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grauflächenDass die neuen Stadtlandschaften vor allem – das Beispiel Berlin beweist aber: nicht nur – in der Provinz so eintönig, trist und grau wirken, könnte am Problem mit den dünnen Datenleitungen liegen, die die Mitarbeiter im Architekturbüro zur äußersten Rationalisierung zwingt: Alles muss sich schnell, schnell rechnen lassen. Der dateninfrastrukturelle Wettbewerbsnachteil führt hier zum ästhetischen Todesurteil für eine ganze Region, die sich von den im Stadtbild angerichteten Schäden auf Jahrzehnte nicht erholen wird: Standortnachteile, Verminderung der Lebensqualität.

Wenn die Entwürfe zu kompliziert sind, kann es passieren, dass die Rechner selbst an den einfachsten großflächigen Grauflächen so lange rechnen – Tag und Nacht, Tag und Nacht, die kostenlosen PraktikantInnen geben sich im Wachdienst hundemüde die Klinke in die Hand -, dass die ganze Zeitplanung des neuen Einkaufskomplexes, Ärztehauses oder Seniorenheims durcheinander gerät und die Konservendosen, Blutproben und Rollatoren und die, die drauf warten, schon längst übers Verfallsdatum sind, wenn der erste Spatenstich vorgenommen wird. Darum fahren die vollgepackten Laster weiter auf den Autobahnen um die Städte herum.

gute baustelleDas Schönste an Neubauten sind die Baustellen …

 

Das Einzige, was hilft: Reduce to the Max. Kurven sind zu kompliziert – raus damit! Das Wunder eines Grashalms: auf einer Computerzeichnung? Viel zu kompliziert. Auf den Freiflächen wachsendes Unkraut sich allein vorzustellen, gar mit unpaarig gefiederten Blattspreiten, gesägt-gezähntem, gebuchteten oder schrotsägerandigen Blattrand, ganz zu schweigen von zarten Blättern mit netznerviger oder fiedernerviger Nervatur, Blütenständen, die  fein aus zahllosen Dolden mit Hülle und Hüllchen zusammengesetzt sind, oder Blüten mit glockig verwachsenen Blütenkronen – ein Alptraum!

schöne baustelleAbb.: Während die fertigen Gebäude oft eine ästhetische Enttäuschung sind, sind Baustellen meistens eine wahre Augenweide … Flirrende Eleganz und Leichtigkeit …

Schweißgebadet wachen Architekten auf, heben schwere, graue Hörer an ihre salzklebrige Ohrmuschel, wählen mit zitternden Fingern auf der gelbstichigen Wählscheibe und rufen im Büro an, ob der Rechner auch brav weiter Grauflächen rechnet und der Plotter Blatt für Blatt mit solidem Grau vollspuckt. Die Praktikanten, vollkommen übermüdet und dösig, nicht zuletzt von den Raumtemperaturen, die von den unablässig surrenden Rechnern in die Höhe getrieben werden, nicken nur und denken nicht daran, dass die Architekten ihr Nicken gar nicht hören können! Die Kaffeekosten sind zu hoch, es muss weiter reduziert werden.

So vergeht Tag um Tag, und die Eröffnung des Einkaufszentrums rückt näher. In Nauen, in Bernau, in Stahnsdorf, aber auch in Berlin. Wir warten geduldig und gespannt!

 

Wetterwechsel

IMG_2332Das Wetter wechselt rasch. Die Leute im Hotel können das natürlich nicht ahnen. Sie schauen durch die Fassade, auf der sich blauer Himmel und Schönwetterwölkchen spiegeln, hinaus in die Sonne. Die Wäschespinnen im Garten hinterm Hotel beginnen schon zu flattern. Asphalt Tiger schaudert. Eine Katastrophe!

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eberswalde

Im Niemandsland

das schild nach nirgendwoDass Asphalt Tiger im Niemandsland angekommen war, wusste er, als er sich das Straßenschild genauer ansah. Dass Asphalt Tiger sich mitten im Nirgendwo befand, begriff er, als er begriff, dass er auch schon vorher im Niemandsland gewesen war, ja, geraume Zeit schon durch das Niemandsland gefahren war, ohne dass ihn irgendwas und irgendwer darauf aufmerksam gemacht oder gar daran gehindert hätte. Mitten im Niemandsland: dieses Schild, das so viel erklärte wie es rätselhaft blieb.

Asphalt Tiger besann sich. Dass diese Grenzüberschreitung so einfach und mühelos gelingen konnte, hätte Asphalt Tiger nimmer gedacht! Ganz plötzlich: Staatenlos im Nirgendwo! Ein Schauder überlief ihn: So muss es sein, wenn das Ende der Geschichte wirklich erreicht ist. Alles gelingt ohne Anstrengung, ohne Arbeit (ohne Scheiß!), alles fällt einem zu wie ein Geschenk. Das ist Glück! Aber als er seiner Freude über die Freiheit Ausdruck verleihen wollte, merkte der Tiger, dass das Ende der Geschichte wohl doch anders sein sollte.

Deswegen fuhr er auch einfach weiter, ohne sich lange zu besinnen. Im Wald knackste es, und dann hörte er das Trappeln und die Laute.

Vollmond

vollmondAsphalt Tiger ist voll alle! Die Sonne knallt auf ihn herab, und das schon seit Stunden. Asphalt Tiger lenkt sein zweirädriges Gefährt auf den Standstreifen der Landstraße und wischt sich die Stirn. Als er seine Augen zukniept und nach oben schaut, kriegt er einen Schock: Ach du Scheiße! Er hatte gar nicht bemerkt, wie Vollmond und Chemtrails gleichzeitig  aufgezogen waren! Jetzt wusste er auch, warum ihm die ganze Zeit schon so dizzy war.

Doch: Hatte sein Aluhelm etwa nicht geholfen?

Als Asphalt Tiger sein Aluhelm vom Kopf zog, um ihn auf seine Funktionsfähigkeit zu überprüfen, dampfte es darunter ganz gewaltig. Die Fliegen, die sich auf seinen Aluhelm gesetzt hatten, waren verkokelt.

“Ganze Arbeit geleistet, Aluhelm!”, sagte Asphalt Tiger, klopfte drauf und setzte den Helm wieder auf. Als er sein Kofferradio an der Lenkstange anschaltete, kam ein Lied von Haarpo. Asphalt Tiger stellte das Gedudel lauter und schoß wie ein geölter Blitz durch die Landschaft. Der Fuchsschwanz schoss hinterher! Guter Effekt!

Später war dann auch der Vollmond weggegangen.

 

 

 

Der Koloss

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Marsmännchen

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