„Es bringt mich noch um!“: Guttenbergs Arbeitsalltag in der Denkfabrik

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Aargh! Jetzt schuftet Guttenberg in der Denkfabrik! Bei den Amerikanern. Guttenberg weiß erst mal gar nicht, wo es lang geht. Arbeiten ist er nicht mehr gewohnt. Aber wer will ihm sein Lotterleben der letzten Monate nicht gönnen!

Jetzt setzt er sich jeden Morgen auf sein Fahrrad. Seine Olle hat ihm schon die Stullen geschmiert und in die Tupperdose gelegt. Und die in seine Umhängetasche gesteckt. So! Die hängt er sich jetzt um und fährt los. Erst im Slalom, aber wer sagt’s denn? Geht doch!

Abb. 1: So ist das in der Fabrikgesellschaft: Er geht arbeiten. Und sie? Küche, Kirche, KIK-Katalog lesen.

„Tüüt!“ Die Werksirene von der Denkfabrik heult. Guttenberg ist gerade noch mal pünktlich gekommen. Der Werkschutz winkt ihn durch: Hier kommt nicht jeder rein! Jetzt erst mal die Stechkarte kräftig löchern. „Tackkk.“

Ein Lärm ist das hier! In Amerika wird immer laut gedacht. Seine Kollegen nicken alle wie zum Gruß, und jetzt setzt sich Guttenberg an seinen Arbeitsplatz. Hier wird am Fließband gedacht! Eine Denkfabrik ist kein Zuckerschlecken! Jede Stunde fünf Minuten Pinkelpause, sonst ganz normal Frühstück und Mittag, und dann wieder durch, bis die Werksirene heult.

„Ein Scheißjob!“ – „Knochenarbeit!“ – „Die Fabrikgesellschaft ist so zum Kotzen!“, sagen seine Arbeitskollegen in der Mittagspause, bevor sie kurz mit der Yellow Press (amerikanisch für: BILD) knistern oder sich heimlich n Flachmann reinziehen oder schön ausgedehnt Kacken gehen.

Guttenberg hört erst mal zu. Von den Erfahrungen seiner neuen Kollegen, oftmals altgediente Knuffer, kann er sich bestimmt ne Scheibe abschneiden. Arbeitskampf, Druck und Druff! Er denkt: „Eigentlich bin ich ganz froh, dass ich den Job überhaupt gekriegt hab!“ Bei seinen Zeugnissen. Und ein paar Monate arbeitslos gemacht, dann ist das schwer, überhaupt wieder n Fuß in die Tür zu kriegen.

Und die Olle zuhause zetert! Die zetert den ganzen Tag: „Scheiße Gutti, ick will dit Tank-Top ausm neuen KIK-Katalog!“ Und er so: „Keine Kohle, Mutti!“ Und sie: „Denn musste knuffen gehen! Geh halt in die Fabrik!“

Dann ist Guttenberg in die Denkfabrik gekommen. Erst mal Vorstellungsgespräch. Vorher mit der Schuhbürste durch die Haare, und dann vorm Spiegel geübt: Denken … „Und?“

Sie ham ihn genommen!

Abb. 2: Denk laut! Wer hat hier das Hirn geklaut?

Yeah! Guttenberg stößt die Faust in die Luft und schreit wie beim Fußball. Die Scheffs von der Denkfabrik haben ihm erklärt: „Wir sind von ihre Top Qualitäten überzeugt. Sie passen gut zu uns! Sie sind eingestellt!“

Und dann erklären sie: „Guttenberg, wir machen hier auf Masse. Dit muss schnell gehn! Lohnstückkosten senken, die Konkurrenz schläft nicht! Zackzack! Aber das Wesentliche könn Sie ja schon.“ Guttenberg guckt gespannt und wartet. Und die Scheffs: „Und genau das hat uns überzeugt. Reproduzierbarkeit, Herr Guttenberg! Technische Reproduzierbarkeit! Das ist es, worauf es hier und heute ankommt. Und das haben sie sehr gut begriffen. Bravo!“

Zack, hatte er die Arbeitskleidung über und saß neben seine Kollegen. Die kuckten kurz auf und seufzten dann weiter über ihrer Arbeit: Copy – Paste – Copy – Paste – Copy – Paste …

Aber Guttenberg war schnell im Rhythmus drin. Sein Brain flüsterte ihm ins Ohr: „Denk an deine Alte! Denk an deine Alte! Think KIK! Think Tank!“

Abb. 3: Die Fabrikgesellschaft macht voll aggro! Das Brain, einmal in den Think Tank eingeschlossen, wird selbstzerstörerisch. Es fängt an zu rauchen. „Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“ (das HB-Männchen)

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Ey, aber denkt nicht, dass Reproduktionsarbeit zu Hause besser ist! Dem seine Olle zu Hause dreht sich doch genauso im Kreis! Aber so ist das halt, in der Fabrikgesellschaft. Und kaum ist der nächste Braten in der Röhre, ziehn se das Tempo weiter an. Ey, ein Scheißdreck alles!

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