Kleine Warenkunde. Heute Wodka.

Tiger kann es kaum glauben! Die Erfindungsgabe der Werbestrategen hat hier einen neuen Höhepunkt erreicht, den keine Richterskala, kein Geigerzähler mehr erfassen kann! So over the Top ist das! Tiger muss sich bücken, um es genau zu erkennen:

„FÜRST URANOV WODKA!“

Wow! Was ganz Neues! Nach Wodka Gorbatschow, Wodka Jelzin und Fürst Putinoff erstmals etwas, was den engen Rahmen nationalen russischen Interesses sprengt! Was globale Relevanz signalisiert!

Warum nicht „Fürst Medwedew“? Das wär doch eigentlich logisch? Weil da immer noch jeder „Fürst Putinoff“ dahinter vermutet? Oder weil sich das auf dem Weltmarkt nicht so gut verticken lässt … wie URANOV?

Vielleicht aber auch, weil eine anglophone Zielgruppe, immerhin ein großer Teil der Menschheit, ein vorgebliches Missverstehen zum Anlass nehmen könnte, sich auf Kosten des unbeholfen agierenden Wodkaproduzenten köstlich zu amüsieren. So:

„Medwedew – klingt wie MAD WET JEFF? Weißt du, dieser etwas debile, inkontinente Tattergreis in der Vorabendserie, der, querschnittsgelähmt an sein Bett gefesselt, von seiner drallen Großnichte MISS WET SHIRT täglich im Stich gelassen wird, wenn diese, mit Pumps, pünktlich zu ihrem unterbezahlten Nebenjob ins Werbefernsehen eilen muss?“

Da steht sie nun im hellen Scheinwerferlicht und grinst entschuldigend. Die beiden können einem leid tun. Aber das anspruchslose Publikum der Daily Soaps, das ihren Alltag tagtäglich verfolgt, amüsiert sich köstlich über das Elend der beiden und lacht vor allem den unglücklichen Alten schamlos aus!

Abb.: „Bitte, lass mich nicht allein!“ Doch was bleibt, ist die Erinnerung. Und ein verblichenes Bild an der Wand, aus besseren Tagen. Mad Wet Jeff seufzt und summt: „Still crazy after all this years…“

Also: „Wodka Medwedew?“ Geht gar nicht! Bei diesen herzlosen Konsumenten, den willenlosen Sklaven einer hirnrissigen Massenkultur.

Das wussten die Werbestrategen. So was mussten sie in Betracht ziehen! Außerdem: Der „Original“ Medwedew – wie langweilig, wie gesichtslos. Schnell vergessen.

Dagegen: „FÜRST URANOV WODKA“! Der bleibt in bleibender Erinnerung! Der spielt in einer Liga wie einst schon „Vodka Komaroff“, oder der heute nahezu vergessene Markensekt „Kurt“ – onomatopoetische Pathosformeln, die noch im Zustand höchster Berauschung gemurmelt, unverfälschter Ausdruck eines rein geistigen Inhalts sind. Der alles Feste zum Schmelzen bringt!

Doch „Uranov“ – das klingt außerdem noch so mysteriös und kosmisch, das hat so einen Hauch von „Die Letzten Dinge“! „Im Schatten von Armageddon!“ Ja, da wird man „The Day After“ mit Fug und Recht behaupten können, man sei „verstrahlt“! Und die Halbwertszeit der Verstrahlung erst, hoho! Und Brände, so heiß – kein Mensch wird sich trauen, die zu löschen!

Nun, eine innere Stimme riet dem Asphalt Tiger, als er da gebückt das Teufelszeug betrachtete: „Lass die Finger davon! Tödliches Zeug, das!“

Und wütend rannte der Tiger aus dem Laden raus: „Es hat sich ausgestrahlt!!“

Sonst ist heute nichts passiert.

* * *

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