Ein Auto für Kinder von Alleine

„Driving in my car

The radio is playing songs I recognize“

(Nick Gilder: Runaways in the Night)

„Ein Mensch will geborgen sein in was größer ist als er selbst.“

Kinder von Alleine sitzt in ein Auto. Er schließt die Augen unter seiner Sonnenbrille, atmet tief ein und aus durch sein fusseligen Bart: geborgen. Geborgen in ein dunklem Auto. Kinder seufzt.

Er sitzt in ein altem Auto in der dunklen Werkstatt von Rabat von Matreal. Rabat ist sein Kumpel. Rabat von Matreal hat viele Autos in seiner Werkstatt zu stehen. Alle kaputt! Niemand hätte Rabat ganze Autos in seine Werkstatt gestellt! Rabat, mit sein ölverschmiertem Gesicht und dem schiefen Grinsen. Aber von Alleine weiß: Rabat hat ein Overall aus Öl, aber ein Herz aus Gold. Der ist richtig.

Rabat von Matreal liegt unter einem kaputten Auto. Er hantiert mit den Schraubenschlüsseln und Zwölfern und Vierzehnern und Zangen und Hammer rum. Aua! Jetzt ist ihm vielleicht ein Teil vom Auspuff voll auf den Kopp geknallt. Da hilft nur Beton!

Kinder von Alleine lässt sich davon nicht stören. Er sitzt hinten in der Werkstatt in dem alten Auto drin, die Türen fest zugezogen, die Scheiben hoch, und hört alles nur gedämpft, wie in einem Geheimversteck. Kinder von Alleine seufzt.

* *

Von oben fallen dicke Regentropfen auf das Glasdach von der Werkstatt. Durch das Dachfenster von dem Auto, in dem Kinder sitzt, geborgen und vor Regen sicher, sieht er hoch über sich das Dachfenster von der Werkstatt: trüb gelb und dreckig. So richtig gemütlich ist es hier! Und es riecht hier, wie es nirgends sonst riecht: geheimnisvoll. Öl, Schmiere, Rost. Rabat von Matreals Werkstatt ist ein uriges Geheimlaborinth.

Oder? Kinder sinniert: Die Werkstatt von von Matreal ist wie ein weiträumiger Käfig, wie aus weißgraubraunen Schwingen eines Uhus. Kinder von Alleine zieht seinen Kopf ein, macht die Augen wieder zu und drückt seinen Rücken noch tiefer in die Sitze mit weichem Fell. Im dunklen Auto. Er träumt.

„Wisste auch n Kaffee oder lieber n Bier?“

Schreit Rabat von Matreal quer durch die ganze Werkstatt und schmeißt klappernd sein Werkzeug hin. Es hallt. Von Alleine schrickt auf. „Wo?“ Die Kaffeemaschine gluckert jetzt laut. Ein letztes Mal drückt sich Kinder tiefer in den Sitz, reibt seinen Hinterkopf an der gepolsterten Nackenstütze. Als er langsam raus steigt aus dem Auto, fühlt er sich wie neu geboren.

„Ja!“

Schreit er zu Rabat von Matreal rüber. Der grinst ihn schief an und zwinkert ihm zu, in stillem Einverständnis.

* *

Asphalt Tiger könnte sich die ganze Zeit diese irren russischen und osteuropäischen D.I.Y. Auto-Filme angucken. Hier noch einer! Und noch einer!

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2 Antworten zu Ein Auto für Kinder von Alleine

  1. Anonymous schreibt:

    ЗАЗ-968М Запорожец
    der sapparosch! sehr beliebtes fahrzeug in meiner frühjugendlichen heimat! schönes ding!

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