„Was sollen wir machen? Es waren einfach keine Griller da!“

Ohne dass Tiger einen Donner gehört und einen Blitzschlag gesehen hätte, waren sie da: drei finstere Gestalten. Nein, nicht direkt vor ihm, sondern schräg neben … Nein, nicht pechschwarz wie der Leibhaftige, sondern dunkelblau. Beschissen blau mit weißem Schriftzug: Ordnungsamt.

So hatten sie sich vor den zwei erwachsenen Fahrradfahrern aufgebaut, die um den See brausten. Der eine hatte noch ein Kind dabei, vorn auf der Lenkerstange. „Das wären zwei mal zwanzig Euro!“, sagte der eine (Kinder unter sechs fahren frei). „Geht das auch mit Karte?“, fragte der Mann.

Nein, stimmt gar nicht. Das hätte der Tiger gefragt, wenn er dran gewesen wäre! Aber so was fällt einem immer erst zu spät ein.

Abb. 1: Ordnungshüter. Haben immer den vollen Überblick. Sehr wichtig.

Schließlich: Es gibt wichtigeres. Tiger versucht wieder Zeitung zu lesen, Analysen, Weltgeschehen. Auf der Bank, am Weißen See. Geht nicht. Diese Störenfriede, diese Zankhähne! Zwei von den blauen Ordnungshütern kassieren noch ab, da kommt schon wieder ein Fahrradfahrer! Jetzt gilt’s!, denkt sich da der dritte Teufel im Bunde. Tritt vor und kassiert. Reibt sich die Hände: 60 Euro in fünf Minuten! Asphalt Tiger ist neidisch: So leicht Geld verdienen.

(Der neue Fahrradfahrer zückt rechtzeitig sein Mobilphone und alarmiert: Sandy, reiß Kevin von seinem Dreirad, sonst muss der blechen!!)

Ein weiteres dunkelblaues Trio zieht vorbei und grüßt nickend. Die kennen sich alle!

Schotter! Zaster Mäuse! Hier rollt der Rubel. Klingelingeling! Asphalt Tiger denkt nach, ob er auch was Dunkelblaues im Schrank zu hängen hat. Das lohnt sich sicher! Ein Stück weiße Kreide für die Schrift auf den Rücken hätte er jedenfalls. Aber nein, was Richtiges zum Anzuziehen hat er da nicht. Nur ein dunkelblaues Badehandtuch … Also, hm: dann vielleicht im Hochsommer …

Abb. 2: Ordnungshüter. Der neue Helm schützt jederzeit vor Hitze und Sonnenstich. Ohne geht gar nichts mehr!

Dann fragt sich Tiger, ob man die beleidigen kann. Die vom Ordnungsamt. Natürlich ordentlich beleidigen! Und wie teuer das ist. Als das dunkelblaue Trio beim Tiger an der Bank vorbei kommt, fragt er die: „Seid ihr Beamte oder seid ihr auch so Ein-Euro-Jobber?“ Der schneidigste sagt: „Nee. Wir sind Angestellte. Vom Ordnungsamt.“

So. Tiger vergisst zu fragen: Leiharbeit? Vor lauter Schreck und offenem Mund.

Jetzt fragt Tiger wegen dem Stock, den er bei dem Schneidigsten an der Seite hängen sieht: „Und? Haut ihr damit auch drauf?“ Und der sagt: „Nur wenn wir angegriffen werden. Mit einem Messer. Dann müssen wir uns verteidigen.“ Boah! Was für n Film!

Tiger denkt: Drei gegen einen! Das ist unfair.

„Und? Kassiert ihr hier den ganzen Tag Fahrradfahrer ab?“ Fragt der Tiger. Und dann sagt der Knüppelangestellte: „Eigentlich sollten wir heute wegen Grillen abkassieren. War aber noch keiner da.“

Ach so! Und damit denen nicht langweilig wird, machen se halt irgend welchen andern Unfug! Irgend wie muss man den Tag ja rumkriegen.

Der Schlagstock schlenkert sexy an der Seite von dem Schneidigen.

„Und? Warum lasst ihr die Fahrradfahrer nicht fahren? Das hat hier doch noch nie wen gestört!“, fragt der Tiger. – „Weil das im Gesetz steht. Und was glauben Sie, wer bei uns alle anruft und sich beschwert“, sagt die Frau im Bunde.

„Wie lang wohnen Sie überhaupt schon hier?“, treibt sie dann den Tiger in die Enge. Und kneift die Augen zusammen. Dem Tiger wird Angst und Bange. Die Ordnungshüter stehen vor ihm wie eine Mauer. „Na. Drei oder vier Jahre,“ schluckt Tiger. – „Sehen Sie! Sehen Sie! Es gibt Leute, die hier schon viel länger wohnen!“

Abb. 3: Ordnungshüter. Hauen dem Nagel voll auf den Kopf!

Na so was. Da kriegt der Tiger Gewissensbisse und fühlt sich als schleichender Agent der Gentrifizierung. Einer, der hinterrücks alte Omas in den Teich stupst! (Dabei sind die doch so süß! Manche haben einen Pudel dabei.) Triumphierend ziehen die drei vom Ordnungsamt jetzt ab. Sie haben so kurz vor knapp noch einen großartigen Sieg errungen: Ordnungsamt – krasse Fighter für Wir bleiben Alle!

Tiger guckt erst bedeppert. Dann zieht er aber die Taschen doch mal prüfend aus seiner Fellhose und stellt fest: Nein … Ich war’s nicht …

Und zu leise, viel zu leise ruft er denen hinterher, als sie abziehen:

„DEN SEE GIBT’S ABER SCHON VIEL LÄNGER! VIEL LÄNGER ALS ALLE HIER! DEN SEE GIBT’S HIER SCHON SEIT DER LETZTEN EISZEIT!!!“

Doch das hören die schon nicht mehr.

Abb. 4: Das sind die wahren Locals. Die haben wenigstens noch Humor! Was man von anderen Gestalten wirklich nicht behaupten kann …

Tiger weiß: In der letzten Eiszeit, da regierten hier noch die Enten! Die waren lässig! Da konnte jeder am See noch Fahrrad fahren, so viel und so schnell er wollte! Die Enten saßen auf dem Eis, haben da gesoffen wie die Löcher, und gesagt: Na macht ihr mal.

Abb. 5: Enten. Lassen sich’s gut gehen! Zwitschern den einen oder andern. Und lachen sich dann schlapp. Tiger denkt: Großes Vorbild!

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