Der Frühling vom Menschengeschlecht

Die Sonne kommt heraus, das Gras leuchtet grün. Es wird sofort einige Grad wärmer, und ein sanfter Wind kitzelt in der Nase.

Äste krachen. Die Menschen kommen wieder heraus. Aus dem Unterholz, aus den Gehölzen, aus den Weidengruppen, aus dem Dickicht, aus den Büschen. Aus dem ewigen Dunkel des deutschen Waldes heraus kommen die großen Menschen raus. Aus den staubigen, trockenen Fichtenschonungen, deren harte, dürre, dicht in dicht sich kreuzende Äste ihnen die Gesichter zerkratzen, kommen die dünnen Menschen raus.

Die kleinen Menschen kommen aus dem Gewirr der niedrigen Hecken in den Vorgärten. Wenn die Menschen aus dem Dickicht heraus treten, alle, alle, schnellen die Zweige schnell wieder zurück und verwischen in raschen Bewegungen unterschiedslos alle Spuren der Menschen. Die Natur schweigt wie ein Grab. Ewig.

stuhl

Es raschelt, wenn die Menschen heraustreten, aus dem Dunkel, aus dem Grau, dem rostigen Braun, dem Holz in seiner erstarrten Bewegung, in seiner kalten, penetranten, ekelhaften Widerborstigkeit. Während ihre dicken Arme Zweige beiseite biegen und Äste zerbrechen, scharren die unförmigen Stiefel der Menschen im Boden.

Unter einen dicken Schicht brauner, manchmal schon halb durchsichtiger Blätter bringen die hässlichen, klobigen Winterstiefel der Menschen den dunklen, fast schwarzen Humus zum Vorschein, in denen manchmal noch kleine, strahlend weiße Eiskristalle aufblitzen, und schwere, schwarze Erde, kleine, sich zersetzende Hölzchen, die sich im faserigen Gewirr der Wurzeln verfangen, kleben an ihren Stiefelsohlen fest.

Der aromatische Duft der Erde steigt ihnen rasch in die Nasen (weil es jetzt schon einige Grad wärmer ist) und macht sie ganz benommen. Ein letztes Mal halten sie sich (deswegen) an den Stämmen, Ästen, Zweigen fest, ein letztes Mal schnappen sie in der stickigen Enge des Gehölzes nach frischer Luft.

sofa

Boah, endlich! Endlich kommen die Menschen heraus. Sie treten heraus auf die Wiese. In ihren klobigen, dreckverschmierten Stiefeln. In ihren weiten, labbrigen Hosen. In ihren schimmligen Felljacken. Sie reiben sich den Sand aus den Augen und starren ins Licht. Licht! Sie kratzen sich am Hinterkopf.

Auf der Wiese versammeln sie sich alle, die ganzen Menschen. „Ach! Du hier!“, sagen die einen und werfen die Arme in die Luft. „Na schau mal einer an! Lange nicht gesehn, wa?“, sagen die anderen und grinsen und stemmen die Arme in die Seite. Lange haben sie nicht mehr so weit das Maul aufgekriegt.

Im hellen, schon wärmenden Sonnenlicht. Erst jetzt sind sie wieder so richtige Menschen.

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