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Zwei Rätsel, welche Völker aller Zeiten beschäftigt haben: das Phänomen der eineiigen Zwillinge und der Hermaphrodismus.

Nicht nur stellen Zwillinge und Hermaphroditen binäre Kategorien von Mann und Frau sowie von Identität und Alterität in Frage. Darüber hinaus erregten sie zu allen Zeiten heiliges Entsetzen, da sie die Notwendigkeit von Gesellschaft in praxi in Frage zu stellen schienen – argwöhnte man doch immer und überall, Zwillinge und Hermaphroditen seien sich selbst genug und bedürften gar keines Anderen. Und diese omnipräsente Angst, ihre Gleichzeitigkeit und Kopräsenz gefährde den gesellschaftlichen Fortschritt!

Die praktischen Lösungen, die die Völker der Welt für diese Rätsel fanden, waren verschieden, zumindest im Fall des Hermaphrodismus stets aber strukturell gewalttätig: Ausschluss aus der gesellschaftlichen Ordnung, sei es in Form von Vernichtung, sei es durch die Zuschreibung sakraler Macht und Heiligkeit.

Die gesellschaftliche Institution der Kunst hat es geschafft, die schillernde, beunruhigende Ambivalenz dieser Phänomene, das Wunderbare, Rätselhafte, aber auch Berückende und sinnlich Erregende in eine schöne Form zu bringen – in Mythen und Erzählungen, in dramatischen Aufführungen, in rituellen Tänzen, in Bildern und Skulpturen.

Inzwischen, stellt Asphalt Tiger bei seinem Spaziergang durch Berlins Außenbezirk Blankenburg fest, nimmt man sich in verstärktem Maße auch bei der Gestaltung der alltäglichen gebauten Umwelt dieses Themas an – das damit langsam, aber sicher seinen Weg aus den Randbereichen der Gesellschaft mitten ins Zentrum des großstädtischen Lebens nimmt.

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2 Antworten zu 102

  1. lotterrr schreibt:

    also, so laienhaft gesprochen mutet der gezeigte außerirdische eher siamesisch an, oder wie ein genetisch mangelhafter hydra-nachkomme. vor allem letzteres verwirrt mich nun selbst und erklärt somit auch gesellschaftliche ausgrenzungsbedürfnisse.

    ehrfürchtig, frau lotte von nebenan.

  2. Asphalt Tiger schreibt:

    Stimmt…
    Daran hab ich gar nicht gedacht, aber aus der Nähe betrachtet…
    Zwei Rätsel mehr!
    Danke, liebe Frau Lotte!
    Und n lieben Gruß nach nebenan,
    A. Tiger

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