Klub der Republik, Pappelallee 81, Prenzlauer Berg: Ex!

Pappelallee 81. Hier stand mal der „Klub der Republik“.

Asphalt Tiger findet: Na, da ham se ja das Beste draus gemacht. Viel Sand, und eine dezente Architektur nach dem Motto: Reduce to the Max! Weniger ist manchmal mehr! Und bei der Hitze in der Wüste natürlich: Hauptsache fließend Wasser!

Tiger genießt inzwischen solche Nullzustände der Berliner Architektur. Wenn se wieder mal was platt gemacht haben, und bevor se was Neues hin bauen. Tiger genießt die Leere. Wie das das Auge beruhigt! Was da alles wachsen könnte! Bäume, Gebüsch, Wildgräser. Doch nee. „Hör‘ ich was Böses, denk ich nicht hin“ (Werner Enke)

* * *

Der Klub der Republik: Zehn Jahre lang saßen hier Leute im ersten Obergeschoss von einem einstöckigen Betongebäude mit toller Fensterfront, sehr stilvoll, sehr schlicht, sehr seventies, und haben gefeiert. Sind zur Bar gegangen und haben einen gezischt. Haben wild getanzt.

Asphalt Tiger war nur einmal drin, da war es sehr heiß, da ist er wieder raus gegangen. Zack, so ist der Tiger. Aber er fand das urst symphatisch da drin! Nicht viel aufgebrezelt, aber viel understatement. Und immer, wenn er unten vorbei gelaufen ist und die Leute oben gefeiert haben, hat er sich gefreut: Super!

Ende Januar 2012 musste der Klub dann schließen. Für Februar war Abriss angesagt. Große Scheiße! Warum? Die Leute hier wollen nur noch Latte trinken und für die Kinder irgendwas mit lactosefreier Milch, aber nur von veganen Kühen. Die Leute hören hier keine Musik mehr, außer es muss sein: wenn das Töchterchen Oboe übt. Und um zehne werden hier jetzt die Bürgersteige hoch geklappt.

Prenzlauer Berg 2012.

An der Wand zum Nachbarhaus, da wo jetzt die Lücke, der geisterhafte Abdruck des „Klubs der Republik“, deutlich sichtbar ist, haben die Investoren ein Schild hin gepappt. Da kann man sehen, wie die Scheiße aussehen soll, die sie da hochziehen wollen, wo der Klub der Republik mal stand. Prenzlauer Berg, Pappelallee 81.

Und, wie sieht das aus? Asphalt Tiger guckt nicht hin: „Sieht garantiert genauso Scheiße aus wie die andere Scheiße hier. Scheiße!“

Weil das Haus daneben nicht seventies Beton ist, sondern älter Stein, wird das nicht abgerissen. Sondern genauso gesichtslos modernisiert wie die andere gesichtslose Scheiße hier auch. Als „Gründerzeit-Altbau“. Tiger dachte mal, „Lehm“ käme von „Leben“? Nee …

Hat Uwe Rada in der taz letztens ein Loblied gesungen auf die sogenannte „Berliner Mischung“, die James Hobrecht im Jahre 1862 beim Planen der heutigen Altbauviertel Berlins im Blick hatte: Wo der Gymnasiast aus dem Vorderhaus durch den selben Hausflur geht wie das Kellerkind aus dem Hinterhof. Und daher sieht, dass es noch andere Klassen gibt außer der eigenen. (Na klar! Sonst wäre das doch langweilig! Dann gäbe es ja keinen Klassenkampf!)

Na! Tiger fragt sich, wo der olle Hobrecht heute seine Mischung hier finden will? Hier etwa? Wo denn!?

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