Der Spiegelsee

Asphalt Tiger schleicht sich ran. An den See. Von da kommen die klagenden Laute. Und jetzt sieht er auch den ganzen Jammer. Das Eis ist weggetaut! Das Blesshuhn schaut in die spiegelglatte Wasserfläche und kann es nicht fassen: Es sieht sich selbst. Als ob’s das erste Mal wäre (ist ja auch lange her). Es blickt sich in die eigenen Augen. Schwarz sind sie, und seltsam. Es nimmt sich selbst als anders wahr.

Es denkt: ein trauriges Bild …  Warum sonst gibt es andauernd diese Klagelaute von sich?

Asphalt Tiger ist kein Champ in Tierpsychologie. Aber er denkt: Das ist schon ganz schön übertrieben, diese Selbstbespiegelung. Es gibt Interessanteres.

Zum Beispiel wie abgespacet das wäre, wenn alles auf dem Kopf wäre. Asphalt Tiger hat sich früher mal gefragt, ob die Antipoden in Australien auch rückwärts reden. Am schlimmsten aber sind Neuseeländer zu verstehen, findet Tiger.

Asphalt Tiger nimmt in dem, was er da vor sich sieht, eine majestätische Ruhe wahr. Eine riesige Kraft: die Natur.

Nur das Blesshuhn stört irgendwie. Das soll mal seinen Schnabel halten.

Aber ruhig Blut, Tiger.

Es ist schon einfach unglaublich, was da für eine Magie drinsteckt, in der Natur. Das Anarchische, das Chaotische — das Schöpferische schlechthin! Als ob das hier alles gleich explodiert! Da stecken ungeheure zentrifugale Energien drin, in der Natur, und gleichzeitig ist die irgendwie sicher in sich geballt.

Natur ist doch kein Kernkraftwerk! Denn Natur ist schließlich auch Harmonie.

Da quakt es jetzt vom andern Ende des Sees her. Diese Hälfte, im Schatten der Bäume, ist noch von einer festen Eisdecke bedeckt. Tiger findet das düster. Winter: die Kräfte des Todes …

„Also diese Rallen sind aber auch etwas schlicht gestrickt“, echauffiert sich der Tiger. Kriegen voneinander rein gar nix mit! Der eine blickt tumb ins eigene Gesicht, die andere schliddert wie wild auf dem Eis! Oder wollen die voneinander vielleicht nichts wissen? Kalt, abweisend, verschlossen: So können nur Tiere sein!

— — – Aber eigentlich – genauer: Heute so, morgen so. Tiger muss wieder grinsen. „Rallen, ihr seid o.k.!“, ruft er übern See. Die kriegen einen Schreck und fliegen weg.

Mal so, mal so. Das ist das Schöne an der Natur: Sie ist sehr speziell! Man kann da nicht vorschnell verallgemeinern! Aber was man auf jeden Fall sagen kann: Natur wächst! Natur greift aus, wird größer! Das ist ganz natürlich.

Und auf einmal hört der Tiger ganz andere Vögel: Die Wildgänse kehren zurück!! Jippie!

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