab. „Wir sind da.“ Snowden holte tief Luft.

Weil er sich mit einer dunklen Brille getarnt hat, haben die Cops am Flughafen nichts gerafft und sind weiter in ihren hautengen Uniformhosen und den glänzenden Helmen auf und ab stolziert, Weiber imponieren. Und Snowden nichts wie durch die Kontrollen durch mit dem dicken Koffer. „Scheiß Macker!“

*

Im Flieger hat er die schwarze Brille von der Nase genommen und frech durchs Fenster auf die Wolken geguckt. Die Stewardess hat nur mit dem Kopf geschüttelt, aber ihn nicht erkannt.

Als er in Deutschland zwischengelandet ist, ist er auch da den Behörden durch die Lappen gegangen. Schlauer Hund! Spionageminister Friedrich war zwar von den Kollegen von der NSA informiert worden. Amtshilfe: „Werf mal einen Blick in die Plastiktüten! Da sind auch ne Menge Daten von euren Leuten drin!“ Aber da war Eddie Snewodol schon wieder über den Wolken. Jetzt erst erscheint sein Bild in den Nachrichten, ARD, ZDF.

Nächster Stopp: Mazedonien. Jetzt hopp: Er wird zu bekannt und muss sich verstecken! In einem Keller schließt sich Eddie für drei Monate mit den entführten Datensätzen ein und versucht Informationen aus ihnen herauszupressen. Aber auch Gewalt hilft nichts, Fäuste, Tritte. Eddie hat sich einen langen, schwarzen Bart wachsen lassen. Keiner erkennt ihn mehr.

Dann fliegt er damit zu den Russkis. Hier ist er vor den Amerikanern und den Deutschen sicher. Der schwarze Koffer mit den Datentüten ist inzwischen ganz schön abgewetzt, ein Rad eiert gewaltig. Aus Russland kann ihn höchstens Gerhard Schröder rauslocken, der mit allen Leuten da per Du ist und allen mit der Hand auf den Rücken haut (Oder Gerhard Depardieu). Kumpelz? Kumpelz. Also: Hoffnungslos!

Eddie Snowdon lacht sich ins Fäustchen!

*

„Die Regierung muss was tun, um ihre Leute zu schützen !!!“

Die Leute können das wohl von ihrer Regierung verlangen. Dass ihre Daten und Telefone sicher sind und die Leitungen gestopft werden.

Alle warten, dass die Regierung was macht. Lange: nichts.

Dann schaltet Angela Merkel den Fernseher ein und verkündet den Leuten zur besten Sendezeit, in der Werbung vor der Tagesschau, dass sie jetzt ein Mittel gegen den Datenklau und zum Schutz der Bürger erfunden hat:

DIE REPRESSIVE STAATSAPP !!!

Man kann sie ganz schnell auf sein Handy laden. Frau Merkel strahlt und macht das Herz mit ihren Händen und erzählt, wie das geht. In knallblauer Werbeschrift erscheint dann die Internetadresse „dot com“ auf dem Bildschirm und viel Kleingedrucktes am unteren Bildrand, und die Kanzlerin säuselt, dass der Download kostenlos ist, die ersten 24 Monate.

*

Asphalt Tiger liest sich erst mal die Gebrauchsanleitung und ein paar Rezensionen im Netz durch. Althusser bemängelt an der Repressiven Staatsapp, dass sie auch nicht viel besser funktioniert als die Ideologische Staatsapp. Asphalt Tiger ist das alles zu kompliziert.

Egal jetzt: Tiger drückt den Download-Knopf. Ratterratterratter: Die Repressive Staatsapp installiert sich automatisch auf sein Handy. Jetzt geht alles schnell. Als es fertig ist, klingelt es wie die Mikrowelle.

Als Asphalt Tiger das erste Mal sein Handy an sein Ohr hält, um zu hören, wie die Repressive Staatsapp arbeitet, hört er erst mal nur unheimliche Stille. „Geht nicht??“ Asphalt Tiger schüttelt sein Handy, um herauszufinden, ob etwas kaputt ist oder lose ist. „Jetzt aber!“

Als Asphalt Tiger dann probeweise die Telefonnummer von seinem Friseur wählt, kriegt er erst mal von der Repressiven Staatsapp voll eine gewischt.

„Na also, wer sagts denn! Funktioniert doch!“

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