Omas im Bus: „Pass auf deine Handtasche auf!“

 

Abb.: „Ist die denn völlig durchgeknallt!?“ Die reiche Tante zeigt, wer in dieser Stadt Gewalt ausübt.  Die Fahrgäste sind machtlos. Sie haben Angst. BVG, Bullerei und Senat raten den Fahrgästen, SOS zu rufen, wenn wieder mal eine reiche Tante durchtickt.  „Und das alles nur wegen dieser schäbigen Klunker!?“ Tiger ist geschockt.

Abb.: Buddy Bear, das debile Totemtier von Berlin, ist machtlos: „Bürger Brutality? Was soll ich da machen …“ Inzwischen hat selbst die 23er Hundertschaft Schiss vor denen! Terrorisieren den ganzen Dorfplatz mit Videokameras und übler Nachrede. An eine erneute Räumung der Liebig 14 ist unter diesen Umständen nicht zu denken.

* * *

Pffft! Die Tür geht auf im 200er Bus. Draußen ist es stockfinster.
„Halt’ deine Handtasche fest, da steigen junge Leute ein!“,
sagt die eine Oma zur andern. Als Asphalt Tiger sich irritiert nach hinten umdreht, sieht er grad noch, wie sich ihre dicken Finger um den Ledergriff klammern.

Die jungen Leute steigen ein, einer nach der andern. Ob ihr Schweigen bedrohlich zu nennen ist, weiß Tiger nicht zu sagen. Alle sind schwarz gekleidet. In Filzmänteln. Sie haben Instrumentenkoffer umhängen. Violine, Tuba, Cello. Sie kommen gerade aus der Staatsoper.
Die Haltestelle der Buslinie 200 heißt „Staatsoper“.

Asphalt Tiger muss in sein Buch kichern.
„Du, der Mann lacht uns aus!“, sagt die eine.
„Nein!“, sagt die andere: „Der lacht über sein Buch!“
Das aber ist definitiv ausgeschlossen: Asphalt Tiger ist in die „Welträtsel“ von Ernst Haeckel vertieft.

Abb.: Asphalt Tiger taucht ab. „It’s the erinnerung, stupid!“

Heute war es seltsam. Plötzlich war das da, erst die Erinnerung an den brennenden Geruch von Schwefel, dann dieses Bild. Glasklar und überdeutlich: Asphalt Tiger ist noch jung und am Strand der Nordsee. Es ist Ebbe, und es ist eisekalt. Wie heute!

Der harte Wind treibt Sandschwaden über die glatte, ganz flache Sandbank, die, noch Nässe atmend, nur ein wenig von den Spuren der letzten Wellen geriffelt ist. Einzelne Schlickwürmerhügel fallen da nicht weiter ins Gewicht. Der nasse Sand glitzert! Im grellen Sonnenlicht, unter stahlblauem Himmel, lässt er das Licht vibrieren.

Auf der endlosen Sandfläche liegen dunkle Algen, die erst im Wind trocknen, dann im Wind rasseln. Und da liegen rundgewaschene Stöckchen und Holzstücke, so wie sie Asphalt Tiger bisher nur von Hans Arp kannte.
Und DIE riechen wie Schwefel! Und verbranntes Holz. Und Salz. Und Schlick. Der eisige Wind bläst dem Tiger den subtilen Geruch ins Gesicht und wieder weg.

Asphalt Tiger versucht, die Erinnerung festzuhalten. Asphalt Tiger ist überzeugt, dass das nur eine Deckerinnerung ist. Woran? Unter dem Sand, ist sich der Tiger sicher, lag ein Schatz begraben.

Wie kommt er da nur ran? Das Gold würde in der Sonne funkeln. Er wäre reich. Asphalt Tiger hat vergessen, wo das war …

Asphalt Tiger sitzt im leeren Bus und denkt nach.

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