Heilstätten Berlin Buch: Fledermäuse im Kriegslazarett

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Ein Tag geht zu Ende. In Buch.

Asphalt Tiger huscht auf das Gelände der Heilstätten Berlin Buch. Der Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann hat die Anfang des letzten Jahrhunderts gebaut, dann sind hier neunzig Jahre Kranke, Alte, Lahme, Krüppel, Kriegsversehrte drinne gewesen, sind gehumpelt, lagen im Bette und ham geschrien wie verrückt, ham Blumen geschenkt gekriegt und Kaffe getrunken.

Und Ärzte und Schwestern und Pfleger und haste nicht gesehn sind da rum gesprungen, in weißen, grünen, blauen Kitteln. Ham Betten rum geschoben, haben Fenster aufgemacht und Licht und frische Luft reingelassen – und natürlich operiert, was das Zeug hält. Asphalt Tiger guckt sich alte Fotos von damals an (in Schwarzweiß), und noch mehr alte Fotos aus Ost-Zeiten.

Dann haben die Helios Kliniken die Heilstätten 2001 gekauft.

Dann war 2007 Ende Gelände. Neue Klinik um die Ecke gebaut, insgesamt 1000 Leute entlassen. Heute steht hier alles leer. Heute gehört das alles dem Liegenschaftsfonds, der das sicher früher oder später für mehr oder weniger lau an irgendwelche daher gelaufenen Investoren verkloppen wird.

Bis dahin genießt Asphalt Tiger hier die Stille. Im Genesungsheim. Im Kriegslazarett. Es ist eine laue Sommernacht. Der Himmel ist klar. Kein Mensch ist hier. Der Wachschutz macht ein Nickerchen und schnarcht sanft. Eine rote Fliegenklatsche liegt neben seinem Rätselheft, ein halbleeres Gurkenglas vervollkommnet dieses Bild stillen Glücks.

Einzig zu hören ist ein Rascheln. Nein: eher ein Knistern.

Es knistert elektrisch wie eine alte Überlandleitung. Oder wie wenn eine Maus an einem runtergefallenen Apfel knabbert. Auf dem Feld natürlich! Nicht zuhause.

Als Asphalt Tiger einige Minuten ruhig rumgestanden ist und überlegt hat, wusste er es genau: Es sind Fledermäuse, die da knistern.

Liebe Leute! Wenn ihr genau hinguckt, seht ihr auf jedem Bild lange schwarze Linien. Das sind Fledermäuse! Fledermäuse lassen sich nicht einfangen. Sie sind schnell wie der Blitz!

Hier einige Beispiele:

Die Kamera rutscht dem Tiger fast aus der Hand, als er versucht, die Fledermäuse einzufangen!

Es sind nur ganz, ganz kleine schwarze Linien! Man sieht sie fast gar nicht.

In Wirklichkeit sind Fledermäuse natürlich viel größer! Sie fliegen ununterbrochen hin und her, vom griechischen Tempel zum Türmchen auf der anderen Seite, zwischen den Baumreihen über dem langen Grünstreifen. Mal sind es zwei, mal sind es mehr, so fünf oder sechs. Sie fliegen so schnell, dass Tiger sie nicht alle auf einmal zählen kann. Manchmal verschwinden sie und sind kurz gar nicht zu sehen.

Manchmal duckt sich der Tiger, so dicht sind sie über ihm, und Tiger riecht ihren warmen Atem, den sie im Rhythmus ihrer Flügelschläge aus ihren dicken, weichen, haarigen Körpern hauchen. Sie sind in etwa so groß wie eine Hand!

Aber natürlich knallen sie nicht gegen ihn! Sie haben ja Ultraschall oder Echolot oder so was. Wenn Asphalt Tiger genau hinsieht, sieht er dünne rote Strahlen aus ihren Augen kommen.

Na, lass es gut sein! Sagt der Tiger dann zu sich.

Die Fledermäuse flogen immer weiter, als er schon längst gegangen war. Das war sehr beruhigend zu wissen. Wenn es nach ihm ginge, könnte das alles hier für immer so bleiben.

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