Asphalt Tiger erlebt: Nebel im Nordhessischen Bergland

 

Heute erzählt Asphalt Tiger was von seinem Urlaub. Er war in seinem Urlaub in Hessisch Sibirien! Am liebsten ist der Tiger da im Wald. Im Nordhessischen Bergland. Im Habichtswald. Der Wald hilft dem Tiger beim Nachdenken. Im Wald fühlt sich der Tiger wie sich selbst (?): Er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Hier fühlt er sich richtig zu Hause. So richtig in der Wildnis!

Im Nordhessischen Bergland geht es immer steil bergauf. Da plötzlich sieht Asphalt Tiger eine Treppe. Es ist eine uralte Treppe, wie von Riesen gemacht. Sie ist moosbewachsen, und ein erdiger Hauch weht den Tiger plötzlich an. Wo mag die Treppe bloß hinführen??

Asphalt Tiger weiß es schon längst. Asphalt Tiger ist in bestimmte Geheimnisse eingeweiht. Geheimnisse, die anderen verhüllt bleiben. Und Asphalt Tiger kann schweigen wie ein Grab. Er grinst sardonisch. Doch keiner sieht es.

Auf diesem Bild (obendran) sieht man den Herkules, das Wahrzeichen Kassels, der Perle des nordhessischen Berglands. Der Herkules ist nackt (eine griechische Gottheit! Den Griechen ham se alle das letzte Hemd ausgezogen), dafür haben Bauarbeiter seinen Sockel verhüllt. (Nein, nicht seine Socken. Sockel.)

Asphalt Tiger will seinen Blick über Kassel, die Hauptstadt des Landkreises Kassel, schweifen lassen. Doch ein dichter Nebel hat die Perle Nordhessens seinen scharfen Blicken entzogen und in dichte Wolken gehüllt.

Asphalt Tiger fühlt sich wie in eine raue Frühzeit versetzt. Ein eisiges Schweigen umgibt ihn, keine Krähe, keine Maus zu sehen, und Tropfen um Tropfen tränkt der feuchte Nebel den Pelz des Tigers, der in dieser Düsternis all seinen Glanz verloren hat und einfach stumpf und traurig aussieht.

Jetzt hört der Tiger einige Holländer. Laut rufen. Das neu eröffnete Besucherzentrum hinterm Herkules hat natürlich geschlossen, und alle Fremden, Metöken und Sonstigen irren orientierungslos hier rum. Herkules steht oben, auf seine dicke Keule gestützt, und guckt sich das alles mit unbewegter Miene an: „Menschengemüse …“

Aber wahrscheinlich sieht Herkules auch nichts. Der Nebel packt die irrenden Menschen zu seinen Füßen in weiche Wattewolken und lässt sie einfach verschwinden. Vielleicht hört der Herkules noch einige mumpfige Geräusche von ihnen. Wahrscheinlich aber nicht: In seinen Ohren, die wie der ganze klobige Kerl aus dickem Metall und innen hohl sind, wachsen seit drei Jahrhunderten dichte florale Urformen aus Grünspan und Patina.

Asphalt Tiger zuckt mit den Schultern und haut ab, über die Wiesen hinterm Herkules.

Stunden später wärmt er seine Hände und seine Nase an einer heißen Tasse und gibt mit seinen Abenteuern an. Er hat es wieder einmal geschafft!

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