typical Berlin specialities

Es gibt sie noch! Puh, Tiger ist erleichtert.

Es gibt sie noch, die typischen Berlin-Touristen, mit den typischen Erwartunghaltungen. Oder? Jedenfalls gibt es noch die typischen Angebote, die auf typischen Touristenfang aus sind. Asphalt Tiger ist schon so oft dran vorbei gegangen und hat es nie bemerkt! Direkt am Potsdamer Platz! Zwischen S-Bahn, U-Bahn und dem tollen Terrakotta-Einkaufszentrum.

Typisch Tiger. Dabei muss das doch jedem ins Auge springen! Denn das ist doch WERBUNG!

Und darauf fallen sie herein! Und zu Hause ham se was zu erzählen: „Was für ein Nepp!“

Und jetzt berlinert Tiger: „Ja ja. Dit is Balin!“ Hahahahaha!

Ständig wechseln die Enten von einer Seite auf die andere, auf ihrem Wendegrill, und lachen aus vollem Wendehalse: „Dit is Berlin!“ Und irgendwie erwarten das die Touris auch, die es hier noch gibt und die der Tiger schon vermisst hat. Die mit der Khakihose und dem Portmonee um den Hals: „Das ist ne andere Zone hier…“, keuchen die dann hervor und tupfen sich die Stirn mit m geblümten Taschentuch. (Tiger ist ein Checker)

Ja, aber! Die touristische mental map des echten Urberliners reicht bis nach Ostpreußen. Denn dit issa jawoll, sagt der Eingeborene Berliner am Potsdamer Platz: PREUSSEN, wa! Von Zitzzzewitzzz, jestatten!

Hahaha! Da bleibt die Ostbalina Ente sein Lachen im Halsä stecken, wa! Wia sind wieda wer! Vom Kapernmeer Somalia bis zum Gassvorrat Eismeer! Hahaha.

Na aber damit der gemeine Tourist hier keine Angst kriegt, erst mal ein bisschen Bequemlichkeit! Um mit Freud zu sprechen: ein bisschen „Ozeanisches Gefühl“ (Freud: Das Unbehagen in der Kultur).

Eine kleine Runde im „Eisbeinsee“! Jawollja! Dit is Berlin!

Nun, und „wer sagts denn wer sagts denn!“ Dass der Suff nix Gutes hat? Tiger sieht verwundert und verduzt die Nationalfarben im Bier zu Boden gleiten!

Wer sagts denn! Ein Gutes hat er ja woll, der Tourismus!

An anderer Stelle, nicht weit weg vom internationalen Flair des Potsdamer Platzes (dem im übrigen bislang niemand eine liebevolle Abkürzung  verpasst hat wie: Kotti, Görli, Boxi, sogar noch: Helmi) hat sich eine unheilvolle Allianz aus German Beer und Deutsches Heer ergeben: Nahe am Alexanderplatz hat das Garnison Bräu seine Zelte aufgeschlagen, eine seltsame Form zivil-militärischer Zusammenarbeit. „Neu! 50m Beer!“ „Sonniger Biergarten mit deutscher Küche“. Wir ahnen, wohin das führt: „Neu! Filiale am Hindukusch!“ Die Energiesicherheit effizient verteidigen! Mit Weizen: Erneuerbare! Aber die Hitze!! — Versorgungsengpässe überwinden! „Frau Wirtin, 50m flüssigen Nachschub aus der Etappe!“

(Tiger macht sich nur Sorgen um die zwei Gören. Denn wer ist der seltsam verwahrloste Mann da im Hintergrund? Der sich am helllichten Tag schon eins ums andere hinter die Binde gießt? — Tiger weiß: Die Deutsche Truppe hat jetzt ihre Ansprüche runtergeschraubt und nimmt, wen sie kriegen kann. Jeden runtergekommenen Hallodri! Tiger weiß nicht so recht… Seit der Gutti weg ist… Der hatte noch Schneid. Göh, hast a Watschn. Das versteht so ein prreißischer Drrreckslackl doch net)

Nun, da clashen halt manchmal Welten aufeinander, in der Großstadt Berlin.

Abb.: Etwas schwebt über dieser Stadt. Seltsam. Tiger schaudert.

Zurück zum Pottsi!

Hier fühlt sich Tiger erheblich besser, in diesem internationalen Flair. Yeah! Hier blüht er auf!

Liebe Berliner!

In letzter Zeit waren wir vielleicht viel zu viel mit uns selbst beschäftigt! Und mit denen, die uns viel ähnlicher werden, als uns lieb ist! Diese Künstler! Und darüber vergessen wir, dass es nicht nur notwendig ist, uns selbst zu artikulieren, wie es uns gefällt, weil nix machen heißt ja tot umfallen! Darüber vergessen wir auch, wer schuld ist: die Spekulanten, das Kapital, die Aschlöcher! Aber nicht wir! (Tiger sowieso nicht, der liegt ja auf der faulen Haut)

Oder?

Die vor vierzig Jahren haben sich auch kreative ausgedrückt. Die Langhaarigen. Und? Sind die Mieten hochgegangen? Am Stuttgarter Platz, wo die Kommune Eins war? Ja. Aber langsam langsam! Weil es da noch festes Gold gab! Bis 1973! Und dann haben erst die Finanzkapitalisten die Blasen aufgeblasen, und real sieht alles scheiße aus, wie Neukölln, feuchte Treppenhäuser, und auf dem Papier ist das scheiße teuer.

Tiger denkt: Selber machen! Tiger hat sich eine Kelle gekauft und einen Kurs in der Volkshochschule gebucht: Maurern für Anfänger. Er sieht sich schon büffeln. Und auf den Baustellen liegt so viel rum. Nachts sind die Straßenbahnen leer. Tiger stopft sie voll. Das Grundstück: beste Lage. Gehört ihm nur noch nicht.

Tiger denkt: Lage ist sowieso egal. Wenn wir uns unsere Lieblingsstraßenbahnen erst angeeignet haben. Die Bahnen denen, die drin fahren! Dann schrumpft der Raum! Tiger vermutet, dass so ein Kasten auf offener Strecke 180 Sachen macht. Technologie wird in unseren Händen zur Waffe, mit der wir den Widerstand von Zeit und Raum überwinden. In null komma nix ist man schon am andern Ende der Stadt. Der Wind bläst durch die Äste von Bäumen.

Liebe Berliner!

Bei all dem Hustle. Sollten wir doch mal wieder inne halten, uns besinnen, kurz einmal still halten.

Damit die Touris uns fotografieren können!

„Klick!“ Und weiter.

Liebe zugezogenen Neuköllner! Gell, das ist wie zu Hause. Wo die alle in der Fußgängerzone auf euch geguckt haben, mit eure komischen Haare und den Secondhand-Klamotten. Gell, das ist so vertraut. Der Tiger kennt das auch (Mann, natürlich ist das Fell NICHT Second Hand. Und die Nägel sind frisch vom NAILS Shop)

Und hier kommt der Burner!

Da will Tiger unbedingt mal mitmachen!

Erstens: Prenzlberg! Hidden Faces der Promis, Hidden Faeces der Szene, Hidden Places der Regierung.

Zweitens: Revolutionäre gucken (wie in den wilden Achtzigern!). Wie sie auf Bäume klettern? Living History. Ein Glück, dass auf den schmalen Fahrradreifen jeder Grillanzünder runterfällt! Spannend!

Drittens, braun unterlegt: Mauer und Drittes Reich hatten irgend was miteinander zu tun, garantiert! Jedenfalls, am Flakturm und am Holocaust vorbei: eine ruhige Strecke! Und dem Tiger war das natürlich schon sonnenklar, wo das endet: Berlin-Mitte! Uärgh!

Tiger seufzt. Er möchte sofort das Lieblingslied von Guttenberg hören: „I’m on a Highway to Hell“. Das waren noch Zeiten…

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2 Antworten zu typical Berlin specialities

  1. Mytch schreibt:

    „Hidden Faeces der Szene“ hihi…

    • Asphalt Tiger schreibt:

      Lieber Mytch!
      Auch du kennst sie, die Faeces der Szene, ich weiß das genau. Was ham wir schon gemeinsam über die gelacht! Nächtelang, und immer etwas lauter als der Sound von schlechter Musik. Und auch heute noch, also ich muss da gleich wieder mit anfangen mit Lachen, deswegen verbleibe ich vorerst
      mit freundlichen Grüßen
      Dein Tiger
      Bis bald ma, in den unendlichen Weiten des Cyberspace oder im Dance Discounter!

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