Schlussverkauf am Potsdamer Platz

Alles muss raus!

schlussverkauf potsdamer platz 1Liebes Tagebuch, das neue Jahr fing seltsam an. In den Kaufhallen waren die Theken für Frischobst und frisches Gemüse vollkommen leer. Die Leute konnten es nicht fassen. Ich habe ein Glas Grünkohl (Haltbarkeitsdatum überschritten) ergattert und trage es unter meinem Mantel nach Hause.

Was ist los? Die Leute im Kaufhaus haben geschrien, „Krise, Krise, jetzt ist die Krise hier.“ Ich habe gefragt, warum? Da haben sie gesagt, „halt’s Maul, das verstehst du nicht, globale Zusammenhänge, komplex. Strukturanpassung, die müssen jetzt alles exportieren. Alles raus, raus damit.“

schlussverkauf potsdamer platz 2Die Leute standen in den leeren Gängen rum und haben sich gestritten. So viel haben sie sich lange nicht mehr gestritten! Die einen haben gesagt, „Mut, nur Mut!“. Wie die Kanzlerin gesagt hat, Neujahr, mit ihrem silbernen Kleid.

„Die! Gerade die!“ Haben andere geschrien. Und „Rüstung! Rüstung! Die mit ihre silberne Rüstung!“ Und die waren sich felsenfest sicher, dass die Kanzlerin jetzt sofort im neuen Jahr die ganze Rüstung und das ganze Militär auf Nachhaltigkeit umgestellt hat. Um Rot-Grün ihren Triumph bei der nächsten Wahl nicht zu gönnen. Mit Rapsöl im Tank der Panzerkolonnen hat die Kanzlerin angefangen, und „zack!“ waren alle nachwachsenden Rohstoffe für den militärisch-industriellen Komplex verplant.

„Unsere Jungs jammern schon im Ausland! Der Tropenhelm aus Maisblättern fangt sofort an zu brennen in der Sonne, und fängt es erst mal an zu regnen, kriegt man die Holzwoll-Unterwäsche und die Stroh-Uniform gar nicht mehr trocken. Das Zeug fault unsern Jungs am Leibe weg!“

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Und andere ham geschrien: „Ja genau! Und Kernwaffen aus Kernobst? Wer’s glaubt!“ — Als einer was entgegnet hat von wegen „Aber Granatapfel gibts ja wohl!“, hat der gleich eins aufs Maul gekriegt. Alle haben ziemlichen Bammel um unsere Jungs gekriegt, an der Gemüsetheke im Supermarkt. Weil die Werderschen Tomaten weder die Reichweite noch die Spreewälder Kürbisse die nötige Durchschlagkraft haben, die unsere Jungs zur Verteidigung ihrer und unserer Sicherheit brauchen.

„Unsere Jungs waren schon immer eine Gurkentruppe!“, hat da einer abschätzig in die Runde geworfen. Der hat auch gleich aufs Maul gekriegt.

„Wenigstens eine Waffe ist absolut tödlich.“ — Neugieriges Schweigen. „Und?“, haben sich alle nach dem kleinen Großmütterchen umgedreht. (Spannend!)

„Unser gutes, altes Sauerkraut. Im Steinfass mit Milchsäure vergoren.“

Liebes Tagebuch! Als ich am Sauerkrautregal nachgeschaut habe, war das ganze Regal komplett leer. Eine Bestätigung meiner schlimmsten Befürchtungen.

Was soll nur aus uns werden?

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