Palais Behrens, Behrenstraße: „Sie zerstören unser Kulturerbe!“

BERLIN, HAUPTSTADT DER BRD. Sie haben eines der schönsten Gebäude Berlins dem Erdboden gleichgemacht. Damit ist ein Stück kulturellen Erbes der Stadt unwiderbringlich verloren gegangen. Eine der letzten Perlen im Stadtbild hat aufgehört zu glänzen. Alles nur noch Schrott!

Aber Asphalt Tiger wird die Erinnerung daran bewahren. An das alte Parkhaus in der Behrenstraße. Gegenüber der Komischen Oper. Im Internet! Foto für Foto stellt er in das World Wide Web und setzt damit Stück für Stück ein Berlin wieder zusammen, das die Barbaren der modernen Immobilienbranche schon vernichtet glaubten. Tiger macht ihnen einen Strich durch die Rechnung!

Denn: Das Internet vergisst nie! DAS INTERNET VERGIBT NIE! Und ist darin so sehr ähnlich dem Motor der Zerstörung. Denn, wie Walter Benjamin klug bemerkt hat: Der Kapitalismus ist die einzige Religion, die nicht entsühnt, nur verschuldet! Man muss, denkt Asphalt Tiger in einem blitzschnellen magischen Analogieschluss: Gleiches mit Gleichem bekämpfen! En garde!

Tiger wird euch auf diesem Blog am sukzessiven Wachstum der ERINNERUNG teilhaben lassen.

Abb.: Palais Theising. Sollen Nobelwohnungen rein. Steht jetzt allein. Altes Parkhaus nebendran von Barbaren zerstört. War eines der schönsten Gebäude von ganz Berlin.

Asphalt Tiger hat es geliebt. Das alte Parkhaus in der Behrenstraße. Gegenüber der Komischen Oper. Besonders in den letzten Jahren.

Das Benzin war alle, und alle Leute sind zu Fuß gegangen, und das alte Parkhaus stand fast leer. Es war eine Erinnerung an eine vergessene Zeit: Dieses Parkhaus mit seiner Fassade aus Waschbeton und geriffeltem Industrieglas, es war nicht nur ein Kind des Fortschrittsoptimismus der Deutschen Demokratischen Republik, sondern auch ein erhabenes Denkmal, ein Erinnerungsort der bundesdeutschen Automobilproduktion, die stoisch produzierte bis zum Schluss. Bis sie sich überholt hatte. Hier, im alten Parkhaus, wurde dem Tiger ihr nahes Ende zum ersten Mal schlagartig bewusst. Überall: keine Autos.

Abb.: Letzte Ausfahrt Glinkastraße. Checkpoint dicht.

Dies alles soll nun der Vergessenheit überantwortet werden!

Nebenan weht die Fahne der Bayerischen Landesvertretung. Der Himmel ist blau am Checkpoint Glinkastraße: Der Weg in die Erinnerung aber ist von nun an versperrt. Und der Investor posaunt es laut heraus: Sie werden ihn versperren durch Mauern, die höher werden als alle bisherigen Mauern der deutschen Geschichte.

Mauern aus Beton. Mauern aus Büros. Denn hier entsteht der Bürokomplex „Palais Behrens“. Die Erinnerung — ein Raum, der uns allen, allen gemeinsam gehört — liegt begraben unter Fundamenten meterdick. Tiger rettet sie in die Virtualität des Netzes.

Wo bis vor kurzem echte Geschichte war, arbeiten gerade, den Scheren urzeitlicher Riesenkrebse gleich, überreizten Hirnen kranker Konstrukteure entsprungen, die blinden Kräfte einer schöpferischen Zerstörung. Was wollen sie? Wollen Platz machen für die Arbeitskräfte einer neuen zerstörerischen Schöpfung, die von findigen Headhuntern jetzt schon für die Arbeit in neonhellen, weißen Bürozellen requiriert werden.

Tiger weiß: Bald werden sie auf ihre blöden Tastaturen auch die letzten seltenen Erden des Informationszeitalters zerhackt haben! Auch sie werden auf den Müllhalden der Geschichte landen. Tiger wird ihnen kein Denkmal bauen. Dann wächst überall Löwenzahn und die Kaninchen vom Mauerstreifen breiten sich auch hier aus.

Zum Glück, denkt Tiger, gibt es noch ein paar andere einigermaßen schöne Parkhäuser in Berlin. Naja. Wem das ein Trost ist.

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