Feeds:
Beiträge
Kommentare

*

Die Kraniche haben es sich überlegt, wegzufliegen.

Schon vor etwa einem Monat haben sie hin und her überlegt (wie hier in Biesenthal nördlich von Bernau), was man deutlich an ihrer Körperhaltung sehen kann.

kraniche 1Sie haben sich auch mit ihren andern Leuten ausgetauscht, was sie machen sollen, von hier nach da haben sie über die Büsche gerufen und sind dann auch selbst das eine oder andere Mal hin und her geflogen, zu den anderen, um sich zu beraten.

Dann sind sie in die Lüfte aufgestiegen. Es war ein linder Herbsttag (etwa hier, bei Eberswalde) und Asphalt Tiger hat hoch in die Lüfte geschaut. Er hat die Kraniche darum beneidet, dass sie fliegen können (dafür hat Asphalt Tiger ein Fahrrad, das haben sie nicht).

kraniche 3Zuerst hat er sie gehört, laut und unverwechselbar. Es waren Kraniche! Und sie waren nicht einer Meinung …

Als sie näher herankamen, hat Asphalt Tiger das deutlich an ihrem Flugverhalten erkennen können:

kraniche 4Aber schnell haben sie sich selbst organisiert. Das sah erst mal etwas langweilig aus, aber der Eindruck wurde dadurch gemildert, dass sich die Kraniche immer weiter miteinander unterhalten haben, auf ihre heitere Art, mit ihrem etwas absurden Humor.

kraniche 5Dann haben sie ihre Ordnung noch mal über den Haufen geworfen, schließlich kann man ja seine Entscheidung immer nochmal revidieren. Asphalt Tiger hat ihnen dann aber aufmunternd zugerufen: “Es wird hier nicht wärmer, Leute!”

Und dann sind sie losgeflogen Richtung Süden. Erst als sie schon fast nicht mehr zu erkennen waren, haben sie sich in der für Kraniche typischen V-Form formiert.

kraniche 6Hier sind sie schon so weit weg, dass Asphalt Tiger sie gerade noch erkennen kann. Eine V-Form ist das aber noch nicht!

Und hier sind sie leider schon verschwunden.

kraniche 7Asphalt Tiger wünscht ihnen einen Guten Flug. “Und kommt gut zurück, nächstes Jahr!”

werbung

Asphalt Tiger zieht die grüne Strickjacke höher über die Nase. Atem dampft aus seinen Nüstern und vermischt sich mit den Frühnebel und dem Dampf aus den Nüstern von den weißen und den grauen Pferden. Asphalt Tiger ist draußen auf der Weide. An den Außenwänden seiner grauen Gummistiefel perlt der Tau herab, der vorher auf den Grashalmen ganz oben in durchsichtiger Tropfenform hing. In der Tropfenform spiegelte sich der erste Glanz der Morgensonne, die über den Bäumen aufging, auf denen noch die Krähen, Raben und Dohlen schliefen.

Wenn Asphalt Tiger genau hinhört, hört er die Krähen, Raben und Dohlen hinter dem Rauschen der Gräser und Bäume sanft in ihr Gefieder atmen, denn sie haben ihre Schnäbel ( = Nasen) im Schlaf unter der Achsel stecken. Sie riechen nur sich selbst und nicht die Beute, um die sie sich mit den anderen Krähen, Raben und Dohlen tagsüber streiten: die Vogelbeeren, Holunderbeeren, Schlehen, Walnüsse, Haselnüsse, Apfelgripse, die anderen roten, schwarzen und dunkelblauen Beeren und die Brotkrumen von dem Brot, das der Asphalt Tiger gekaut hat, auf dem Weg zur Weide, wo ihn die grauen und die weißen Pferde schon neugierig anschauen.

Als sie ihn anschauen, ist es dem Asphalt Tiger, als seien die Pferde früher schon einmal dagewesen, und als sei auch er früher schon einmal dagewesen, bei den Pferden, früher in dieser Geschichte. In die grauen Stiefel hat er warme Socken angezogen, und aus der Tasche von seiner grünen Jacke zieht er jetzt einen Schal und legt ihn sich um den Hals. Als ihn das weiße Pferd erbost anschaut, legt er ihn dem weißen Pferd um den Hals. Als das graue Pferd das weiße Pferd erbost anschaut, legt der den Schal dem grauen Pferd um den Hals. Als dann das weiße Pferd erst das graue Pferd und dann den Asphalt Tiger erbost anschaut, steckt Asphalt Tiger den Schal halt wieder ein.

Da besinnt er sich und tut das, was er eigentlich tun wollte, an diesem frühen Morgen, als er über die Wiesen stapft und sich wundert, dass das Licht, das sich in den Tautropfen in der Morgensonne spiegelt, das Licht der Morgensonne nämlich, immer intensiver wird. Es wird Tag und Asphalt Tiger zieht zwei Äpfel aus den Jackentaschen und reicht sie den beiden Pferden.

Jeder, der Pferde kennt, weiß, dass das eine gefährliche Angelegenheit ist. Die Pferde verziehen ihre Lippen wie Mick Jagger und entblößen ihre scharfen, weißen Zähne und das rosig gesunde Zahnfleisch. Dann beißen sie wie wild in die Äpfel hinein, dass es nur so kracht. Dankbar schauen sie den Asphalt Tiger an: Bio! Es ist für die Wildpferde ein wenig schwierig, ein Balanceakt, gleichzeitig dem Asphalt Tiger aus der Hand zu fressen und dabei gleichzeitig immer wieder die lange, wilde Lockenmähne aus dem Gesicht zu schütteln, aber es sieht auch wildromantisch aus.

Asphalt Tiger kann sich kaum von den weißen und grauen Pferden lösen. Immer wieder schaut er sich um, wenn er von der Weide wegläuft, und winkt den Pferden, und immer wieder winken die Pferde ihm hinterher. Sie können nicht weg, die verwitterten Holzlatten und der wirre Stacheldraht sorgen dafür. Egal, dafür sind sie morgen noch da. Asphalt Tiger hat noch Äpfel zuhause.

Asphalt Tiger freut sich jetzt erst mal auf eine Tasse heißen Tee und Weihnachtsplätzchen und die Plüschdecke mit den Bommeln und die Weihnachtsplatte. Was solls, es ist halt jetzt Herbst.

bloch garten

Leben im Philosophengarten in der Südpfalz. Naturschutzgebiet, Grünflächen, direkt an der Promenade der Landesgartenschau.

Dreifachverglasung. KfW40 Standard. Hoher Komfort, bequeme Tiefgaragenplätze.

“Die acht Häuser mit Einheiten in unterschiedlichsten Größen verfügen über Balkone oder Terrassen – viele Wohnungen sind barrierefrei. Das denkmalgeschützte und geschichtsträchtige Generalstabsgebäude bietet 50er-Jahre-Architektur vom Feinsten.” (Homepage)

Generalstab? Ernst Bloch?

Ernst Bloch garantiert: Nachhaltigkeit. Erbschaft dieser Zeit! Spuren, die für immer bleiben. Denkmalschutz für den Geist der Utopie: erhöhte Abschreibung.

*

Klare Empfehlung vom Asphalt Tiger: SOFORT ZUGREIFEN!

Der Plattenbaudom

potsdam dom 1… aus Potsdam!

Ein Beweis, dass es auch anders geht! Dass man auch mit modernen Materialien etwas machen kann, das wie neu aussieht!

Ein Hauch von Großzügigkeit weht wieder durch das Stadtbild von Potsdam! Von Modernität und Weitsicht! Endlich! Man hat schon kaum mehr dran geglaubt, dann kommen die Architekten und Stadtplaner und verhelfen der Platte zu neuer Ehre. Aus der Geschichte lernen wir: Die Platte verschafft der Stadt wenigstens einen Hauch von Freiheit, Licht zum Sehen und Luft zum Atmen.

Asphalt Tiger schaudert: In der kapitalistischen Stadt herrscht äußerste Knappheit. An Platz, weil Quadratmeter teuer sind. Kein Fitzelchen Platz darf verschwendet werden, alles wird zugebaut! Äußerste Enge! Und wie hoch! Ein Mief von Pommes, Parfüm und U-Bahnabgasen weht durch die finsteren Gassen zwischen den Wolkenkratzern mit Primark, TK Maxx, den Fernsehgeschäften und den Telefonverleihern. Miasmen, von denen die Leute im Kapitalismus krank werden.

Stadtplaner haben dagegen in Potsdam eine großzügige Stadt entworfen. Sie räumen bald das ganze Zeug weg, das die Stadt so eng macht, Zeug, das oft erst in den letzten Jahren Stein auf Stein hier rangekarrt wurde. Schön große Plätze mit Parkbänken und Blumenrabatten in Betonkübeln werden entstehen! Rosen, Geranien, ein paar Bäume. Ein Springbrunnen! Eine schlanke Höhendominante mit Bungee-Jumping!

Wenn die Leute auf den Potsdamer Dom steigen und dabei einen Blick aus den modernen Plattenbaufenstern nach draußen werfen, auf eine Stadt, die immer kleiner vor ihren Augen verschwindet, können sie die Zukunft schon ahnen!

Ernte

rolle

Störlichtbogen geprüft

störlichtbogen geprüftEs ist für die Leute ein Ding der Selbstverständlichkeit, dass ein Störlichtbogen eingesperrt gehört. Am hellichten Tage stört er vielleicht nicht so, aber in der Nacht. Wenn alle Leute schlafen wollen.

Schlafen!?!??

Asphalt Tiger kann das nicht verstehen!

Asphalt Tiger stellt sich den Störlichtbogen wunderschön vor!

Aber es hilft nichts, er bleibt eingesperrt, mit der einsilbigen Begründung: “Geprüft”.

Asphalt Tiger rüttelt an der Tür: Verschlossen! Als er sein Ohr an die Tür legt, in der Hoffnung, den Störlichtbogen wenn nicht zu sehen, dann doch wenigstens (wenn auch nur leise) zu hören, stockt ihm der Atem: Alles still.

Leise verabschiedet sich Asphalt Tiger vom eingesperrten Störlichtbogen, nicht ohne einen letzten Blick auf das eiserne Gehäuse zu werfen, in dem er den Störlichtbogen nur noch vermuten kann.

 

 

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.