Schnute und Maxi zum Geburtstag!

Wie schnell die Zeit vergeht! Wie viel so schnell passiert! Jetzt ist es schon Ende Januar! Und bevor es zu spät ist dazu, möchte ich an dieser Stelle Schnute und Maxi nachträglich zu ihren Geburtstagen gratulieren! Alles Gute, ein langes Leben, und vor allem natürlich Gesundheit wünsche ich ihnen. Leider konnte ich ihnen bei meinem Besuch ihres Geheges am letzten Wochenende nicht persönlich gratulieren – die pennen grade. Wie die Zeit vergeht! Schnute wurde am 18. Januar schon 30, und Max vier Tage vorher 25! Ein Vierteljahrhundert!

Schnute und Maxi – welcher echte Berliner kennt sie nicht!? Die Wappentiere von Berlin. Die Totemtiere der Hauptstadt. Ja: Jeder echte Berliner scheint sein Wappentier zu lieben! Manchmal denke ich, diese Liebe und Verehrung ist so tief in den Gefühlsstrukturen der Berliner verwurzelt – das muss genetisch vererbt sein! Und natürlich: Diese intime Kenntnis der beiden ist für die echten Berliner auch immer etwas, was sie von den Fremden unterscheidet.

Diese Demütigung, die der Tiger erfahren musste, als er, jung und unerfahren, gerade aus der Wildnis nach Berlin gezogen war und einen der beiden Bären mit „Schnute! Schnute!“ rief. – Keine Reaktion. Natürlich! „Dit is Maxi!“, giftete ihn eine ältere Frau an. Ja ja, das gehört zum Initiationsritual in den Stamm der echten Berliner dazu: die Demütigung der Neuen, die erst noch lernen müssen, den Totemtieren auf angemessene Weise mit Respekt und Verehrung zu begegnen!

Ja, aber mehr als nur Liebe und Respekt. In diese schönen Gefühle mischt sich ein eigenartiges Unbehagen, ja ein Grausen. An den Berliner Bären ist doch etwas Unheimliches, etwas Numinoses, Furchteinflößendes. Im Zentrum dieser ultramodernen Großstadt gelegen, direkt hinter dem Märkischen Museum, dort wo vor langer, langer Zeit, vor Urzeiten fast, die Besiedelung der Stadt begann, im Herzen dieser Stadt, die pulsiert, in der es kreist und wirbelt, steht alles still: die düstre, grausame Ewigkeit des Mysterium tremendum, der mythische Ursprung der Stadt. Ein finsteres Gemäuer, ein tiefer Wassergraben umgeben das Gehege der zottigen, trägen Totemtiere Berlins.

Sprechen wir es aus! Wir müssen uns das eingestehen! In Zeiten des Kampfs der Zivilisationen, des christlichen Abendlands gegen die vorgeblich antimoderne, irrationalistische Religion des Orients. Ja: das Fundament dieser Zivilisation, das, was noch unter der nur oberflächlichen Schicht von Christentum und Aufklärung verborgen liegt: das ist und bleibt der Totemismus! Vom Vatermord zum Dschungelcamp: Überall beherrscht den echten Berliner dieselbe prälogische Ambivalenz, diese Mischung aus Furcht und Faszination! Herrscht der Berliner Bär! Wild, gefährlich – also ich als Tiger muss ja sagen, dass ich Meister Petz persönlich gar nicht so mag!

Seit Sigmund Freuds bahnbrechender Studie „Totem und Tabu“ aus dem Jahr 1913 – ein Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wohlgemerkt! – wissen wir es: Das Totemtier erinnert die Stammesgenossen an die erste gemeinsam begangene Tat, den Ursprung der Kultur. Und das war – haltet die Luft an! – ein Mord! Der Mord am Vater … Und gleichzeitig mahnt das Totemtier die Stammesgenossen zur Versöhnung: Das Totemmahl dient als symbolischer Akt der Beschwichtigung des väterlichen Zorns, und als Mahl, durch den die neu entstandene Gemeinschaft befestigt wird. Künftig sollen nur noch die Fremden gemordet werden! Das wäre ja noch schöner! Das Totemtier wird zum Sinnbild der kollektiven Identität! Und rückt einen christlichen, biblischen Irrtum zurecht. Letzter Satz vom guten Freud: „Im Anfang war die Tat!“ Und eben nicht das Wort.

Und so sind die Bären, das Sinnbild Berlins, überall (man denke nur an „Berliner Pilsner“), im ganzen Stadtbild (die ganzen „Buddy Bären“!) – und vor allem auch an den „Orten der Täter“! Ja, Asphalt Tiger hat einen von ihnen letztens, da lag noch Schnee, auf dem gut geschützten Gelände unseres Verteidigungsministeriums gesehen! Es ist traurig, aber wahr: Berliner Bären sind auch Mörder! Ein Glück war ein hohes Geländer dazwischen. Seid beruhigt: Tiger ist nix passiert!

Die Soldaten trainieren hier schon wieder fleißig. Hier sieht man, wie sie neben dem Verteidigungsministerium einen ganzen Berg Schnee aufgehäuft haben. Klasse, Jungs! Bauen sie vielleicht einen neuen Hindukusch?

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